Ein rotes Spielzeugauto mit einem vierblättrigen Kleeblatt steht auf Geldscheinen, daneben zwei Würfel.
Bildrechte: imago images / Panthermedia

Betrugsmasche Immer mehr falsche Gewinnversprechen

Die Zahl der Betrugsversuche mit Gewinnversprechen in Mitteldeutschland steigt an. Das belegen Statistiken der Landeskriminalämter. Wie man sich gegen die Trickdiebe schützen kann, können Sie hier nachlesen.

von Raja Kraus

Ein rotes Spielzeugauto mit einem vierblättrigen Kleeblatt steht auf Geldscheinen, daneben zwei Würfel.
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Die Anzeigen zu Betrugsversuchen mit Gewinnversprechen in Mitteldeutschland steigen. Das zeigen Auswertungen der Landeskriminalämter, die das MDR-Magazin "Kripo live“ bekommen hat. So wurden nach einer Stichwortsuche beim LKA Sachsen im Jahr 2016 286 Fälle von Betrugsversuch mit Gewinnversprechen gefunden, 2018 waren es 794 Fälle. Das wäre ein Anstieg um 178%. In Sachsen-Anhalt wird eine eigene Statistik zum "Call-Center-Betrug" geführt. Die Telefonbetrugsversuche sind auch hier angestiegen: von 671 angezeigten Fällen (2017) auf 736 Fälle (2018). An Gewinnversprechen gekoppelt waren davon 175 (2017) und 171 (2018) Anrufe. In Thüringen hat die Zahl der angezeigten Straftaten zwischen 2017 und 2018 zwar leicht abgenommen (542 und 513 Anzeigen), allerdings wurden bis Mitte Juli dieses Jahres bereits 332 Betrugsversuche angezeigt.

Welche Maschen gibt es?

Typisch sind Betrugsversuche mit Gewinnversprechen am Telefon; in der Regel kommt der Anruf über das Festnetztelefon. Es wird ein Gewinn suggeriert, den man aber, etwa durch eine Überweisung, zunächst aktivieren muss. "In den letzten Jahren kamen die Betrüger immer mehr auf die Masche der Stream- oder I-Tunes-Karten", sagt Julia Kohl von der Polizeiinspektion Suhl dem MDR-Magazin "Kripo live". Die Betrüger fordern dazu auf, Gutscheinkarten, zum Beispiel von Amazon, zu erwerben und die Gutscheincodes an sie weiterzugeben.

Auch Briefe mit Gewinnversprechen werden verschickt. "Manchmal wird die Kopie des angeblich eingesandten Lösungswortes eines Kreuzworträtsels beigelegt", sagt Simone Meisel, Sprecherin der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt. Wer wirklich regelmäßig Kreuzworträtsel ausfülle, erinnere sich dann oft nicht an tatsächlich versandte Lösungswörter.

"Zunehmend wird auch das Online-Segment und Social Media bedient", erklärt Stefanie Siegert von der Verbraucherzentrale Sachsen. Anzeigen etwa lockten mit Gewinnen und forderten User zum Eingeben ihrer Kontodaten auf.

Wie funktioniert der Betrug?

Nach wie vor suchten sich die Betrüger ihre Opfer meist im Telefonbuch, so die Polizei und Verbraucherschützer. Es werde gezielt bei den Namen nach älteren Menschen angerufen. Neben Gewinnversprechen gebe es häufig auch nach wie vor den "Enkeltrick". Oder Schreiben vermeintlicher Inkassobüros, die offene Beträge unter Androhung von Sanktionen einfordern. Bei unseriöser Post mit beigelegtem Überweisungsträger kann oft schon eine ausländische IBAN-Nummer ein Hinweis sein, das etwas nicht stimmt.

Wie kann man sich schützen?

Das Wort ''Datenschutz'' und Zahlen sind auf einem Computermonitor zu sehen.
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"Achten Sie auf Ihre Daten", rät Simone Meisel von der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt. Und zwar nicht erst, wenn ein unseriöser Brief oder Anruf kommt, sondern generell: Etwa den Adressaufdruck auf abonnierten Zeitungen oder Zeitschriften sollte man entfernen, bevor man sie ins Altpapier gibt. Kontodaten sollte man nicht preisgeben. Es gilt auch: Mindestens einmal pro Monat die Bewegungen auf dem eigenen Konto kontrollieren. "Bei Abbuchungen, die man nicht zuordnen kann, kann man dann einschreiten", so Meisel.

Bei Anrufen, die einem komisch vorkommen, rät Julia Kohl von der Landespolizeiinspektion Suhl: "Legen Sie einfach umgehend auf. Lassen Sie sich niemals auf derartige Gespräche ein." Die Betrüger versuchten mit freundlichen Worten, das Vertrauen zu gewinnen. Die Verbraucherschützer raten Opfern von Betrugsanrufen außerdem zu einer Anzeige der Rufnummer bei der Bundesnetzagentur. Diese kann die Nummer dann sperren lassen. Wer ein Schreiben mit einem Gewinnversprechen erhält, kann sich damit an die Verbraucherzentralen wenden. "Wir können das ganz gut einschätzen, ob das echt ist oder nicht", sagt Stefanie Siegert von der Verbraucherzentrale Sachsen.

Was kann man gegen die Betrüger unternehmen?

Gegen die Betrüger effektiv vorzugehen, ist schwierig. In den letzten zweieinhalb Jahren konnten in Thüringen nur 49 der insgesamt 1387 angezeigten Straftaten in diesem Bereich aufgeklärt werden. In Sachsen wurden in den Jahren 2016 bis 2018 95 von 1602 angezeigten Straftaten aufgeklärt.

Es gilt also: Vorsichtig sein und bei dubiosen Schreiben und Anrufen die Polizei informieren.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Kripo live | 21. Juli 2019 | 19:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Juli 2019, 10:00 Uhr