Görlitz Ein Jahr Videoüberwachung: Polizei zieht positive Bilanz

Vor gut einem Jahr wurden in Görlitz an vier Punkten in der Stadt Kameras für polizeiliche Videoüberwachung scharf geschaltet. An vier Stellen der Stadt, wo das Innenministerium Kriminalitätsschwerpunkte in der sächsischen Grenzstadt ausgemacht hat. Auf 100.000 Einwohner hochgerechnet gab es in Görlitz rund 4800 Straftaten, in Sachsen sind es durchschnittlich nur 2800. Nun also ein Jahr später, was hat die Videoüberwachung gebracht und wie wird Big Brother in Görlitz gesehen?

Eine polizeiliche Videoanlage steht auf der Görlitzer Altstadtbrücke, im Hintergrund ist die Peterskirche zu sehen.
An vier Stellen wird Görlitz mit Videokameras überwacht. Bildrechte: dpa

Wie zwei graue Stelen stehen die Videokameras rechts und links am Eingang der Görlitzer Altstadt-Brücke. 100 Meter weiter beginnt Polen. Von hier aus überwacht die sächsische Polizei das, was auf der deutschen Seite im Umkreis von 20 Metern passiert.

Die Altstadtbrücke ist einer von vier Punkten in Görlitz, die seit gut einem Jahr videoüberwacht werden. Diebstähle, aber auch Auto- und Wohnungseinbrüche, vor allem in der Altstadt, sollen damit bekämpft werden. Potentielle Straftäter sollen von den Kameras abgeschreckt werden. Und das habe funktioniert, sagt Daniel Mende, Kriminaldirektor der Polizeidirektion Görlitz.

Kriminalitätsrückgang und Verdrängungseffekte

Dass die Kriminalität in Görlitz zurückgegangen sei, zeige die aktuelle Kriminalitätsstatistik für das zurückliegende Jahr. "Wir stellen fest, dass wir dort Straftatenrückgänge im Bereich von 15 Prozent feststellen können, wenn man die Gesamtkriminalität betrachtet, aber im Bereich  der besonders schweren Einbruchsdiebstähle ein Straftatenrückgang von insgesamt 40 Prozent haben", sagt Mende.

Die Zahl der Auto- und Wohnungseinbrüche in der Altstadt seien sogar um über 80 Prozent zurückgegangen. Mende sei aber auch klar, dass die Straftäter nun unter Umständen in andere Bereiche ausweichen. Mende sieht Verdrängungseffekte außerhalb von Görlitz.

Besonders im Bereich Zittau und Weißwasser sei das aufgefallen, sagt Kriminaldirektor Mende. "Dort kann man aber nicht eindeutig sagen, ob es wirklich alles komplett Verdrängungseffekte sind, weil wir gerade in diesen Bereichen, in diesen Deliktsfeldern, sehr starke saisonale Schwankungen haben. Dort werden also immer mehrere Effekte zusammenkommen."

Linkenpolitiker hinterfragt Wirksamkeit

Dass Straftaten nun woanders passieren, ist nur ein Grund, warum Linken-Politiker Mirko Schultze die Videoüberwachung in seiner Heimatstadt ablehnt. Schultze, der für die Linksfraktion im sächsischen Landtag sitzt, sagt außerdem: Wenn eine Handtasche geklaut werde, helfe in dem Moment auch keine Kamera.

Mehr Polizeistreifen in Görlitz, die man ansprechen könne, fordert Schultze stattdessen. Und der Linkenpolitiker macht sich auch Sorgen um den Datenschutz. Denn obwohl der sächsische Datenschutzbeauftragte der Videoüberwachung in Görlitz zugestimmt hat, wisse niemand was mit den Bildern der hochauflösenden Kameras wirklich passiere.

Die Kameras in der Görlitzer Altstadt seien das modernste, was man an Technik hätte, sagt der Linkenpolitiker, "und mir kann bis jetzt niemand erklären: Welche ausländischen Dienste können denn dann letztlich tatsächlich auf diese Angaben zurückgreifen?" Lieber heute als morgen würde Schultze deswegen die Kameras wieder loswerden.

Polizei prüft Notwendigkeit weiterer Kameras in Neißestadt

Und was wollen die Görlitzer? Wie sehen Sie die Videoüberwachung? Eine Umfrage in der Stadt zeigt: Einige fühlen sich sicherer, wenn sie abends auf die Straße gehen, oder begrüßen die Kameras als Maßnahme gegen Spannungen zwischen polnischen und deutschen Jugendlichen. Anderen erscheint die Kriminalität in Görlitz trotz Kameras immer noch relativ hoch, wenn sie in die Zeitungen blicken.

Die Polizei Görlitz überprüft gerade im Auftrag des Innenministeriums, ob weitere Kameras in Neißestadt aufgestellt werden sollten. Man habe dabei vor allem die Bereiche im Blick, so Kriminaldirektor Daniel Mende, in die die Straftäter wegen der Videoüberwachung ausgewichen sind.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. September 2020 | 06:46 Uhr

6 Kommentare

wasserfall vor 1 Wochen

Videoüberwachung mag das Problem nicht beheben, aber es dämmt es ein und falls nicht, so hat man die Täter auf Video. Ganz entscheidend.

Ich wäre dafür.

pietschie vor 1 Wochen

Wer hat den in Sachsen die letzten Jahre regiert? so ein dummer Kommentar. Wer streicht jährlich die Polizei zusammen rot grün? Hier in Sachsen wars doch immer die CDU. Videos muss auch jemand auswerten, der vergleich mit Monaco hinkt vorne und hinten.

Matthi vor 1 Wochen

Eine positive Bilanz das wäre doch für viele Städte empfehlenswert wird leider in Städten wo Grün und Rot das sagen haben nicht gemacht. Zum einen schreckt Video Überwachung ab zum anderen können Täter schneller ermittelt werden. Jedes Opfer einer Straftat ist eins Zuviel. Warum leben soviel Reiche in Monaco weil da an jeder Ecke videoüberwachung stattfindet mit Echtzeit Überwachung. In unserem ach so reichen Deutschland kann ja noch nicht einmal der Streifendienst sichergestellt werden.