Umweltschutz Greenpeace: Zustand von Nord- und Ostsee schlechter denn je

Plünderung, Zerstörung, Verschmutzung - Greenpeace lässt in einem aktuellen Report kein gutes Haar am Zustand der deutschen Meere. Kritiker werfen der Umweltorganisation jedoch eine Verzerrung vor.

Junge Heringe schwimmen in der Ostsee
Der Heringsbestand in der Ostsee geht immer weiter zurück, kritisiert Greenpeace in seinem Report. Bildrechte: dpa

Der Zustand der Ökosysteme der Nord- und Ostsee ist nach Ansicht von Greenpeace schlechter denn je. Das geht aus einem aktuellen Report der Umweltorganisation hervor. Greenpeace prangert darin das Plündern, Zerstören und Verschmutzen der Meere "nur für den kurzfristigen Profit" an.

Schwindende Bestände von Dorsch und Hering

Nach Angaben von Greenpeace schwinden die Fischbestände von Dorsch und Hering in der Ostsee. Dagegen hält das staatliche Thüne-Institut für Ostseefischerei. Direktor Christoph Zimmermann kritisiert, dass der Bericht die Lage verzerrt darstelle, weil die Organisation mit dramatischen Aussagen Druck erzeugen wolle. Zimmermann zufolge geht es in der Ostsee derzeit einem von zwei Dorschbeständen (Ostdorsch) und einem von vier Heringsbeständen (Westhering) schlecht oder sehr schlecht. Bei beiden Beständen spielten die veränderten Umweltbedingungen die größere Rolle.

Zerstörung von Ökosystemen

Greenpeace kritisiert zudem, dass den deutschen Schutzgebieten in Nord- und Ostsee jegliches Management fehle. In den Schutzzonen der Nord- und Ostsee sowie im Nationalpark Wattenmeer seien immer noch die zerstörerische Fischerei mit Grundschleppnetzen und Stellnetzen erlaubt, auch die Ausbeutung von Öl oder Sand- und Kiesabbau, moniert der Report.

Der Deutsche Fischerei-Verband wehrt sich gegen die Darstellung, es gebe kein Management. Es gebe unter anderem Naturschutzverordnungen, Raumordnung oder Nationalparkgesetze im Wattenmeer. Fischerei in Schutzgebieten könne weiter laufen, weil sie nicht "zerstörerisch" sei. Ähnlich sieht es Zimmermann: Umweltverbände erzeugten gerne den Eindruck, dass Fischerei grundsätzlich alles kaputt mache. Für jedes Schutzgebiet müsse sich aber individuell angeschaut werden, was dort erlaubt werden könne und was nicht.

Fischerei weist alleinige Schuld von sich

Der Thüne-Instituts-Chef meint, die Umweltverbände trügen eine Mitschuld daran, dass der Prozess zum Schutz der Meere so schleppend verlaufe, "weil die zum Beispiel Forderungen stellen, die einfach nicht konsensfähig sind".

Greenpeace zieht in seinem Report das Fazit, Deutschland habe alle selbst gesetzten Ziele verpasst und mahnt: "Im Kampf gegen die Klimakrise und das Artensterben sind wir besonders auf gesunde Meere als Verbündete angewiesen"

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. Juli 2020 | 08:00 Uhr

4 Kommentare

part vor 15 Wochen

Ich bin ein >>Beltretter<<, denn ich habe unterzeichnet gegen das Projekt der Beltuntertunnelung. Die Ostsee ist mittlerweile zum schmutzigsten Binnenmeer in Europa geworden, weiterhin Einleitungen durch die Landwirtschaft, geringer Wassermassenaustausch, Altlasten durch Munition und chemische Kapfstoffe und vermehrt Touristen, die mit ihrem Hund am Stand Urlaub machen müssen, weil er nicht in der Flieger passt.

Norbert 56 NRW vor 15 Wochen

Von welchem Report ist hier die Rede ? Greenpeace macht schon lange nichts mehr vor Ort, Hochrechnungen in Exxellisten kann fast jeder dressierte Schimpanse.

NochJemand vor 15 Wochen

Man kann zu Greenpeace stehen wie man mag, aber sie haben hier Recht.
Eigentlich ist es ein wohlbekanntes Naturgesetz: wenn ich mehr rausnehme als nachkommt, geht der Vorrat zu Ende. So ist es mit den Fischen.
Und die sorglose Zerstörung der Natur für alles, was Geld bringt, passiert ja nicht nur im Meer.
Ein Schutzgebiet soll - wie der Name sagt - geschützt sein, da dürfte es keine Sondergenehmigungen geben. Gar keine, für niemanden, Lobby hin oder her.

Dass der Fischereiverband aufheult, liegt in der Natur der Sache.
Sicher gibt es Regeln, aber auch Ausnahmen und Schlupflöcher. Und wenig Kontrollen.