Kunsthändler-Verband Beute aus Grünem Gewölbe unverkäuflich

Nach dem Kunstdiebstahl im Grünen Gewölbe in Dresden halten Kunsthändler die Beute für unverkäuflich. Der Vorstand des Bundesverbandes Deutscher Galerien und Kunsthändler, Thole Rotermund, sagte MDR AKTUELL, es gebe dafür keinen Markt. Der Verkauf solch hochkarätiger Werke spiele sich nicht im Hinterhof ab.

Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Was geschieht mit dem Diebesgut aus dem Grünen Gewölbe? Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)

Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden sprechen von einer kulturhistorischen Katastrophe. In Geld lasse sich die Dimension des Desasters nicht messen, vielmehr seien durch den Raub in dem vom Kurfürsten August dem Starken angelegten Staatsschatz Lücken gerissen worden.

Können die Diebe die Juwelen im Originalzustand verkaufen?

Thole Rotermund hält das für ausgeschlossen. Der Vorstand im Bundesverband Deutscher Galerien und Kunsthändler sagte MDR AKTUELL: "Gerade der Markt für derart hochkarätige Werke, der spielt sich nicht in irgendeinem Hinterhof ab, sondern das wäre gegebenenfalls ein internationaler Markt und der internationale Mark ist so transparent, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass solche Arbeiten unbemerkt und unidentifiziert in irgendeinen Kunstmarkt einfließen können."

Kein auch nur halbwegs seriöser Händler würde derartige Objekte ankaufen, ohne deren Herkunft oder entsprechende Datenbanken zu prüfen.

Diese Kostbarkeiten verschwanden aus der Vitrine im Grünen Gewölbe


Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Das Juwelenzimmer in der Schatzkammer des sächsischen Kurfürsten mit der Schmuckvitrine, als sie noch vollständig war. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Das Juwelenzimmer in der Schatzkammer des sächsischen Kurfürsten mit der Schmuckvitrine, als sie noch vollständig war. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Diamantrosengarnitur
Die Diamantrosengarnitur Überblick über alle Teile der Diamantrosengarnitur Bildrechte: SKD, Jürgen Karpinski
Degen (Diamantrosengarnitur)
Diamantrosengarnitur Degen aus der Diamantrosengarnitur Bildrechte: Grünes Gewölbe, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Jürgen Karpinski
Zwei gewölbte Schuhschnallen aus der Diamantrosengarnitur
Diamantrosengarnitur Zwei gewölbte Schuhschnallen aus der Diamantrosengarnitur Bildrechte: Grünes Gewölbe, Staatliche Kunstsammlungen Dresden; Jürgen Karpinski
Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Diamantrosengarnitur Kleinod des Polnischen Weißen Adler-Ordens: Er trägt 225 größere und kleinere Diamanten. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Diamantrosengarnitur Hutagraffe: Der Diamant in der Schleife oben hat 24,98 Karat. Der Mittelstein unten in der Rosette zeichnet sich durch 16,5 Karat aus. Die Hutkrempe besteht aus 13 großen und 103 kleineren Diamanten, aus Silber und Gold. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Große Diamantrose (Diamantrosengarnitur)
Diamantrosengarnitur Große Diamantrose Bildrechte: Jürgen Karpinski
Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Diamantrosengarnitur Achselschleife (Epaulette) - Teilstück vorhanden: Das Schmuckstück trägt 20 große und 216 kleine Diamanten, besteht aus Gold und Silber. Die größte Diamantrose in der Mitte der Doppelschleife hat 31,5 Karat. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
10 Rockknöpfe aus der Diamantrosengarnitur
Diamantrosengarnitur 10 Rockknöpfe aus der Diamantrosengarnitur (einzelne erhalten) Bildrechte: Jörg Schöner
Brillantgarnitur
Brillantgarnitur Überblick über die Brillantgarnitur Bildrechte: SKD, Jürgen Karpinski
Hutschmuck, sogenannter Reiherstutz aus der Brillantgarnitur
Brillantgarnitur Hutschmuck, sogenannter Reiherstutz Bildrechte: Jürgen Karpinski
Epaulette mit dem sog. "Sächsischen Weißen" aus der Brillantgarnitur
Brillantgarnitur Epaulette mit dem sog. "Sächsischen Weißen" Bildrechte: Jürgen Karpinski
Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Brillantgarnitur Bruststern des polnischen Weißen Adler-Ordens Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Diamantschmuck und die Perlen der Königinnen
Diamantschmuck und die Perlen der Königinnen Bildrechte: SKD, Jürgen Karpinksi
Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Diamantschmuck und die Perlen der Königinnen Diese große Brustschleife gehörte Königin Amalie Auguste. Der Schmuck stammt aus dem Jahr 1782 und trägt 51 große und 611 kleine Brillanten. Die Steine werden von Gold- und Silbereinfassungen gehalten. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Diamantschmuck und die Perlen der Königinnen Aigrette für das Haar in Form einer Sonne Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
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Handelt es sich um einen Auftragsdiebstahl?

Der Direktor des Museums der Bildenden Künste Leipzig, Alfred Weidinger, kennt die Mär von reichen Russen, die es auf bestimmte Kunstwerke abgesehen hätten. Russen, die diese Bilder, auch die unverkäuflichen, dann irgendwo in einem Hochsicherheitsraum in ihrem Keller hätten und sich dann aller zwei Monate daran ergötzten, "diese Russen hat es möglichweise nie gegeben und die gibt es auch heute nicht. Davon bin ich überzeugt."

Auch Kunsthändler Rotermund geht davon aus, dass es hierzulande keinen Schwarzmarkt für solche Objekte gibt. Zwar kursiere vielleicht auf Plattformen wie Ebay das eine oder andere zweifelhafte Stück, aber "wenn man von einem Schwarzmarkt spräche, dann würden sie nicht annähernd einen Preis erzielen, der das Ganze lohnend machen würde".

Der Mega-Gau

Die Befürchtung von Museumsdirektor Weidinger lautet daher: "Man nimmt die Steine raus, wenn sie wertvoll sind, in der Regel Altschliffsteine, das heißt, man kann die relativ einfach umschleifen, wenn sie entsprechend groß sind und das Edelmaterial einschmelzen. Das ist natürlich das Schlimmste, das ist der Mega-Gau, aber damit muss man rechnen, dass so etwas geschieht."

Aufgrund ihrer Bekanntheit sind die Stücke im Original so gut wie unverkäuflich. Kulturgüter aus öffentlichen Museen sind im Prinzip auch nicht versichert, Schäden würden über die sogenannte Staatshaftung gedeckt. Das schmälert zugleich die Chance, dass die Täter ihre Beute gegen einen Lösegeld zurückgeben, Artnapping genannt.

Der Kunstversicherer Stephan Zilken sagte dem MDR: "Die sächsische Staatshaftung, wie alle anderen Staatshaftungen, schließen jede Form von Artnapping aus, was dazu führen wird, dass man im Zweifelsfall die Objekte auseinandernimmt, die Steine einzeln verkauft, umschleift und damit Kulturgut vernichtet."

Ein wenig Hoffnung

Museumsdirektor Weidinger erzählte im Interview mit MDR AKTUELL von einem kostbaren Salzfass, im ideellen Wert ebenfalls nicht zu taxieren, das im Mai 2003 aus dem Kunsthistorischen Museum Wien gestohlen wurde: "Und wir alle, auch meine Kollegen, haben uns gedacht, was wird er machen mit diesem Salzfass, verkaufen kann er es eh nicht, weil es eines der bekanntesten Kunstwerke der Welt ist, das heißt er wird es einschmelzen. Das Gute war: Er ha es nicht eingeschmolzen und es wurde dann einige Jahre später in einer Kiste im Wald vergraben gefunden."

Das Aufsichtspersonal habe damals den Alarm weggedrückt, weil es während Bauarbeiten immer wieder zu Fehlalarmen gekommen war, so Weidinger. Leichtsinn ermöglichte also diesen Raub. In Dresden soll nun erst einmal das genaue Ausmaß des Diebstahls untersucht werden, nach den Tätern wird weiter gefahndet.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. November 2019 | 11:00 Uhr

1 Kommentar

kennemich vor 47 Wochen

Genau, unverkäuflich, wie wohl auch die Goldmünze die in Berlin verschwand?