Kunstdiebstahl MDR erhält Kaufangebot für Juwelen aus Grünem Gewölbe

Der Redaktion der MDR-Sendung "Kripo live" wurden Juwelen aus dem Kunstraub im Grünen Gewölbe zum Kauf angeboten. Die vermeintlichen Diebe forderten einen Millionenbetrag in der Internetwährung Bitcoin.

Ein Polizeifahrzeug steht vor dem Residenzschloss mit dem Grünen Gewölbe.
Der Einbruch ins Grüne Gewölbe sorgte weltweit für Schlagzeilen - und ist bis heute nicht aufgeklärt. Bildrechte: dpa

Die MDR-Redaktion "Kripo live" hat ein Kaufangebot für Juwelen erhalten, die aus dem Grünen Gewölbe in Dresden gestohlen worden sind. Die Anbieter haben mit dem MDR über dieselbe verschlüsselte Mailadresse kommuniziert, über die bereits Ende der Woche mit einer israelischen Sicherheitsfirma kommuniziert worden sein soll. Die Firma bekam zwei Schmuckstücke aus dem Grünen Gewölbe für neun Millionen Euro angeboten.

Im Zuge dieser Recherche nahm die Redaktion "Kripo live" eigenständig Kontakt über jene Mailadresse auf und bekam überraschend Antwort. In einem längeren Mailwechsel bekam die Redaktion ein drittes Schmuckstück angeboten. Auch dafür verlangten die mutmaßlichen Täter die Zahlung von mehreren Millionen Euro in Bitcoins.

Anbieter droht mit Zerstörung

In einer nachfolgenden Mail sank die Forderung plötzlich auf eine deutlich geringere Summe. Außerdem übermittelte der Anbieter auch grobe räumliche Angaben, wo dieses eine Schmuckstück zu finden sei. In einer weiteren Mail wurde schließlich mit einer Zerstörung der Juwelen gedroht:

Wir werden bald die Diamanten herausschneiden und sie neu schleifen.

Vermeintliche Diebe per E-Mail

"Kripo live" hat den Mailwechsel umgehend an die ermittelnde SOKO "Epaulette" in Dresden weitergeleitet. Die Polizei bat darum, jene Teile aus den Mails, die Täterwissen sein könnten, nicht zu verbreiten.

Experte glaubt an Trittbrettfahrer

Außerdem zog "Kripo live" den Experten Dr. Thorsten Hofmann zu Rate. Der ehemalige Mitarbeiter des Bundeskriminalamtes hat Erfahrung mit Verhandlungen in Fällen von Entführung und Kunstdiebstahl. Er bezweifelt, dass die Mails von jemandem stammen, der tatsächlich zum Umkreis der Täter von Dresden gehört.

Die Art und Weise, wie in dem Mailaustausch verhandelt worden sei, und auch die Formulierungen darin sprächen nicht für ein professionelles Vorgehen. Ein Indiz sei der Umstand, dass innerhalb einer Stunde der geforderte Kaufpreis deutlich gesenkt worden sei. Hofmann dazu: "Normalerweise dauern diese Verhandlungen viel länger und ein so schnelles Reduzieren ist nicht der Fall."

Auch die Drohung, die Schmuckstücke bei Nichtzahlung zu zerstören, sei wenig professionell: "Damit würden sie sich den Ast absägen auf dem sie eigentlich selbst sitzen. Sie haben mit großem Risiko, mit großem Aufwand, mit großer Logistik die Schmuckstücke erbeutet und wollen sie jetzt für eine Nichtigkeit einfach zerstören."

Das Fazit des Experten: "Wenn man diese Indizien alle zusammenzählt, ist hier eher von einem Trittbrettfahrer auszugehen. Allerdings sollte auch klar sein, dass auch Trittbrettfahren bei solchen Straftaten selbst eine Straftat ist."

Die Dresdner Ermittler prüfen derzeit den Inhalt des Mailverkehrs.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. Januar 2020 | 19:50 Uhr