Operation in Leipzig Der kleinste Schrittmacher der Welt

Der kleinste Herzschrittmacher der Welt ist so groß wie eine Vitaminkapsel. Im Herzzentrum Leipzig wurde ein solcher erst vor wenigen Wochen erstmals implantiert. Auch erstaunlich: Der Eingriff dauerte nur 30 Minuten. Der Mini-Herzschrittmacher ist vor allem für Patienten, die schon mehrfach einen Schrittmacher erhalten haben, eine Option.

Herzschrittmacher
Die neueste Generation der Herzschrittmacher ist 93 Prozent kleiner als die herkömmlichen Geräte und zudem kabellos. Bildrechte: Sven Gückel | Herzzentrum Leipzig

"Das ist schon ein kleines Wunderwerk", freut sich Kardiologe Professor Gerhard Hindricks, als er den neuen Schrittmacher im "Hauptsache Gesund"-Studio zeigt. Der kleinste Schrittmacher der Welt ist nur in etwa so groß wie eine Vitaminkapsel und um 93 Prozent kleiner als herkömmliche Schrittmacher. Und doch sind alle lebensrettenden Elemente enthalten: "Die Batterie ist drin, die Steuerung, die Elektrode und die kleinen Fangärmchen, mit denen der Schrittmacher fixiert wird", erklärt der ärztliche Direktor des Helios Herzzentrums Leipzig.

Schrittmacher direkt im Herzen

Der Herzschrittmacher modernster Bauart wird nicht mehr in der Schultergrube wie üblich implantiert, sondern über die Leiste mit einem Katheter direkt ins Herz eingeführt. "Dort hält er sich mit den kleinen Häkchen fest und kann dort für viele Jahre die Schrittmacherfunktion übernehmen. Wir gehen von zehn Jahren aus“, so Hindricks.

Blutspende 6 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Hauptsache gesund Do 05.11.2020 21:00Uhr 06:00 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Geringe Infektionsgefahr

Bislang sind Herzschrittmacher mit Kabeln ausgestattet, die jedoch höhere Risiken für Infektionen bilden. Die neuartige Micra-AV Kardiokapsel ist hingegen kabellos und entzündungshemmend von einem Titanmantel umgeben. Daher eignet sich der neue Schrittmacher vor allem für Patienten, die schon mehrere Schrittmacher-Operationen hinter sich und damit ein höheres Risiko haben, an Infektionen durch den Eingriff zu erkranken. "Die kleinen Schrittmacher infizieren sich kaum noch und sind gerade für diese Patienten ein wesentlicher Fortschritt", betont Hindricks. Zudem eigne sich der Eingriff für Patienten, deren Venenverhältnisse die Implantation eines normalen Herzschrittmachers nicht zulassen.

Ärztlicher Direktor am Herzzentrum Leipzig Prof. Gerhard Hindricks
Der Kardiologe Professor Gerhard Hindricks ist der ärztliche Direktor des Helios Herzzentrums Leipzig. Bildrechte: Christian Hüller

Minimaler Eingriff

Behandelt werden können mit dem neuen Schrittmacher vorrangig Patienten mit einem sogenannten AV-Block und normaler Vorhofaktivität. Hierbei ist die Überleitung der Erregung vom Vorhof auf die Herzkammern behindert oder unterbrochen, was im schlimmsten Fall zum Herzstillstand führen kann. Im November vergangenen Jahres wurde der neue Schrittmacher am Herzzentrum Leipzig erstmals implantiert. Der Eingriff erfolgte minimalinvasiv und dauerte nur 30 Minuten. Der Patient konnte am Tag nach der Implantation wieder entlassen werden. Ein weitere Vorteil: Da der Schrittmacher über einen Katheter eingeführt wird, bleiben keine Narben zurück. "Der Katheter wird nach dem Eingriff aus der Leiste entfernt. Das sieht man schon nach zwei Tagen nicht mehr", erklärt Hindricks.

Offene Fragen

Der kleine Schrittmacher ist ein wichtiger Schritt in eine neue Zukunft der Therapie von Herzrhythmusstörungen. Allerdings gibt es bei dem neuen Modell auch noch offene Fragen, beispielsweise was den Tausch des Gerätes anbelangt. "Das weiß man noch nicht ganz genau, wie man damit umgeht. Der Schrittmacher hat eine Laufzeit von zehn Jahren. Ich glaube, dass er drin bleibt, weil er einwachsen wird. Und wenn der nächste rein muss, wird der einfach einen Zentimeter daneben gesetzt", sagt Hindricks.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 14. Januar 2021 | 21:00 Uhr

Ein Angebot von

Zurück zur Startseite