Birkenpollen
Birkenpollen haben im April Hochsaison - und sorgen für verstopfte Nasen. Bildrechte: imago images/localpic

Pollenflug Weniger leistungsfähig durch Heuschnupfen

Eine laufende Nase, juckende Augen, Niesanfälle: Kaum eine Allergie ist in Deutschland so weit verbreitet wie der Heuschnupfen. Und die Heuschnupfen-Saison ist gerade auf ihrem Höhepunkt. Aber wie kann er sich auf die Leistungsfähigkeit auswirken? Was versprechen Therapien?

von Lennart Banholzer, MDR AKTUELL

Birkenpollen
Birkenpollen haben im April Hochsaison - und sorgen für verstopfte Nasen. Bildrechte: imago images/localpic

Bei der Halloren Apotheke in der Innenstadt in Halle liegen sie schon im Schaufenster: Allergietabletten gegen Heuschnupfen. Schon seit Wochen sind die wieder gefragt, wie ein paar Meter weiter eine Betroffene berichtet. Sie habe Heuschnupfen: "Ich habe dicke Augen und meine Nase ist immer zu."

Die Allergie, sagt die Passantin, schränke sie im Alltag ein. "Ich arbeite teilweise draußen und das ist dann schon anstrengend. Ohne Medikamente schaffe ich es meistens nicht über den Tag." Sie nehme vor allem Nasenspray. Denn die Wirkung von Tabletten habe bei ihr mittlerweile nachgelassen.

Gerade in Städten ist Heuschnupfen verbreitet

Nicht jeder geht wegen der Allergie zum Arzt. Deshalb ist nicht genau bekannt, wie viele Menschen in Deutschland von Heuschnupfen betroffen sind. Die letzten Zahlen stammen aus dem Jahr 2013, wo bei einer repräsentativen Erhebung fast 15 Prozent der Befragten angaben, wegen der Allergie in Behandlung gewesen zu sein.

Mittlerweile dürften es deutlich mehr sein, sagt die Leiterin des Leipziger Zentrums für Allergologie, Regina Treudler. "Was wir wissen und beobachten, ist – und da gibt es auch gute Daten hier aus Leipzig –, dass Menschen, die in verkehrsreichen Gegenden oder in der Innenstadt wohnen, häufiger Allergien haben als Menschen, die im ländlichen Bereich oder am Stadtrand wohnen."

Pollen werden aggressiver

Untersuchungen im Labor hätten ergeben, dass Abgase und Feinstaub Pollen aggressiver machen, erklärt Allergologin Treudler. Das führe nicht nur zu mehr Betroffenen, sondern tendenziell auch zu stärkeren Symptomen. Um die zu bekämpfen, empfiehlt sie Nasensprays und Allergietabletten.

Wenn beides nicht hilft, sei die Spritzen-Therapie nötig, die sogenannte Hyposensibilisierung, so Treudler weiter. Die würde meist über drei Jahre durchgeführt werden. "Sehr viele profitieren deutlich davon". Doch viele merkten nach fünf bis zehn Jahren, dass Symptome wiederkämen. Dann könne man überlegen, die Therapie wieder aufzunehmen. Neue Medikamente würden zwar getestet, seien zurzeit aber noch zu teuer, um sie routinemäßig einzusetzen.

Forderung nach mehr Forschung

Deshalb fordert der Leiter des Allergiecentrums der Universität Dresden, Christian Vogelberg, mehr staatliche Förderung für innovative Therapien. Denn Heuschnupfen schränke viele Menschen in ihrer Leistungsfähigkeit ein. "Das macht sich bei Kindern und Jugendlichen bei den Schulnoten und der Konzentrationsfähigkeit bemerkbar" und bei den Erwachsenen "als Ausfall am Arbeitsplatz", so der Mediziner.

Heuschnupfen wird oft nicht ernst genug genommen

Aus der Sicht des Allergologen Vogelberg führe die Häufigkeit von Heuschnupfen manchmal zu einer Banalisierung. Viele würden deshalb nicht sehen, dass Heuschnupfen eine chronische Erkranung sei, die Betroffene sehr stark beeinträchtigt.

Aus seiner Sicht sollte deshalb mehr aufgeklärt werden. Damit beispielsweise Lehrer den Zusammenhang zwischen einem Heuschnupfen und einer Verschlechterung von Noten erkennen können.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. April 2019 | 05:22 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. April 2019, 05:00 Uhr

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1 Kommentar

25.04.2019 15:55 Fragender Rentner 1

Warum hatten wir unter Ostzeiten nicht soviele Fälle ?

Was hatte uns meistens davor geschützt?

Wo jetzt angeblich die Luft sauberer wäre?

Kann es auch an der Ernährung und dem drum herum liegen, wie der Düngung, Spritzung usw. ?