Covid-19 Medizinstudierende sollen in Corona-Krise helfen

Im Zuge der Corona-Krise wird in den Krankenhäusern mehr Personal benötigt. So gibt es auch die Überlegung, Medizinstudierende vermehrt für den Einsatz in den Kliniken heranzuziehen.

Ein Medizinstudent hält in der Charité in Berlin ein Stethoskop in der Hand
Gegen überlastetes Personal in Krankenhäusern könnten Medizinstudierenden helfen - zumindest teilweise. Bildrechte: dpa

Der Personalbestand in den Krankenhäusern hat sich im Zuge der Corona-Krise sehr verändert. Zum einen, weil Personal für die Pandemie-Betreuung abgestellt wurde. Zum anderen, weil sich Dienstpläne geändert haben. Zum Beispiel, wenn Mitarbeiter selbst zu Risikopatienten wurden, oder weil sie ihre Kinder zu Hause betreuen müssen.

Jede Hilfe mit medizinischem Sachverstand gebraucht

Deshalb ist es durchaus sinnvoll, Medizinstudenten für den Einsatz in den Krankenhäusern heranzuziehen. Das erklärt zum Beispiel der Infektionsmediziner vom Klinikum Chemnitz, Dr. Thomas Grünewald: "Wir können jeden gebrauchen in der jetzigen Situation, der mithelfen kann und der ein wenig medizinischen Sachverstand hat. Wir kennen es aus der Flüchtlingskrise, dort haben auch Medizinstudenten mitgeholfen, das ist prinzipiell sehr sinnvoll. Sie können natürlich nicht jeden nehmen, sondern Sie müssen einzeln prüfen."

Natürlich hätten Studierende in den fortgeschrittenen Semestern deutlich mehr Erfahrung, sagt Grünewald weiter, daher könne man sie auch bevorzugt einsetzen. Zum Beispiel bei Tests auf Corona-Infektionen.

Einsatzmöglichkeiten haben Grenzen

Außerdem wären Einsätze in der Behandlungspflege oder bei ärztlichen Verwaltungs- und Dokumenationsarbeiten denkbar. Hierfür bringen Studenten den nötigen medizinischen Sachverstand mit. Doch der Einsatz habe Grenzen, wie Friedrich München von der Krankenhausgesellschaft Sachsen zu bedenken gibt:

Man muss natürlich sehen, dass ärztliche Tätigkeiten nur vom Arzt durchgeführt werden können.

Friedrich München Krankenhausgesellschaft Sachsen

Bestimmte pflegerische Tätigkeiten könnten auch nur von entsprechend ausgebildeten Krankenschwestern durchgeführt werden, sagt München weiter: "Also wir bewegen uns hier natürlich auch im Bereich des Berufsrechts. Wenn Sie zum Beispiel an den Zivildienstleistenden denken, der konnte ja auch hier und da entsprechend unterstützen. Und in dem Umfang könnten wir uns das auch sehr gut von Medizinstudenten vorstellen."

Große Hilfsbereitschaft bei Studierenden

Gezwungen werden können Medizinstudenten nicht zum Einsatz. Allerdings laufen vielerorts Kooperationsanfragen zwischen Hochschulen und Krankenhäusern. In Deutschland spricht zum Beispiel die Bundesvertretung der Medizinstudierenden, BVMD, für rund 93.000 Studenten. Ihr Sprecher Philip Plättner zur aktuellen Situation: "Im Moment gibt es eine sehr sehr große Bereitschaft zu helfen."

Plättner fährt fort: "Wir haben jetzt schon von mehreren Hunderten, Tausenden Studierenden Anfragen bekommen, und wir sind gerade dabei, das mit den lokalen Studierendenvertretungen und Fakultäten abzusprechen." Dass Medizinstudierende jetzt komplexe pflegerische Aufgaben ausführen könnten, hält Plättner allerdings für utopisch.

Daher fordert er, dass Studierende für die anstehenden Aufgaben eine Anleitung bekämen: "Genauso ist es wichtig, jetzt darauf zu achten, dass sie rechtliche Sicherheit bekommen. Das sind Fragen, die es noch zu klären gilt."

Webportal hilft bei Suche

An der medizinischen Fakultät der TU Dresden gibt es bereits ein ganz praktisches Instrument, um Engpässe beim medizinischen Personal schultern zu können. Dazu Konstantin Willkommen vom Fachschaftsrat Medizin: "Das Universitätsklinikum Dresden hat ein Webportal geschaffen, in dem sich die Studierenden der TU Dresden registrieren können mit ihrem Studienfortschritt und ihren möglichen beruflichen Vorqualifikationen, damit das Universitätsklinikum entscheiden kann, in welchem Rahmen die Studierenden bei der Patientenversorgung eingesetzt werden können."

Damit den Studierenden hier kein Nachteil beim eigenen Studienverlauf entsteht, sollen die Einsatzzeiten außerhalb der Lehrveranstaltungen stattfinden und auf Praktika angerechnet werden. Darüber hinaus ist auch eine Anstellung als studentische Hilfskraft denkbar, die dann entlohnt wird.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. März 2020 | 05:00 Uhr