Zeitzeugnisse Markt für historische Zeitungen floriert

Im Netz kann man historische Originalzeitungen kaufen: Eine Vielzahl von Anbietern im Netz verschickt alte Zeitungen und Zeitschriften in meist braun- oder rot-goldenen Mappen mit "Echtheitszertifikat". Doch wie echt sind die historischen Dokumente?

Der Gründer des Historia-Verlages in Freiburg, Joseph Nietfeld, hält eine historische Ausgabe der ehemaligen DDR-Zeitung "Neues Deutschland" vom 01. Mai 1974 in Händen.
Joseph Nietfeld ist der Gründer des Portals historia.net – in dem Archiv befinden sich circa fünf Millionen Zeitungen aus den unterschiedlichsten Jahrzehnten. Bildrechte: dpa

Sie riecht vergilbt, ihre Ränder sind dunkel angelaufen und brüchig, die Seiten sind mit "Papierreparaturband" zusammengehalten: Die "Norddeutsche Allgemeine Zeitung" vom 23. August 1919 – der Geburtstag meiner Oma.

Ja, das historische Dokument ist wirklich ein Original, versichert mir Joseph Nietfeld, der Archivar und Geschäftsführer von historia.net. Das Portal übernehme ausschließlich Zeitungsbestände von den herausragenden Verlagen, versichert Nietfeld. "Abgesehen davon, ist es höchst aufwendig und teuer, eine Zeitung so zu kopieren, dass sie wie echt aussieht."

Markt für historische Zeitungen boomt

1986 fing Nietfeld an, alte Zeitungen zu sammeln und zu vermarkten. Heute hat er, nach eigenen Aussagen, mit circa fünf Millionen Zeitungen und Zeitschriften das größte Zeitungsarchiv Europas, in Freiburg im Breisgau.

Alte Ausgaben der Zeitung 'Fuwo'
Der Markt für alte Zeitungen boomt. Im Bild: Die Neue Fußballwoche aus dem Jahr 1985. Bildrechte: MDR/Dirk Jeschke

Verkaufsschlager ist die "Bild"-Zeitung und der Markt boomt – dank Digitalisierung: "Wir erleben deutlich, dass das sinnliche Erlebnis des Lesens einer echten alten Zeitung immer attraktiver wird. Deswegen arbeitet die Digitalisierung im Moment für uns." Die Mehrzahl seiner Zeitungen bekommt Nietfeld bei Umzügen oder Fusionen von Verlagen. Viele der Mitanbieter bedienten sich letztlich aus seinen Lagern, sagt Nietfeld.

Zukunft der Zeitungen in Archiven gesichert

Die Echtheit meiner alten Zeitung lasse ich mir in der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig von Jörg Räuber bestätigen, der Leiter der Bestandsverwaltung. Auch hier wird sich regelmäßig nach historischen Zeitungen zum Verschenken erkundigt. Es gibt dann allerdings nur eine Kopie, da die Bibliothek ihren Bestand erhalten will.

Gerade aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs gibt es kaum Zeitungen, erklärt Räuber. Er weiß um ihre Nutzung etwa in sowjetischen Kriegsgefangenenlagern und erklärt lachend: "Die wurden gelesen, rumgereicht und dann in kleine Stücke gerissen und mit auf die Latrine genommen – oder in noch kleinere Stücke gerissen, Tabak eingewickelt und geraucht. Beides ist nicht zum Erhalt geeignet."

Die ganz seltenen Exemplare sind auch bei Joseph Nietfeld von historia.net unverkäuflich. Um die Zukunft macht sich der Archivar trotz Zeitungssterben keine Sorgen: Denn die Jubilare von morgen würden jetzt erst geboren – und noch sei ein umfangreicher Bestand gesichert.

Zu wichtigen Jubiläen Zeitungen sammeln

Und was kostet so eine historische Zeitung? Eine Stichprobe von MDR AKTUELL zeigt: Zwischen 28 und 40 Euro variiert der Preis für eine Originalzeitung aus dem Jahr 1969. Oft muss man für die Geschenkmappe extra zahlen.

Wer Geld sparen möchte, der kann es so machen wie Jörg Räuber von der Deutschen Nationalbibliothek: "Aus der Kenntnis raus habe ich für meinen Enkel damals, als der geboren wurde, sämtliche Zeitungen, die greifbar waren, gekauft und sorgsam abgelegt, um nicht welche kaufen zu müssen später."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. Dezember 2019 | 06:53 Uhr

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