Gewässer Hitze ist auch unter Wasser spürbar

Hitze ohne Wasser möchte man sich gar nicht vorstellen. Besonders unsere Gewässer sorgen für Abkühlung. Wer kann, der badet in Flüssen, Seen oder Teichen. Allerdings geraten die natürlichen Bewohner dieser Gewässer durch die Wärme genauso unter Stress wie wir.

von Uwe Jahn, MDR AKTUELL

Eine Bachforelle.
Auch Forellen sollten nicht zu lang in der Sonne bleiben. Bildrechte: imago/imagebroker

Eincremen, eincremen, eincremen: Das sollte für Menschen bei Sonne selbstverständlich sein. Aber Fische? Tatsächlich kann ihre Schleimhaut bei zu viel Sonne Schaden nehmen und sich entzünden. Und das ist noch längst nicht alles, erzählt Michael Hupfer vom Leibnizinstitut für Gewässerökologie und Binnenfischerei.

So sei bereits bei Forellenbarschen in Australien schwarzer Hautkrebs registriert worden. Und das verhalte sich ähnlich wie beim Menschen und werde wahrscheinlich durch UV-Strahlung ausgelöst, erklärt Hupfer.

Fische leiden unter Hitze

Überhaupt leiden viele Fische unter der Hitze: Denn in den tieferen Schichten des Wassers wird der Sauerstoff knapper, je wärmer es wird. Hupfer erklärt, dass Seen durch die Erwärmung der Oberfläche sich schichten, weil dieses warme Wasser leichter ist.

"Je stärker die Erwärmung oben stattfindet, das ist gerade jetzt im Moment der Fall, desto mehr wird der obere Wasserkörper von dem darunter liegenden Wasserkörper separiert." So könne Hupfer zufolge dann auch kein Austausch von Sauerstoff mehr stattfinden.

Fehlender Sauerstoff

Das heißt: Für die Fische, die in den tieferen Schichten leben, wird es ungemütlich. Durch das wärmebedingte Algenwachstum in der oberen Wasserschicht dringt kaum noch Licht nach unten durch.

Die Dunkelheit unten verstärkt den Sauerstoffmangel, da Pflanzen, die Sauerstoff produzieren könnten, nun kein Licht mehr haben. Die Fische müssen also ins Warme aufsteigen und geraten in sogenannten Temperaturstress.

Profitieren überhaupt Lebewesen von der Hitze im Wasser? "Ganz bekannt sind Blaualgengattungen, also Cyanobakterien, die vorher nur im subtropischen Bereich gefunden wurden und sich hier dann doch rasant ausgebreitet haben", erklärt der Wissenschaftler.

Interessanterweise seien das auch noch Organismen, die Toxine bilden und die Wasserqualität erheblich beeinflussen könnten.

Zu viele Nährstoffe im Wasser

Und zwar nicht zum Guten. Fragt sich, wie man Gewässern samt Bewohnern da helfen kann? Grundsätzlich gelte, so Hupfer: Gewässer, die schon mit Nährstoffen belastet sind und eine relativ große Algenentwicklung haben, sind stärker gefährdet als Gewässer, die keine so hohe Nährstoffbelastung haben.

Daher meint Hupfer vom Leibnizinstitut, müssten wir die Anstrengungen verstärken auch mit Blick auf Klimawandel, dass die Nährstoffbelastung weiter reduziert wird.

Beispielsweise durch weniger Düngemitteleinsatz in der Landwirtschaft. Manchmal sind die Folgen der Hitze aber auch auf den ersten Blick ins Wasser überraschend. So hat sich die Sichttiefe im Arendsee in der Altmark kürzlich verbessert.

Der Grund: Durch die stabile Schichtung fallen die Schwebstoffe zwar noch herab, können aber nicht wieder aufsteigen. Das heißt auch: Bei klarem Wasser wächst die Gefahr für Fische solch eine Art Sonnenbrand zu bekommen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 27. Juni 2019 | 08:54 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Juni 2019, 09:59 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.