Insektensterben Wie es Bienen und anderen Insekten in Mitteldeutschland geht

Mit den Blüten an Apfelbaum, Pfirsich und Flieder kommen auch die Bienen – doch am Kirschbaum des MDR-Hörers Jörg Lehmann aus Dresden ging es in den vergangenen Monaten erstaunlich ruhig zu. Normalerweise sei der Baum jedes Jahr von Bienen und anderen Insekten gut besucht gewesen, dieses Jahr blieben sie aus. Darum hat er die Frage gestellt, wie es den Bienen und den Insekten in Mitteldeutschland geht?

Es brummt am Arbeitsplatz von Egbert Schmalfeld in Halle an der Saale. Bienen schwärmen aus, sammeln süßen Nektar von den umliegenden Bäumen und Sträuchern, woraus der Imker pro Jahr rund zwei Tonnen Honig produziere. Insgesamt gehe es den Honigbienen gut, und das liege vor allem an einer Entwicklung, sagt Schmalfeld:

"Jetzt ist gerade ein Trend, dass viele anfangen mit der Imkerei als Hobby sich drei bis fünf Völker halten." So sei die Zahl an Neuimkern in den letzten Jahren um 40 Prozent gestiegen, und "solange es Imker gibt, wird es auch weiterhin Honigbienen geben."

Attraktivere Blüten könnten Bienen vom Kirschbaum gelockt haben

Dass im Kirschbaum unseres Hörers in diesem Jahr die Bienen gefehlt haben, könne verschiedene Ursachen haben, meint der Imker Schmalfeld: "Es könnte daran liegen, dass kein Imker direkt in der Nähe ist und vielleicht war zu der Zeit gerade die Kirsche nicht mehr so attraktiv."

Seien die Apfelbäume schon aufgeblüht gewesen, hätte es die Bienen vielleicht zu den Apfelblüten gezogen, meint Schmalfeld, "aber wenn ein Imker in der Nähe ist, müssen auch Bienen im Baum gewesen sein."

In der Vergangenheit hatte die aus Asien eingeschleppte Varroamilbe vielen Bienenvölkern stark zugesetzt. Doch von einem generellen Bienensterben will Imker Egbert Schmalfeld nicht mehr sprechen. Er selbst habe bei seinen Bienen die Varroamilbe und andere Erreger inzwischen gut im Griff.

Doch Honigbienen sind nur eine Seite der Medaille. Wie steht es um die 550 Wildbienenarten und andere Insekten?

Insektendiversität geht zurück

Am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Halle erforscht Mark Frenzel die Artenvielfalt von Insekten in den Agrarlandschaften Mitteldeutschlands: "Was wir über die Jahre feststellen, ist zum einen, dass es zwischen den Jahren sehr große Schwankungen besonders an der Anzahl der Wildbienen gibt."

Zudem seien die Wildbienengemeinschaften in Gebieten, die sehr stark landwirtschaftlich geprägt sind, "einfach strukturiert", sagt Mark Frenzel. Das heißt: Durch die Monokultur auf vielen Agrarflächen sinkt die Zahl der Wildbienenarten und auch anderer Insektenarten. Nicht das einzige Problem, wie Mark Frenzel erklärt:

Was wir mit unseren Daten auch belegen können, dass tatsächlich die Insekten insgesamt sowohl in den Arten als auch in der Häufigkeit zurückgehen.

Mark Frenzel Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung

In den letzten 30 Jahren ist laut einer Studie des Forschungsinstituts iDiv die Zahl landlebender Insekten weltweit um 24 Prozent gesunken. Bei Wasserinsekten ist sie dagegen um 38 Prozent gestiegen - wohl vor allem dank eines besseren Gewässerschutzes.

Lichtverschmutzung, Fleischkonsum und Landwirtschaft belasten Biodiversität

Als Gründe für den Rückgang bei landlebenden Insekten nennen Wissenschaftler unter anderem Lichtverschmutzung, die Monokultur in der Landwirtschaft und zu viel Dünger- und Pestizideinsatz. Auch der hohe Fleischkonsum in Deutschland spiele eine Rolle:

"Von der gesamten Fläche in Deutschland wird ein Fünftel bei uns benutzt, um Futter für Tiere zu produzieren. Und auf diese Weise tragen wir natürlich dazu bei dass sehr, sehr große Flächen dem Fleischkonsum zum Opfer fallen."

Flächen, die Natur sein könnten – und damit ein besserer Lebensraum für Wildbiene und Co. Die Insektenvielfalt fördern – dem Umweltschutzverein Ökolöwe in Leipzig ist das ein besonderes Anliegen, sagt Christiane Hainichen vom Ökolöwen:

"Deswegen haben wir auch in diesem Jahr wieder an alle interessierten Haushalte in Leipzig Saatguttütchen mit einer wilden Blumenmischung verschickt, damit dort ein Quadratmeter Blühfläche entstehen kann." Und das ist dann nicht nur für Insekten gut, sondern auch etwas fürs Auge.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. Juni 2020 | 06:24 Uhr

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