Coronavirus Sind Schnelltests für alle die Lösung gegen Corona?

Angela Tesch, Redakteurin und Moderatorin
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Jeden Tag werden Tausende neue Corona-Infektionsfälle gemeldet. Nicht jeder merkt, dass er positiv ist und trägt das Virus so ahnungslos weiter. Schnelltests könnten helfen, denkt MDR Aktuell-Hörerin Anna Karras und fragt, wo denn die ganzen Schnelltests geblieben sind, die im Frühjahr diesen Jahres angekündigt worden seien. Firmen hätten angekündigt sie in großen Mengen produzieren zu können. Sind die Tests verfügbar?

Antikörper-Bluttest für Coronavirus COVID-19
Sollten alle Zugang zu Corona-Schnelltests haben? Bildrechte: imago images/Future Image

106 verschiedene Antigen-Schnell-Tests zum direkten Erreger-Nachweis von Covid-19 hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte gelistet. Stand Freitag. Und das sind nur die, die von Herstellern aus Deutschland und dem Ausland gemeldet wurden. Millionenfach werden die Tests inzwischen hergestellt. Dass sie freiverkäuflich und für jeden zu haben sind, halten deutsche Ärzte und Infektionsforscher, wie Melanie Brinkmann vom Helmholtz-Zentrum dennoch nicht für sinnvoll.

Das Problem mit dem Schnelltest ist: Der hat ein sehr geringes Haltbarkeitsdatum.

Melanie Brinkmann Helmholtz-Zentrum

Sie erinnert an den Massentest in der Slowakei Ende Oktober, bei dem fünf Millionen Einwohner getestet wurden. Danach habe man zwar für den Moment gewusst, wer nicht infiziert ist: "Das heißt aber nicht, dass die nicht am nächsten Tag positiv sein können. Das ist eine Momentaufnahme, um zu sehen, wie steht es jetzt gerade um uns. Und um die Dunkelziffer zu erfassen."

Auch Schnelltests muss ein medizinischer Profi machen

Eine Momentaufnahme, deren Aussagekraft nicht zuletzt davon abhängt, ob der Test fachgerecht gemacht wird. Das gibt Norbert Suttorp von der Berliner Charitè zu bedenken. Er leitet die Medizinische Klinik für Infektiologie und Pneumologie, wo die Wirkung der Schnelltests untersucht wird. "Das kann nicht jeder machen und das kann man auch nicht einfach in der Apotheke kaufen und zu Hause machen, an sich selber oder beim Ehemann", erkärt Suttorp. "Dieser Rachenabstrich durch die Nase, dass muss einfach ein Profi machen, sonst ist der Test nicht verwertbar."

Für sinnvoll hält der Berliner Professor Antigen-Schnelltests für medizinisches Personal oder für Menschen, die beispielsweise mit Corona-Symptomen ins Krankenhaus eingeliefert werden. Schon in der Rettungsstelle wäre schnell klar, ob jemand negativ sei und auf eine normale Station könne. Bei positiv getesteten Patienten könnte der wesentlich sichere PCR-Test für endgültige Klarheit und die entsprechende Einweisung auf eine Covid-Station sorgen.

Und was leisten Antigen-Schnelltests, wenn man sich nicht krank fühlt und dennoch das Virus in sich trägt? "Dann ist die Frage, ist der Test wirklich negativ oder nur nicht sensibel genug? Man kann eine Infektion mit einem Schnelltest nicht sicher ausschließen. Man kann aber eine Risikoreduktion erreichen", sagt Professor Suttorp.

Teststrategie konzentriert sich auf gefährdete Menschen

Das ist auch das politische Ziel der Bundesregierung. Die seit Oktober geltende nationale Teststrategie konzentriert die staatlich geförderten Tests auf Menschen, die gesundheitlich besonders gefährdet sind und auf die, die in Heimen ohne Kontakte zur Familie zu vereinsamen drohen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte: "Wir können jetzt mit Schnelltests Besucher, die in Alten- und Pflegeheime gehen, testen. Das übernimmt die Krankenkasse für eine bestimmte Anzahl an Besuchen im Monat. Das ist ein Riesenfortschritt auch im Sinne des Schutzes." 20 Tests sollen pro Bewohner oder Bewohnerin im Monat finanziert werden.

Kekulé will Tests für alle

Die Sicherheit, die ein Test gibt, sollten alle haben, findet der Hallenser Virologen Alexander Kekulé. Auch aus psychologischen Gründen. Er fordert seit Langem ein Netzwerk von Schnelltests in Apotheken und für zu Hause, um den Menschen die Möglichkeit zu geben, "sich selber zu testen, möglichst schnell zu testen, situationsbedingt und ganz schnell zu wissen, was los ist. Und dann auch zu entscheiden, was man damit macht."

Er sei fest davon überzeugt, dass "selbst der härteste Covid-19-Gegner, wenn der schwarz auf weiß sieht, ich bin jetzt positiv, dass der nicht mehr seine Oma besucht und sein Verhalten ändert."

Es gebe eine Reihe von Schnelltests, die in Apotheken oder zu Hause gemacht werden könnten, sagt Kekule. Das sei eine Frage der Zulassung. In deutschen Apotheken sind Schnelltests bislang nicht frei verkäuflich und werden nur an Ärzte abgegeben.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. November 2020 | 06:22 Uhr

8 Kommentare

Chemieschwein. vor 2 Wochen

Test hin Test her. Sind wir doch mal ganz ehrlich. Die wenigsten bleiben brav in der Quarantäne. Also was soll der Käse mit diesen Test!! Einfach weniger testen dann sind auch die Fallzahlen niedriger. Und wir können wieder zum Fußball gehen⚽️

DerFrank vor 2 Wochen

Was soll denn nur so schlimm sein an den Antigen-Tests? Gut die Durchführung des Abstriches ist etwas schwieriger als ein Schwangerschaftstest. Aber ich denke, mit etwas Vorsicht bekommt man das hin. Wenn ich daran denke wie manche gut ausgebildete Krankenschwester meine Arme verstümmelt bevor sie eine Ader zum Blutabnehmen findet …
Auch die Diskussion über die angeblichen Gefahren der niedrigen Genauigkeit! Huuuii. Was ist denn mit Schwangerschaftstest aus der Drogerie? Bei denen ist die Aussage auch nur für den "Privatgebrauch". Mit einem falsch positiven Ergebnis könnte sich auch jemand vor die Straßenbahn werfen oder umgekehrt gleich die komplette Kinderausstattung kaufen. Jeder normaldenkende Mensch begreift, dass diese Art von Tests nur einen Verdacht erhärten oder abschwächen. Sie liefern keinen hundertprozentigen Schutz. Wenn ich aber einen Verdacht habe und Oma besuchen will, ist die Chance, dass ich sie trotz negativem Test deutlich geringer, als wenn ich einfach so hinfahre.

Critica vor 2 Wochen

Mit diesen Selbsttests kann aber auch viel Unheil angerichtet werden. Zum einen wiegen sich Menschen in (falscher) Sicherheit. Zum andern können die Ergebnisse, weil der Test möglicherweise falsch angewendet wurde, auch viel Angst und Panik verbreiten, bis hin zum psychischen Erkrankungen oder gar Selbsttötung.
Ich finde, dass diese Sache in die "richtigen Hände" gehört.