Coronavirus Können Antikörper genesener Patienten den Infizierten helfen?

Weltweit wurden mittlerweile mehr als eine Million Menschen mit dem Coronavirus infiziert, allein in Deutschland über Hunderttausend. Die gute Nachricht: Fast ein Viertel der Infizierten ist bereits genesen. MDR-Aktuell-User Daniel Klopsch aus Grimma fragt sich, warum man die natürliche Immunisierung genesener Patienten nicht nutzt. Sie könnten Blutplasma spenden, in dem Antikörper enthalten sind. Das wiederum könnte Schwererkrankten helfen.

Ärztin, der einen Impfstoff für einen Patienten vorbereitet
Wissenschaftler werden für längere Zeit an einem Mittel gegen Corona arbeiten. Bildrechte: imago images / Westend61

Tatsächlich gibt es erste Versuche in China. Fünf schwer Erkrankten wurde Blutplasma genesener Patienten mit Antikörpern verabreicht. Der Fachbegriff: Rekonvaleszenten-Plasmatransfusion. Mittlerweile wurden drei aus dem Krankenhaus entlassen. Die anderen zwei sind in stabilem Zustand. Allerdings ist das eine sehr kleine Stichprobe und daher nicht aussagekräftig.

Hunderte Antikörper für mögliches Arzneimittel analysiert

In Deutschland wird unter anderem an der TU Braunschweig an einem Therapeutikum mit Antikörpern geforscht. Denn die Antikörper von Menschen, die die Krankheit überstanden haben, seien nicht unbedingt für jeden Schwererkrankten geeignet, sagt Professor Michael Hust. So sei die Antwort des Immunsystems auf eine Infektion bei allen Menschen anders.

Man versuche, umschreibt Hust, ein in dieser Hinsicht nicht definiertes Produkt zu entwickeln. "Wir machen einzelne Antikörper, die direkt gerichtet sind gegen das Hüllprotein des Coronavirus". Diese Antikörper sollten verhindern, dass die Viren an menschliche Zellen andocken könnten. Die Wissenschaftler haben bereits einige hundert Antikörper gefunden, die jetzt weiter analysiert werden.

Langwierige klinische Studien nötig

Antikörpertherapien für Immunerkrankte und Krebspatienten existieren bereits. Doch bei Corona haben die Wissenschaftler noch einen langen Weg vor sich. Normalerweise würde man, wenn man neutralisierende Antikörper identifiziert habe, zum Beispiel erst Tierversuche machen, erklärt Professor Michael Hust. Diese Tierversuche würden übersprungen.

Danach würde man klinische Studien durchführen, die klinische Phase eins, sagt Hust. "Die klinische Phase eins bedeutet, ich gucke auf 'Safety'", auf Sicherheit also. "Ist es gefährlich?" Anschließend würden klinische Studien der Phase zwei folgen, die sich auch wieder über einen längeren Zeitraum hinzögen. Man würde schauen, wie die Effektivität bei verschiedener Dosierung sei.

Und dann würde man eine große klinische Phase drei durchführen. In der würde die Effektivität der Antikörper geprüft werden. Momentan wird nach beschleunigten Verfahren gesucht, um die Antikörper so schnell wie möglich verfügbar zu machen.

Zu wenige Genesene, aufwendiges Verfahren

Auch an der Universitätsklinik Leipzig beschäftigen sich Wissenschaftler mit der Frage, ob Corona nicht mit Antikörpern genesener Patienten behandelt werden könnte. Zwei Gründe sprechen dagegen, so Professor Uwe Liebert, Virologe an der Universitätsklinik Leipzig.

Prof. Uwe Gerd Liebert, Direktor des Institutes für Virologie am Universitätsklinikum Leipzig.
Professor Uwe Liebert Bildrechte: Universitätsklinikum Leipzig

Der eine Grund ist, dass man viel zu wenig Patienten hat, die die Infektion überstanden haben und dann auch noch hohe Antikörperspiegel bilden.

Uwe Liebert, Virologe an der Universitätsklinik Leipzig

Zum Zweiten müsse man diese Antikörper aus dem Plasma erst einmal reinigen. Das sei ein relativ aufwendiges Verfahren und müsse unter Sicherheitsbedingungen stattfinden, damit kein verunreinigtes Antikörperserum übertragen werde. Auch wenn die Zeit drängt: Es ist völlig offen, ob und wann ein Serum verfügbar sein wird.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. April 2020 | 05:00 Uhr

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