Hörer machen Programm Warum stocken Impftermine für über 80-Jährige?

Viele sind mit der Impfkampagne unzufrieden, weil es ihnen zu langsam geht. So auch ein MDR-AKTUELL-Nutzer aus Magdeburg, der fragt, "... warum in Magdeburg, im Gegensatz zu Halle, bislang die über 80-Jährigen, die zu Hause wohnen, nicht die Möglichkeit haben, einen Impftermin zu bekommen? Und ich frage auch: Warum hält man die Impfdosen für die zweite Impfung drei Wochen zurück?"

Impfung im Magdeburger Pflegeheim "Haus Heideweg"
Impfung im Magdeburger Pflegeheim "Haus Heideweg" Bildrechte: MDR / Mark Michel

Impftermin im Magdeburger Pflegeheim "Haus Heideweg": Viele hier bekommen bereits ihre zweite Impfung gegen Corona. Auch die 84-Jährige Frida Wagner.

Pflegeheimbewohnerin Frieda Wagner (84) bei der Impfung
Pflegeheimbewohnerin Frieda Wagner (84) bei der Impfung Bildrechte: MDR / Mark Michel

"Eine hab ich weg, jetzt krieg ich noch eine. Muss sein, wir wollen noch weiter leben. Damit wir das durchstehen und unsere Kinder auch noch", sagt Frida Wagner.

Das Durchstehen und zumindest eine erste Impfung bekommen, das wollen in Magdeburg derzeit viele. 18.000 Menschen sind über 80, wohnen allerdings zu Hause und haben bis heute keinen Impftermin. Hauptgrund: der begehrte Impfstoff ist Mangelware – und Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper hat klare Prioritäten gesetzt.

Er sagt: "Wir haben angefangen mit den Pflegeheimen und sind Mitte Februar durch mit der Zweitimpfung. Wenn ich hier eine Infektion habe, dann habe ich gleich 10, 15, 20 Infizierte. Im privaten Bereich trifft es einen. Damit ist völlig klar für mich, ich muss erst die Pflegeheime schützen."

Magdeburgs Pflegeheime bald durchgeimpft

Seine 35 Alten- und Pflegeheime hat Magdeburg also schon bald mit Impfungen versorgt, inklusive Personal. In wenigen Tagen nun sollen auch die über 80-Jährigen in der Stadt erste Termine bekommen. Doch es hakt.

Magdeburgs parteiloser Oberbürgermeister Lutz Trümper steht am 08.01.2016 nach seiner Jahresauftakt-Pressekonferenz vor dem Rathaus in Magdeburg (Sachsen-Anhalt).
Magdeburgs parteiloser Oberbürgermeister Lutz Trümper Bildrechte: dpa

Das Magdeburger Impfzentrum ist immer noch geschlossen, öffnet laut Lutz Trümper nun erst im Februar. "Wir werden Anfang Februar anfangen, auch den Bürgern Termine zu geben, die privat wohnen. Damit fangen wir jetzt an, das gut zu organisieren. Und die kommen alle dran, aber das dauert eine Weile." Aber: Wenn der Impfstoff da sei, gehe das Impfen ganz schnell, versichert Trümper.

Wir werden auch Tag und Nacht impfen, wenn es notwendig ist, um unsere ältere Bevölkerung zu schützen.

Lutz Trümper Oberbürgermeister Magdeburg

Noch habe man, sagt Trümper, aber eben nicht den Impfstoff, den man dafür brauche.

Zu wenig Impfstoff

Der wenige Impfstoff ist das große Problem. In Sachsen-Anhalt wird dieser nach der Einwohnerzahl auf die Landkreise verteilt. So hat Halle ähnlich viele Dosen wie Magdeburg. 20 Prozent davon gehen hier allerdings an das bereits geöffnete Impfzentrum. Das sind pro Woche aber nur wenige Hundert Dosen. Viel zu wenige.

Ein Mann mit Brille steht auf dem Marktplatz im Halle, im Hintergrund ein überdimensionales Buch.
Bernd Wiegand, Oberbürgermeister von Halle Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Priorität haben auch in Halle die Altenheime, so Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand. Zusätzlich hat die Stadt aber bereits seine über 80-Jährigen kontaktiert: "Das sind so ca. 16.000 über 80-Jährige, die ein Impfangebot bekommen haben. Die Termine werden nach und nach auch weiter vergeben, so wie wir sicher sind, dass wir den Impfstoff auch bekommen."

Zweitimpfung wird zurückgehalten

Knapp ist der Impfstoff noch zusätzlich, weil etwa 50 Prozent für die Zweitimpfung zurückgehalten werden. Was an den noch unsicheren Lieferketten liegt, erklärt Simone Borris, die Leiterin des Magdeburger Impfstabes.

Impfspritzen
Die Impfspritzen, die im Magdeburger Pflegeheim "Haus Heideweg" zum Einsatz gekommen sind. Bildrechte: MDR / Mark Michel

"Sie müssen für die Zweitimpfung das Ganze zurückbehalten, um eine Sicherheit zu haben, dass sie auch wirklich verimpfen können. Und die Sicherheit hatten wir bislang nicht. Es war immer auf Zuruf, da ist der Liefertermin, da ist das und das. Und wenn ich die zweite Impfung nicht absichern könnte, so wie heute hier, dann würde ich in Bedrängnis kommen", sagt Simone Borris.

Pflegeheimbewohnerin Frieda Wagner hat ihre Zweitimpfung nun bekommen – und ist zufrieden: "Immer gut, immer positiv denken."

Das können hoffentlich bald noch viel mehr Magdeburger sagen – wenn endlich der Impfstoff in ausreichenden Mengen geliefert wird und dann auch schnell verimpft werden kann.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 27. Januar 2021 | 06:00 Uhr

18 Kommentare

nasowasaberauch vor 5 Wochen

Die Politik schleicht sich mit ihrer üblichen Salamitaktik an die realen Bedarfe von Zeit und der Impfstoffmenge heran. Jeder hat es geahnt wie es wohl starten wird. Es sollte ein gemeinsam, inszenierter Start der EU werden. Alle wollten mit auf`s Bild und dann schlug die Realität zu. Weniger Zirkus, aber dafür mehr zielgerichtete Beschaffung war angebrachter. In der freien Wirtschaft funktioniert Astrazeneca vollkommen richtig. Wer zuerst bestellt wird zuerst beliefert, das war schon immer so, da hilft auch kein Jammern. Die deutsche Impfmaschine läuft langsam an und wenn sie dann richtig rollt haben wir ups 2022.

MDR-Team vor 5 Wochen

Hallo Frank L.,
richtig ist natürlich, dass der Impfstoff Corona nicht innerhalb weniger Wochen ausrotten kann. Jedoch ist der Impfstoff ein wichtiger Baustein im dauerhaften Umgang mit dieser Krankheit.
Liebe Grüße aus der MDR.de-Redaktion

Frank L. vor 5 Wochen

In ein paar Wochen? Sie sollten lieber in Jahren rechnen! Denn so lange wird es bei dem Impf Tempo theoretisch dauern. Zwischenzeitlich wird das Virus x-mal mutieren , so das die Impfstoffe ,die die EU bis dahin bestellt , dann vielleicht da sind aber halt nicht mehr wirken. Dann geht das Theater von vorn los. Es wird darauf hinauslaufen das sich ,früher oder später, fast jeder infizieren wird , wir werden also mit Corona leben müssen,ohne Lockdown.