Fahrzeugschäden Mäharbeiten am Straßenrand: Im Zweifelsfall Abstand halten

Für Autofahrer kann die Mähsaison zum Ärgernis werden. Und zwar dann, wenn aufgewirbelte Steine Schäden an Frontscheibe oder Karosserie verursachen. Der Familie von MDR-AKTUELL-User Matthias Hoffmann aus Greiz ist das bereits zweimal passiert. Er fragt, ob es Sicherheitsvorschriften für Mäharbeiten gibt.

Zu Besuch bei Keyselt Motorgeräte in Großpösna bei Leipzig: Wie in jedem Jahr zur Mähsaison gehen hier vermehrt Handmähgeräte über die Ladentheke. Die Geräte sind in den letzten Jahren zunehmend sicherer geworden, stellt Inhaber Bernd Keyselt fest.

Moderne Mäher sind sicher

Moderne Mäher würden Steine seltener hochschleudern. Doch auch bei diesen Modellen müssten die Sicherheitshinweise der Hersteller beachtet werden, erklärt Keyselt: "Wir haben zwei verschiedene Systeme. Und zwar einmal die oszillierenden Werkzeuge, das sind zwei gegenläufige Blätter, und einmal das rotierende Werkzeug, das ist ein feinverzahntes Grasschneideblatt." Bei dem Grasschneideblatt sei ein Sicherheitsabstand von 15 Metern vorgeschrieben, bei den langsamer laufenden oszillierenden Werkzeugen ein Sicherheitsabstand von 5 Metern, fasst Keyselt zusammen.

Es gibt auch passiven Schutz vor fliegenden Steinen. Zum Beispiel Aufstellzäune aus elastischem Material. Diese sichern Mäharbeiten zusätzlich ab. Landeten die Steine in einem solchen Zaun, würden sie abgebremst und flögen nicht unkontrolliert in die Umgebung, präzisiert Bernd Keyselt. Habe man solche Zäune nicht zur Hand und könne der Sicherheitsabstand nicht eingehalten werden, solle man das Mähen abbrechen.

Beweisführung im Schadensfall schwierig

Generell gilt, dass Arbeiten im öffentlichen Raum abgesichert werden müssen. Verschiedene Richtlinien des Bundesverkehrsministeriums regeln das auch für den Straßenverkehr.

Cornelia Süß, Vorsitzende des Dresdner Anwaltvereins, weiß, worauf es bei Mäharbeiten ankommt. Wenn diese Arbeiten durchgeführt würden, dürfe man nicht einfach loslegen. Vorher müsse auch eine Abwägung getroffen werden, welche Gefahren dabei entstehen könnten und welche Maßnahmen man ergreifen müsse, um diese Gefahren zu beseitigen, erklärt Süß. "Und wenn dabei Fehler passieren, dann ist es so, dass das entsprechende Bundesland oder die Kommune in Haftung genommen werden kann."

Die Beweisführung sei in Schadensfällen aber oft schwierig. Ein Steinschlag auf der Frontscheibe durch Mäharbeiten müsse der Geschädigte erst nachweisen, erläutert Rechtsanwältin Süß. Dann stellten sich die nächsten Fragen, nämlich, welche Schutzmaßnahmen wirtschaftlich und technisch zumutbar gewesen wären; welche Gefahr von den Arbeiten überhaupt ausging; ob derjenige, der da gearbeitet habe, die Gefahr überhaupt habe erkennen und Schutzmaßnahmen ergreifen habe können.

Nur bei ausreichend Platz überholen

Beim Straßenbauamt Zwickau gehört das zum Alltag. Hier kommen größere Maschinen zu Einsatz. Sie alle sind mit einem staatlichen Prüfsiegel zertifiziert. Das wird von speziellen Prüfstellen vergeben. Trotzdem gebe es Situationen, in denen man das Mähfahrzeug nicht überholen sollte, weiß Sachgebietsleiter Daniel Gnädig vom Straßenbauamt Landkreis Zwickau.

Die Restfahrbahnbreite auf den Straßen solle mindestens 3 Meter betragen, um ausreichend an dem Mähfahrzeug vorbeifahren zu können, empfiehlt Gnädig. Es gebe aber auch Streckenabschnitte, die keine Restfahrbahnbreite zulassen. "Und da ist man dann halt mal gezwungen hinter dem Mähfahrzeug hinterherzufahren", sagt Gnädig.

Bei den großen Geräten gebe es zudem einen speziellen Schutz, erklärt Gnädig: Ein Kettenvorhang am Mähkopf solle das hochschleudern von Steinen verhindern, denn dahinter befinde sich das schnell rotierende Mähwerk. Vollständig kann das aber nicht vermieden werden. Ungefähr zehn Mal im Jahr verursacht das Zwickauer Straßenbauamt Schäden an Kraftfahrzeugen durch Mäharbeiten. Daher gilt: Zu Mäharbeiten besser Abstand halten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. September 2020 | 05:00 Uhr

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