Lebensmittelproduktion Ist das Fleisch beim Metzger besser als im Supermarkt?

MDR-AKTUELL Hörer Dirk Bley aus Jena fragt, warum das Fleisch beim Fachmetzger besser sein soll als das aus dem Supermarkt. Schließlich beziehen auch die Fachmetzgereien ihre Schweinehälften in der Regel vom Schlachthof.

Fleischwaren in einer Metzgerei
Beim Fleischkauf geht es um den guten Geschmack, aber auch das Tierwohl wird vielen immer wichtiger. Bildrechte: imago images / U. J. Alexander

Jenas älteste Metzgerei ist die Hönnger Fleisch- und Wurstwaren GmbH. Seit 125 Jahren werden Fleisch und Zutaten hier wirklich noch von Hand verarbeitet – nach überlieferten Rezepten und Kundenwünschen.

Thomas Hönnger, Geschäftsführer des Familienbetriebs zeigt zum Beweis auf einen seiner Mitarbeiter: "Er bereitet jetzt Schweineköpfe vor. Die sind gekocht worden heute Morgen. Und er löst eben jetzt händisch die sogenannte Maske vom Knochen ab. Und daraus wird dann Sülze gemacht – wie früher."

Sülze wie früher

Während die nun in Gläser abgefüllt wird, erklärt der Chef, woher frisch geschlachtetes Rind- und Schweinefleisch kommen. Das beziehe seine Metzgerei derzeit über einen Händler aus Altenburg. "Die Schweinehälften werden allerdings in Nordrhein-Westfalen geschlachtet und stammen auch dort aus einem kleineren mittelständischen Betrieb."

Er sei auf der Suche nach regionalen Lieferanten, aber das gestalte sich schwierig, weil es kaum Schlachtmöglichkeiten in der Region gebe.

Kaum Schlachtbetriebe in Thüringen

Thüringenweit existieren nur noch vereinzelt kleine Schlachtbetriebe – meist gleich mit direktem Hofverkauf. Dahinter steckt eine Kosten-Nutzen-Rechnung vieler mittelständischer Betriebe.

Der Thüringer Bauernverband schreibt: "Es wäre für die meisten Metzger leider schlichtweg unrentabel, wenn Sie auch eine eigene Schlachtstrecke betreiben würden. Dann wären nämlich die Wurstwaren so teuer, dass der Absatz nicht mehr gewährleistet werden kann."

Wo kommt das Fleisch her?

Regionale Metzger suchen daher deutschlandweit nach Anbietern, die ihren Qualitätsansprüchen genügen. Thomas Hönnger, der auch Innungsmeister des Fleischerhandwerks in Thüringen ist, sagt: "Letzten Endes müssen wir uns an der Theke verantworten – wie bei der Hörerfrage."

Er will seinen Kunden eine Antwort darauf geben können, wo das Fleisch herkommt. Diese Antwort könne man an der Supermarkttheke in aller Regel nicht bekommen, sagt Thomas Hönnger.

Tierwohl sicherstellen

Gute Haltung und möglichst stressfreie Schlachtung – das ist vielen Konsumenten wichtig. Beides wird auch behördlich kontrolliert. In den Regionen Jena und Saale-Holzlandkreis leitet Dr. Juliane Bähring das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt. Sie sagt, dass das Tierwohl bei der Tierhaltung im landwirtschaftlichen Betrieb beginne. Das heißt vermutlich: Das kontrolliere den Bereich der Tiergesundheit.

Auch der Transport werde durch das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt kontrolliert, erklärt Juliane Bähring. Der Schlachthof selber sei ausgestattet durch amtliche Tierärzte und amtliche Fachassistenen. Die überprüfen auch die Lebensmittelproduktion.

Der gute Geschmack

Es ist vorgeschrieben, wie oft ein Betrieb kontrolliert werden soll. Das hängt vom Anteil der Rohware ab und ob der Betrieb schon mal auffällig war oder nicht. Schneiden dabei große Unternehmen schlechter ab als Kleinbetriebe?

Juliane Bähring sagt: "Das ist mir noch nicht aufgefallen. Also es gibt bei Großen und auch bei Kleinen positive Beispiele und negative Beispiele. Eine Besonderheit bei kleineren Fleischereien ist, dass sie traditionelle Rezepte verwenden, was sich dann geschmacklich bemerkbar macht. Aber man kann nicht sagen, dass die oder die bessere Qualität liefern."

Beim Wurst- und Fleischkauf sollten Kunden also Gaumen und Gefühl vertrauen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. November 2020 | 05:00 Uhr

8 Kommentare

Eulenspiegel vor 8 Wochen

Die Frage:
Ist Fleisch beim Metzger besser als im Supermarkt?
Also es mag Unterschiede bei der Verarbeitung und bei der Lagerung geben. Bei der Produktion nicht. Den wirklichen Unterschied gibt es aber nur beim Bio-Metzger. Und das kann sich fast jeder leisten. Er muss nur bereit sein sein Fleischkonsum zu halbieren.

maheba vor 8 Wochen

Die Frage ist doch immer wo das Schwein herkommt und nicht wo es und wie geschlachtet wurde.
Selbst das Fleisch beim Metzger des Vertrauens kommt im Regelfall von Schweine aus Großmastbetrieben.
So viele Kleinerzeuger gibt es doch gar nicht um den Bedarf abzudecken.
Schweinehälften vom Händler aus Altenburg und der wird vom Schlachter aus Nordrhein-Westfalen beliefert.
Klar, und die Schweine kommen vom guten alten Bauernhof.


kleinerfrontkaempfer vor 8 Wochen

Nach dem Beitritt der DDR in die alten, gebrauchten Bundesländer waren die Käufer baff erstaunt und erfreut über billigste Angebote für Fleischwaren.
Im Laufe des Konsumentenlebens kam es dann mal raus: Z.B. ist Schweine-nacken nicht von ungefähr eine der billigsten Portionen. Dort werden nämlich die tiermedizinischen Spritzen angesetzt. Damit ist diese Körperpartie eine der am meisten "kontaminierten". Und auf dem Grill oder in der Pfanne verpufft das Zeug ja bestimmt nicht.
Guten Appetit werter Verbraucher!

Alle Beiträge

Radio

Logo von MDR AKTUELL mit dem Schriftzug "Hörer machen Programm"
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Radio

Logo von MDR AKTUELL mit dem Schriftzug "Hörer machen Programm"
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zurück zur Startseite