Mülltrennung Nicht genug Platz: Pappe landet oft im Sperrmüll

Die blaue Tonne ist überfüllt, Pappe und große Kartonagen verstopfen die Mülltonnen im Hinterhof. Kaum etwas passt noch hinein. Viele Leipziger und auch MDR-AKTUELL-Nutzer Matthias Jakisch machen diese Erfahrung regelmäßig. Den Verpackungsmüll bringt Jakisch deshalb oft auch zum Wertstoffhof. Dort wiederum landen sowohl Kunststoffe als auch Pappe ab und an im Sperrmüllcontainer, weil die eigentlich vorgesehenen Container auch schon voll sind. Warum gibt es nicht mehr Container dafür?

von Florian Barth, MDR AKTUELL

Ein Mitarbeiter der Stadtreinigung entleert einen Pappkarton in einen Container.
Häufig sind die Papiercontainer auf den Wertstoffhöfen überlastet und die Kartons kommen dahin wo sie eigentlich nicht hingehören: In den Sperrmüllcontainer. Bildrechte: MDR/Florian Barth

Auf insgesamt 16 Wertstoffhöfen können Bewohner der Stadt Leipzig Sperrmüll, Schrott und andere Wertstoffe in großen orangen Containern entsorgen. Pro Jahr bringen Verbraucher knapp 1.000 Tonnen Pappe, Papier und Kartonagen auf die Wertstoffhöfe der Leipziger Stadtreinigung. Für Thomas Kretzschmar, Betriebsleiter der Stadtreinigung, ist das ein Zusatzangebot zur blauen Tonne im Hinterhof, denn:

Die Stadtreinigung ist nicht für die Erfassung von Verpackungsabfällen zuständig.

Thomas Kretzschmar Erster Betriebsleiter der Stadtreinigung Leipzig

Für die Sammlung, Erfassung und Verwertung von Verpackungsabfällen seien die sogenannten Dualen Systeme zuständig, sagt Kretzschmar.

Wer ist für die Verwertung von Papier und Pappe zuständig?

Das Duale System ist besser bekannt als der Grüne Punkt. Im deutschen Verpackungsgesetz ist die haushaltsnahe Sammlung und Entsorgung von gebrauchten Verkaufsverpackungen geregelt. Seit 1991 gibt es den Grünen Punkt in Deutschland.

Evelin Voss vom Leipziger Ökolöwen, erklärt, wer für die Verwertung zuständig ist: Die Hersteller und Vertreiber seien in der Pflicht. "Die Kommunen haben Verträge mit denen abgeschlossen. Die sammeln und sortieren und verwerten alle Verpackungen." Das betreffe nicht nur die Plastikverpackungen, sondern auch Papier und Pappe, aber auch Glas, Metall und so weiter.

Überlastete Papiertonnen

Damit der Müll nicht auf der Straße landet, wenn die gelben und blauen Tonnen dennoch überfüllt sind, nehmen Wertstoffhöfe in Leipzig, obwohl sie laut Gesetz nicht zuständig sind, Verpackungsmüll an. Doch in einer ständig wachsenden Stadt wie Leipzig bringt das die Stadtreinigung an ihre Grenze, erklärt Betriebsleiter Thomas Kretzschmer.

Ein Müllcontainer mit einem Schild, auf dem steht: Papier und Pappe
Die Papiercontainer auf den Wertstoffhöfen ist häufig überlastet und dann landen die Kartons im Sperrmüllcontainer. Bildrechte: MDR/Florian Barth

Er sagt, die Platzverhältnisse auf den Wertstoffhöfen erlaubten es nicht, dieses Zusatzangebot noch weiter auszubauen. Aufgrund dieser Überbelastung landen die Kartons häufig im Sperrmüllcontainer – also da, wo der Verpackungsmüll eigentlich nicht hineingehört.

Damit greife das Duale System nicht mehr voll und ganz, erklärt Thomas Kretzschmer weiter.

Die Materialien, die im Sperrmüllcontainer landen, also auch Pappe, Papier und Kunststoffe, werden thermisch verwertet.

Thomas Kretzschmar Betriebsleiter der Stadtreinigung Leipzig

Das bedeutet, die Verpackungen, die im Sperrmüllcontainer landen, werden verbrannt und nicht zu neuen Produkten verarbeitet. Umweltschützerin Evelin Voss appelliert angesichts von immer mehr Müll deshalb auch an die Verbraucher. Sie sollten zuerst ihren eigenen Konsum hinterfragen, bevor sie wegen voller Tonnen die Entsorger kritisieren.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. Februar 2020 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Februar 2020, 08:34 Uhr

2 Kommentare

part vor 5 Wochen

Ich finde die Entsorgung von Abfällen, wie sie in normalen Haushalten anfallen, was durch aus auch Umverpackungen von Kühlschränken und Waschmaschinen sein können sollte vollständig die Kommune übernehmen als Bereitstellung von Infrastruktur. Die Rückabwicklung über den grünen Punkt sollte nicht dem Verbraucher aufgebürdet, der sowieso schon 16% Verbrauchssteuer zahlt. Zeitungen in den blauen Tonnen sehen die Kommunen gern, damit lässt sich Geld verdienen, Pappe ist nicht mehr nachgefragt, fällt aber mehr an als Zeitungen. Das Abfallsystem als Ganzes in Europa ist seit Kürze ins Wanken geraten seit dem China und andere ostasiatische Länder keinen Plastikmüll mehr annehmen. Nun wird verzweifelt nach Lösungen gesucht. Ähnlich wie bei dem blauen Container sieht es bei den gelben Container aus, ständig überfüllt und nicht mehr an die Bedürfnisse angepasst. Das Problem liegt aber nicht allein beim Verbraucher, der mit seinem Verpackungsmüll überfordert ist. Nicht jeder Mieter kann sammeln.

Front vor 5 Wochen

Ich selbst mal in der Ensorgungsbranche gearbeitet im Weißeritzkreis und kann daher sagen das es immer wieder vorkam das Abfälle nicht so entsorgt werden wie es eigentlich sollte - gerade im Hinblick wie hier beschrieben mit der Pappe hat man nicht nur ein Platzproblem sondern hängt da eben auch noch eine ganz andere Sache dran, nämlich Geld.
Das Annehmen der Wertstoffe auf so einem Hof ist das eine - das andere ist was danach passiert und da ist es so das meist Entsorgungsunternehmen beauftragt werden die Wertstoffe von dem Wertstoffhof zu einer Weiterverwertungsstelle zu bringen wie eben u. a. einer Verbrennungsanlage. Wenn dann der Platz auf einem solchen Wertstoffhof nicht ausreicht oder einfach die Kapazitäten an Sammelcontainern nicht vorhanden sind dann muß improvisiert werden - dann landen eben im Sperrmüll Papier und Pappe, oder es landet im Restmüll - es kostet echt viel Geld wenn man zusätzliche Fahrten machen muss oder mehr Container stellen will - wer soll das bezahlen?

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