Deutsches Recht Warum schwule Paare keine Leihmutter engagieren dürfen

Den Wunsch nach einem eigenen Kind haben viele Paare. Doch nicht immer lässt er sich einfach erfüllen. Schwule Paare stehen dabei vor einer biologischen, aber auch vor einer gesetzlichen Hürde. MDR-AKTUELL-Nutzer Mike Dallmann fragt daher: Wenn das "Gesetz Ehe für alle" bedeutet, dass auch lesbische Paare ihren Kinderwunsch über eine Spermaspende erfüllen könnten und laut Gesetz niemand aufgrund seines Geschlechtes benachteiligt werden darf, wie sieht das dann bei schwulen Paaren aus?

Symbolfoto eines schwulen Paares, dass sich den Sonnuntergang ansieht
Schwule Paare stehen in Deutschland auch vor einer rechtlichen Hürde, wenn sie ein Kind bekommen wollen. Bildrechte: imago images/Westend61

Nur wenige Frauen sind bereit, ihr Kind nach der Geburt auf Dauer Dritten zu überlassen. Doch auch wenn dies anders wäre: Ein Arzt würde sich in Deutschland strafbar machen, würde er in einem solchen Fall eine künstliche Befruchtung durchführen. Diesen Teil des Embryonenschutzgesetzes kannten auch Tobias und André – und suchten nach einer Alternative.

Das Männer-Ehepaar aus Leipzig wurde bei einer Kinderwunsch-Agentur in den USA fündig. Tobias erinnert sich: "Also zu dem Zeitpunkt, als wir uns schon recht konkret damit beschäftigt haben, gab es noch nicht die Möglichkeit, als Paar zu adoptieren – und ein Pflegekind war für uns nie eine Option." Daher hätten sie die Beauftragung der Kinderwunsch-Agentur als einzigen möglichen Weg herausgearbeitet.

Teure Leihmutterschaft in den USA

Die Agentur in den USA hätten sie ausgewählt, da dort nur ehemalige Leihmütter gewesen seien, sagt Tobias weiter: "Also die haben den Prozess der Leihmutterschaft alle schon mal durch und wie die sich vorgestellt haben, das fanden wir extrem authentisch. Also es ist schon wichtig, wenn man diesen Weg wählt, dass man ein gutes Gefühl bei der Sache hat. Sobald man da Zweifel hat, ist das nicht der richtige Weg." 

Eine Eizellspenderin musste gefunden werden, ebenso eine Leihmutter, die das Kind austrägt und eigentlich Mietmutter genannt werden müsste. Denn ein Vertrag regelt das künftige Verhältnis zum Kind und zu den Wunscheltern. Klar ist: Für den Aufwand wird ein nicht geringes Entgelt fällig, in der Größenordnung eines Mittelklassewagens.

Und man sollte viel Zeit einplanen: für die Flüge in die USA, die Übernachtung in Hotels und beim Zusammentreffen mit den Müttern. Die Rückreise nach Deutschland war für die drei erstaunlich unkompliziert, denn beide Väter konnten sich vorher offiziell in die Geburtsurkunde eintragen lassen.

Grünenpolitikerin: Leihmutterschaft soll verboten bleiben

Doch dann begannen die Probleme. Tobias erzählt: "Wir sind drei Wochen nach Wandas Geburt zurück nach Deutschland geflogen, sie hatte einen amerikanischen Pass und ist als Touristin nach Deutschland eingereist. Dann hatten wir schon mit sechs bis sieben verschiedenen Behörden zu tun." Diese erste Auseinandersetzung mit den rechtlichen Gegebenheiten habe bereits ein halbes Jahr nach Tochter Wandas Geburt gedauert.

Müsste es für schwule Paare in Deutschland nicht bereits wegen des Gleichheitsgrundsatzes einfacher sein? Dazu Katja Keul, Rechtsexpertin bei den Grünen: "Der Gleichheitsgrundsatz besagt nur, dass man Gleiches gleich und Ungleiches ungleich behandeln muss. Die Leihmutterschaft ist daher etwas grundsätzlich anderes als eine Samenspende. Die Leihmutterschaft ist aus guten Gründen in Deutschland verboten, weil das Kindeswohl im Vordergrund stehen muss."

Moderatorin Katrin Bauerfeind (2.v.r.) mit Ihren Gästen v.l.n.r.: Thees Uhlmann, Sabine Heinrich und Paul van Dyk. 46 min
Moderatorin Katrin Bauerfeind (2.v.r.) mit Ihren Gästen v.l.n.r.: Thees Uhlmann, Sabine Heinrich und Paul van Dyk. Bildrechte: MDR/WDR/Thomas von der Heiden

Neben dem Aspekt, dass das eine "Kommerzialisierung" bedeute, hält es Keul von den Grünen auch nicht für vertretbar, wenn man Verträge schließe, bei denen von vornherein über die Abgabe des Kindes nach der Geburt verbindlich verhandelt werde: "Und ich wüsste auch nicht, dass es im Bundestag in dieser Hinsicht irgendeine Mehrheit geben würde." 

FDP für "altruistische Leihmutterschaft"

CDU und CSU sehen das genauso. Bei einer eventuellen schwarz-grünen Koalition im nächsten Bundestag würde sich also nichts ändern. Übrigens auch, wenn SPD und Linke an einer Regierung beteiligt wären. Nur die FDP plant, einen völlig neuen Rechtsrahmen zu schaffen.

Die Gesundheitsexpertin der FDP, Katrin Helling-Plahr, sagt: "Der Gesetzgeber hat 1990 mit dem Embryonen-Schutzgesetz eine Abwägungsentscheidung getroffen und die Leihmutterschaft verboten. Ich finde das nicht nur überkommen, sondern auch falsch."

Wenn die FDP an einer Bundesregierung beteiligt wäre, würde sich Helling-Plahr dafür einsetzen, "dass wir die altruistische Leihmutterschaft in Deutschland unter strengen Auflagen ermöglichen". Geld dürfe aber dafür nicht fließen, betont Helling-Plahr. Verbunden wäre dies dann mit einer Elternschaftsvereinbarung, die einer gerichtlichen Prüfung standhalten muss. Für Tobias und André wäre das durchaus eine Option, wenn sie sich denn für ein zweites Kind entscheiden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. November 2020 | 05:00 Uhr

13 Kommentare

Arne vor 2 Wochen

"Natur" ist kein Argument. Es ist ein naturalistischer Fehlschluss. Was Natur ist, sagt uns nicht, was gut ist. Wir wären nicht das, was wir sind, wenn wir die Natur nicht ständig ignorieren würden oder sogar aktiv gegen sie ankämpfen würden. Sie gehen doch auch ins Krankenhaus, wenn sie schwer krank werden? "Natürlich" wäre, auf die Selbstheilungskräfte zu vertrauen und dann eventuell zu sterben. Es braucht andere Argumente, um LGBT Menschen ihr Recht auf Familie abzusprechen. Aber die haben Sie nicht. Und Übrigens: Ich hab ja nichts gegen Schwule, ABER... Diese Argumentationsfigur, die Sie hier sinngemäß verwenden, ist nichts anderes als uneingestandene Homophobie. Meine dringende Empfehlung: lesen sie mal das gleichnamige Buch von Johannes Kram, da wird Ihnen ein Licht aufgehen.

Arne vor 2 Wochen

"Natur" ist kein Argument. Es ist ein naturalistischer Fehlschluss. Was Natur ist, sagt uns nicht, was gut ist. Wir wären nicht das, was wir sind, wenn wir die Natur nicht ständig ignorieren würden oder sogar aktiv gegen sie ankämpfen würden. Sie gehen doch auch ins Krankenhaus, wenn sie schwer krank werden? "Natürlich" wäre, auf die Selbstheilungskräfte zu vertrauen und dann eventuell zu sterben. Es braucht andere Argumente, um LGBT Menschen ihr Recht auf Familie abzusprechen. Aber die haben Sie nicht. Und Übrigens: Ich hab ja nichts gegen Schwule, ABER... Diese Argumentationsfigur, die Sie hier sinngemäß verwenden, ist nichts anderes als uneingestandene Homophobie. Meine dringende Empfehlung: lesen sie mal das gleichnamige Buch von Johannes Kram, da wird Ihnen ein Licht aufgehen.

sh. vor 2 Wochen

Warum wohl hat die Natur es so eingerichtet, das zur Zeugung eines Kindes Frau und Mann notwendig sind, also ist das und nur das die Grundlage für eine Familie.
Der Rest ist Ignorieren der Natur, also kurz gesagt menschengemachtes Erzwingen unnatürlicher Dinge. Wer schwul oder lesbisch ist, kann das gern sein und nach seiner Vorstellung ausleben, aber es gibt eben Grenzen, die durch die Natur gesetzt wurden.

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