Sperrmüll vor einem Wohnhaus
Wer Sperrmüll zu entsorgen hat, sollte sich bei den Stadtwerken melden. Bildrechte: Colourbox.de

Mieterverband irritiert Erfurt: Mieter zahlen Pauschale für ungemeldeten Sperrmüll

Deutschlands Müllberg wächst stetig. Über 38 Millionen Tonnen Abfälle wurden 2017 bei den Haushalten eingesammelt. Davon fallen im Durchschnitt 30 Kilogramm Sperrmüll pro Einwohner an. In Erfurt gab es früher zwei Mal im Jahr Sperrmüll-Sammelaktionen. Heute können Mieter zwei Mal im Jahr kostenlos Sperrmüll abholen lassen. Doch manche Vermieter wälzen Entsorgungskosten inzwischen auf Mieter ab.

von Christian Werner, MDR AKTUELL

Sperrmüll vor einem Wohnhaus
Wer Sperrmüll zu entsorgen hat, sollte sich bei den Stadtwerken melden. Bildrechte: Colourbox.de

MDR AKTUELL Hörerin Ingrin Kluge wohnt seit 1984 in einer kleinen Einraumwohnung in Erfurt Herrenberg. Dieser Stadtteil gehörte zu den letzten, in denen es bis vor zwei Jahren noch Sammelaktionen für Sperrmüll gab. Seither wird das anders geregelt, so wie in fast allen Kommunen deutschlandweit.

Drei Männer stehen vor einem Stapel Sperrmüll
Die Abholung von Sperrmüll ist in vielen Städten kostenlos. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Grund dafür seien vor allem Mülltouristen, erklärt Ivo Dierbach, Sprecher der Erfurter Stadtwerke. Einige haben während der Straßensammlung eigenen Müll in die entsprechenden Stadtteile gefahren. Andere haben im Sperrmüll nach brauchbaren Überresten gesucht. Das habe für Chaos auf den Straßen gesorgt. Die anschließende Straßenreinigung habe die Kosten für die Sammelaktionen weiter in die Höhe getrieben.

Vermieter wälzen Entsorgungskosten auf Mieter ab

Rund 9000 Tonnen Sperrmüll fallen jährlich in Erfurt an. Die Abholung auf Bestellung sei deutlich günstiger für die Stadtwerke als die Sammelaktionen.

Allerdings nicht für Ingrin Kluge. Seit der Neuregelung der Sperrmüllabholung muss sie eine Pauschale von knapp 30 Euro an ihren Vermieter zahlen. Sie habe zusätzliche Kosten, obwohl sie keinen Sperrmüll rausgelegt habe. Sie zahle eigentlich für die Entsorgung vom Sperrmüll anderer Leute.

Eine Couch mit einem Zettel mit der Aufschrift ZUM MITNEHMEN - FREE
Viele Mieter stellen alte Möbel "zum verschenken" vor die Tür. Bildrechte: imago images/Müller-Stauffenberg

Ingrin Kluge zeigt Fotos. Darauf zu sehen sind alte Schränke oder Sofagarnituren von Bewohnern einfach vor die Tür gelegt, offenbar ohne die Stadtwerke zu informieren und einen Sperrmülltransport zu bestellen. Die Hausverwaltung ist gesetzlich verpflichtet, diesen Müll zu entfernen.

Die TAG Immobilien AG, die einige der Plattenbauten auf dem Herrenberg gekauft hat, begründet damit die zusätzlichen Kosten für alle Mieter. Wenn nicht zugeordnet werden kann, wer den Sperrmüll vor die Tür gestellt hat, werden die angefallenen Kosten prozentual auf die Betriebskostenabrechnung umgelegt, heißt es auf Anfrage von MDR AKTUELL.

Mieterverein von Sperrmüllpauschale irritiert

Beim Mieterverband Erfurt findet man es zumindest ungewöhnlich, dass Ingrin Kluge eine Pauschale für die Sperrmüllentsorgung bezahlen muss.

Das ist nur dann rechtmäßig, wenn diese Sperrmüllabfuhr regelmäßig geschieht. Wenn nur einmal, aufgrund einer Bestellung des Mieters oder des Vermieters der Sperrmüll abgeführt wird, dann ist die Umlage nicht möglich.

Thomas Damm Mieterverein Erfurt

Bei Sperrmüll gibt es in Städten und Gemeinden keine einheitlichen Regelungen. In Erfurt wird es laut Stadtwerken keine Sammelaktionen für den Sperrmüll mehr geben. Aber Ingrin Kluge hat zumindest Widerspruch gegen ihre Betriebskostenabrechnung und die Sperrmüllpauschale eingelegt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. April 2019 | 05:25 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. April 2019, 05:00 Uhr

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6 Kommentare

17.04.2019 13:51 Pattel 6

Zu 5

Vollkommen Recht!

17.04.2019 12:35 Taucha K. 5

Es gibt Leute, die haben einfach kein Benehmen. Das kann man immer wieder in größeren Wohnanlagen beobachten:

Es ziehen Mieter aus und stellen ihre überflüssen Sachen und Möbel einfach ins Treppenhaus oder vor das Gebäude. Das sind Dinge, die sie nicht mehr haben wollen, sprich Sperrmüll. Wer den Müll dann hinterher entsorgt, ist ihnen völlig egal. Das können dann andere machen und bezahlen. Sie selber sind dann ja weg. Ziemlich asozial, diese Denkweise. Frei nach dem Motto "Scheiß auf Anstand".

Ich wünsche jedem Müllsünder, dass er erwischt wird und bezahlen darf.

17.04.2019 11:43 Wolfgang Friedrich 4

Wildwest bei Sperrmüll. Die Irritation im Mieterbund Erfurt gäbe es nicht, wenn das Rechtsverständnis und der Durchsetzungswille betreffend Ordnung und Sauberkeit stärker entwickelt wären. Völlig inakzeptabel ist die Festlegung von Pauschalen für Sperrmüllbeseitigung. Aber genauso inakzeptabel ist die wilde, d.h. nicht angemeldete Entsorgung vor Häuser, Vorgärten oder sogar im öffentlichen Raum. Kommunen, die nicht nach den Schmutzfinken suchen und folgerichtig keine Ordnungsgelder verhängen, geht es wirtschaftlich gut. Zu gut. Auch die Gesamtheit der Hausbewohner muss gemeinsam Ordnung und Sauberkeit garantieren und tierisches Verhalten einzelner Mitbewohner anzeigen. Die Umlage der nachgewiesen, unzuordenbaren Wild-West-Entsorgungskosten stärkt Gemeindenken und Unduldsamkeit.

17.04.2019 10:04 Pfingstrose 3

Ich wohne bei einer Wohnungsgesellschaft, da werden die Sperrmüllkosten mit unter die Betriebskosten versteckt. Der Vermieter arbeitet mit allen Refinessen.

17.04.2019 09:39 Jakob 2

Was ist das denn für ein Quatsch? Wer soll die Müllgebühren denn sonst zahlen, wenn nicht die Mieter. Die produzierenden Müll doch auch. Vermieterbashing scheint zurzeit ein beliebter Sport zu sein. Müllgebühren werden immer schon umgelegt. Und auch in anderen Bereichen gibt es Pauschalen. Hie scheint eine Pauschale günstiger zu sein. Damit sind auch die Müllgebühren der meckernden Mieterin gesunken. Die Kritik ist vollständig unberechtigt.

17.04.2019 07:20 optinator 1

Sollte in meinem Wohngebiet diese Praxis eingeführt werden, stelle ich auch Alles was weg kann, vor die Tür.
Dann spare ich den Sprit und er geht bei den Nebenkosten drauf.

Derzeit fahre ich den Sperrmüll jeglicher Art persönlich zum Wertstoffhof was keine große Aufwendung ist.

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