Covid-19-Infizierte Können Hunde das Coronavirus erschnüffeln?

Albrecht Wagner
Bildrechte: Tobias Thiergen

Hunde können bestimmte Krankheiten wie Tumore oder Diabetes erschnüffeln. MDR AKTUELL-Hörer Gerhard Gündel aus Zwickau fragt, ob dies auch bei dem Coronavirus möglich sei. Außerdem will er wissen, ob die Hundenase technisch nachgebildet werden kann.

Schäferhund riecht Corona
Die Bundeswehr bildet Hunde aus, die das Coronvirus erschnüffeln können. Bildrechte: Bundeswehr/Roland Alpers

Damit Hunde Krankheiten erschnüffeln könnten, müssten diese Krankheiten eine ganz bestimmte Bedingung erfüllen, sagt Hundetrainer Uwe Friedrich. In seinem Hundezentrum Teamcanin in Filderstadt trainiert er Hunde unter anderem zur Krebsfrüherkennung und als Diabetikerwarnhunde.

Es seien alle Krankheiten, bei denen sich der Körpergeruch des Menschen signifikant verändere, erklärt Friedrich. Von denen wisse man, dass man den Hund auf genau diese Geruchsbilder ausbilden könne, sodass er diese Veränderung des Körpergeruchs dann einfach feststellen könne.

Covid-19-Spürhunde denkbar

Genau das scheint bei Covid-19 der Fall zu sein. Das bestätigen jetzt Forschungen mit Bundeswehr-Spürhunden. Die Hunde erkannten schon nach einer Woche aus Speichelproben mit großer Sicherheit die von Covid-19-Infizierten.

Verhaltensforscherin Esther Schalke, die für die Bundeswehr die Studie betreut, erklärt, was die Hunde riechen: "Die Viren riechen nicht. Aber was die machen, die verändern den Stoffwechsel einer Zelle und zwar sehr, sehr spezifisch. Und diese spezifischen flüchtigen Stoffe sind tatsächlich virusspezifisch, und das ist das, was die Hunde riechen können."

Ziel der Studien ist, Hunde so zu trainieren, dass sie zum Beispiel auf Flughäfen oder an Eingängen von Großveranstaltungen Covid-19-Infizierte erkennen. Hundetrainer Uwe Friedrich hält das für machbar: "Diese Möglichkeit, dass dann einfach Menschen durch eine Art Schleuse quasi laufen, wo der Hund in der Lage ist, eine kurze Momentaufnahme von dem Geruch dieses speziellen Menschen zu bekommen, halte ich für realisierbar."

Diensthund Donnie macht Pause 1 min
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Hundenase lässt sich technisch nachbilden

Die andere Möglichkeit wäre, die Hundenase künstlich nachzubilden. Daran forscht das Team um Martin Sommer vom Karlsruher Institut für Technologie. Die Forscher haben eine elektronische Nase entwickelt, die Karlsruher Mikro-Nase Kamina. Bis zur Hundenase sei es aber noch ein Stück, sagt Martin Sommer. Das werde noch einige Jahre dauern, bis man ähnlich leistungsstark sei. Aber man könne schon vorher anfangen. Zum Beispiel bei der Detektion von Sprengstoff oder von Drogen. Da lasse sich die elektronische Nase jetzt auch schon einsetzen, betont Martin Sommer.

Die elektronische Nase des Karlsruher Teams hat 16 Geruchssensorelemente. Zum Vergleich: Menschen haben 400 verschiedene Geruchssensoren, Hunde sogar 1000. Die Erkennung von Krankheiten ist natürlich auch ein Ziel.

Optimal sei eine elektronische Nase einfach im Smartphone, die bei Krankheiten warnt, stellt Martin Sommer fest: "Da arbeiten wir tatsächlich darauf hin, dass unser Chip so klein und so günstig wird, auch so preiswert, dass er ohne Weiteres in ein Smartphone eingebaut werden kann." Um allerdings in den nächsten Monaten ein Covid-19-erschnüffelndes Smartphone zu haben, seien die Entwicklungen noch nicht weit genug, sagt Martin Sommer.

Trefferquote der Hunde von knapp 90 Prozent

Hier sind die Studien mit Hunden vielversprechender. Wie groß deren Bedeutung ist, zeigt ein persönlicher Besuch von Bundesverteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer auf dem Versuchsgelände der Bundeswehrhundeschule. Für die nächsten Wochen sind weitere spezielle Trainings geplant. Die wichtigste Erkenntnis haben die Tests für Bundeswehr-Hundetrainerin Esther Schalke aber schon gebracht: "Wir wissen, sie können's. Und wir wissen mittlerweile auch, wie man sie ausbilden kann dafür."

Eine Trefferquote von fast 90 Prozent schon nach der ersten Woche macht Hoffnung, dass Hunde bald wertvolle Hilfe leisten können bei der Erkennung von Covid-19.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 03. August 2020 | 06:24 Uhr

4 Kommentare

altmarkboy vor 7 Wochen

Jetzt bin ich total verwirrt. Hund und Katze hängen mir immer am Hintern. Ich dachte immer ich hätte "Sumpfarsch". Nun besteht doch die Möglichkeit das sich ich Corona habe. Ich weis jetzt gar nicht, worüber ich mich mehr freuen sollte.

Querdenker vor 7 Wochen

Ob die Hunde auch zwischen den normalen Erkältungsviren "Humanes Coronavirus 229E", "Humanes Coronavirus OC43" und dem pandemischen "SARS-CoV-2" unterscheiden können, wurde in der Studie scheinbar nicht* untersucht. Kann trotzdem sehr nützlich zur Vorselektion sein. In der Studie wurden Speichelproben genommen.

*siehe „bmcinfectdis biomedcentral Scent dog identification of samples from COVID-19 patients – a pilot study“

Critica vor 7 Wochen

Vorab, damit niemand auf mich "dreinschlagen" muss: Ich bin sehr tierlieb und Haustierbesitzer. Aber die Überschrift "Können Hunde das Coronavirus erschnüffeln?" und manch folgende Sätze erschrecken mich sehr. Und zwar nicht wegen der Tiere. Nein! Ich befürchte, dass in einigen Jahren die Menschen logisches Denken völlig verlernt haben.

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