Mund-Nase-Schutz Warum gilt die Maskenpflicht nicht beim Arzt?

Beim Einkaufen oder in Bus und Bahn ist sie Pflicht und gehört zum Alltag – die Mund-Nase-Bedeckung. Doch obwohl sie in geschlossenen Räumen mit vielen Menschen Pflicht ist und Infektionen verhindern soll, ist sie beim Arztbesuch keineswegs zwingend vorgeschrieben. Doch warum gilt gerade hier eine Ausnahme? Das fragt auch MDR-AKTUELL-Nutzer T. Fischer aus Sachsen. Die Antwort darauf führt uns in eine Arztpraxis nach Leipzig.

Ein Medizinstudent hält in der Charité in Berlin ein Stethoskop in der Hand
Warum gilt die Maskenpflicht nicht beim Arzt? Bildrechte: dpa

Zu Besuch in der Gemeinschaftspraxis Greeff/Büschel im Nordosten von Leipzig. Während der Sprechzeiten herrscht hier reger Betrieb. Zum Schutz von Patienten und Personal vor einer möglichen Coronainfektion ist im Wartebereich das Tragen eines Mund-Nase-Schutzes Pflicht.

Keine Maskenpflicht im Behandlungszimmer

Doch anders ist das im Behandlungszimmer von Ärztin Gabriele Büschel. "Im Zimmer lassen wir die dann ab. Da sehen wir zu, dass wir hier anderthalb Meter Abstand halten und die Fenster offen sind. Wenn es um Themen geht, die ein bisschen emotionaler sind, setze ich die Maske auch ab, damit der Patient mein Gesicht sieht. Mir ist es wichtig, in der Sprechstunde das Gesicht des Patienten zu sehen, weil man sieht nicht, ob es dem Patienten gut oder nicht gut geht, nur ab hier."

Sie zeigt auf den Ansatz der Nase und damit ist klar: Emotionen kann sie so nicht erkennen. Im Zimmer nimmt bereits der nächste Patient Platz.

Keine einheitliche Vorschrift für Arztpraxen

Auf eine gesetzliche Regelung kann sich Gabriele Büschel nicht berufen. Einheitliche Vorschriften für Arztpraxen haben die Bundesländer derzeit nicht festgelegt. So gilt eine Maskenpflicht in Bayern und Baden-Württemberg, in Mitteldeutschland jedoch nicht. Grundsätzlich gilt die Empfehlung zum Tragen einer Maske, wenn der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht sicher eingehalten werden kann. Das zuständige sächsische Sozialministerium verweist auf Nachfrage von MDR AKTUELL auf die Verantwortung der Ärzte und auf die eh schon hohen Hygienestandards der Praxen.

So hat auch Gabriele Büschel ihr Hygienekonzept selbst entwickelt und immer wieder angepasst. "Also muss man hier auch einen Kompromiss fahren zwischen radikal 'wir bleiben alle mal zuhause' und 'wir machen es wie vorher'. Das ist ein Kompromiss und gesunder Menschenverstand und es gibt natürlich schon Vorgaben von der Kassenärztlichen Vereinigung, dem Leipziger Gesundheitsnetz, vom Arbeitsschutz und dann hat man sich für einen selbst das sinnvoll Erscheinende, was ja eine ganz große Schnittmenge ist, herausgesucht."

Alternativen zur Maskenpflicht

Auch Klaus Heckemann von der Kassenärztlichen Vereinigung in Sachsen vertraut auf die Fachkompetenz der Ärzte. Statt einer generellen Maskenpflicht setzt er auf sinnvolle Schutzmaßnahmen, wie eine Glasscheibe am Anmeldetresen. "Wenn eine Glasscheibe dazwischen ist, macht es für die Arzthelferin sowie für den Patienten gegenüber keinen Sinn eine Maske zu tragen. Weil da ist keine Ansteckungsgefahr. Wir haben das Problem, dass durch weniger sinnvolle Regelungen die Glaubwürdigkeit leidet, und dann hält sich keiner mehr dran, dann haben wir nichts gekonnt."

Aus Angst vor einer Coronainfektion nicht zum Arzt zu gehen, hält man am Institut für Virologie der Uniklinik Leipzig für unbegründet. Institutsdirektor Uwe Liebert empfiehlt beim Tragen der Maske mehr Eigenverantwortung, nicht nur, wenn sie vorgeschrieben ist. "Es ist immer dann eine Maske zu tragen, wenn man das Gefühl hat, dass man gefährdet sein könnte. Das wird in vielen Fällen richtig sein, das Gefühl. Es wird aber in manchen Fällen nicht richtig sein, sodass man die Maske aufsetzt, ohne dass es eigentlich erforderlich wäre."

Corona-Tests für Reiserückkehrer

Besondere Vorsicht ist allerdings am Ende der Urlaubssaison geboten. Um die Coronatests für Heimkehrer ohne Gefahr abnehmen zu können, hat sich das Praxisteam von Gabriele Büschel etwas Besonderes ausgedacht. "Jetzt für die Reiserückkehrer, für die Freiwilligen und Verpflichteten haben wir uns überlegt, werden wir das einfach draußen vor dem Fenster machen im Gang."

Der Abstrich wird also durch das Fenster gemacht. Eine mögliche Ansteckung der anderen Patienten ist damit ausgeschlossen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. August 2020 | 08:23 Uhr

16 Kommentare

harzer vor 15 Wochen

MVZ Halberstadt müssen wir meine Frau und ich Maske tragen , in Warte zimmer und beim Arzt! Es ist in Ordnung; der Arzt und die Schwestern sind so auch gesichert. Versicherungskarten müssen wir hinter der Anmeldung selbst eingeben, der Automat steht hinter eine Scheibe aus Plexiglas! IsT in Ordnung!

nilux vor 15 Wochen

"Dient das Maske tragen nicht dem Schutz anderer?"

Genau, so war bisher die Argumentation für eine Maskenpflicht. Demnach nützt es Menschen aus Risikogruppen nichts wenn sie nur selbst eine Maske tragen.

Wenn sich nun sogar Ärzte als "Fachleute" derartig widersprechen dann wird es langsam wirklich schwierig, große Teile der Bevölkerung von den Maßnahmen zu überzeugen. Deshalb müsste diese Aussage von Institutsdirektor Uwe Liebert noch einmal dringend klar gestellt werden. Sonst ist es unverantwortlich.



Denkschnecke vor 15 Wochen

Na, Sie haben ja offenbar Ahnung? Nur um das sachlich geradezurücken: Gemäß der Approbationsordnung für Ärzte haben "Virologen" in Deutschland ein mindestens 6-jähriges Studium der Humanmedizin, abgeschlossen durch die Ärztliche Prüfung, und danach eine 5-jährige Ausbildung zum Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie absolviert. Ich arbeite übrigens in der Medizinerausbildung.
Und wenn Sie Wissenschaftlern grundsätzliche Überschätzung von Gefahren und "Gießkannenprinzip" vorwerfen, bin ich als Naturwissenschaftler echt angep..., entschuldigung, in meiner Berufsehre gekränkt.

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