Hörer machen Programm Schadet extreme Kälte dem Borkenkäfer?

Bis zu minus 25 Grad schaffte das Thermometer an einigen Orten Anfang Februar. Doch wie wirken sich kalte Winter auf Flora und Fauna aus? MDR-AKTUELL-User Tilo Nixdorf aus Neugersdorf hatte dazu folgende Frage: "Hat die extreme Kälte der letzten zwei Wochen dem Borkenkäfer geschadet und hat die Kälte damit den Forstunternehmern geholfen?"

Ein Borkenkäfer kriecht über eine befallene Fichte
Hat die Kälte geholfen, die Borkenkäferplage einzudämmen? Bildrechte: dpa

Alexander Hentzschel vom Sachsenforst steht in der Dübener Heide und hobelt die Rinde einer Kiefer ab. Er kontrolliere an einem absterbenden Baum, ob er noch Borkenkäfer finden könne, welche Arten es seien und vor allem in welchem Stadium die sich befänden. Daran lasse sich auch erkennen, wie dringlich es sei, das Schadholz aus dem Wald zu bringen.

Denn dort, wo Käfer und Larven in der Rinde sind, entwickelt sich die Borkenkäferplage ungehindert weiter. Nach wenigen Minuten wird er fündig: "Hier kann man schön eine Larve betrachten. Das ist eine typische Prachtkäferlarve. Also diese Larve überwintert derzeit hier in der Borke dieses Baumes und könnte und wird im Frühjahr dann die nächsten Bäume befallen."

Frost macht dem Borkenkäfer nichts aus

Der Prachtkäfer gehört wie der Borkenkäfer zu den Baumschädlingen und beiden macht Frost überhaupt nichts aus. Förster Hentzschel erklärt: "Borkenkäfer sind völlig kälteresistent, bis minus 25 Grad Celsius kann ein Borkenkäfer überleben. Viele Borkenkäfer überwintern in der Bodenstreu und nicht einmal im Baum, sodass sie dann unter einer geschlossenen Schneedecke mit den Temperaturen überhaupt kein Problem haben."

Hentzschel fährt fort: "Die Käfer lagern in der wärmeren Jahreszeit Zucker ein, den sie im Winter als eine Art körpereigenes Frostschutzmittel nutzen." Außerdem verkröchen sich die Larven tief in der Borke, sodass sie in den heruntergefallenen Rindenstückchen im Schnee überleben könnten.

Insektenarten angepasst

Überleben im Winter ist kein Problem für die Schädlinge. Für Jörg Nitsch vom Arbeitskreis Wald des BUND liegt der Grund auf der Hand: Die in Deutschland und Mitteleuropa einheimischen Tierarten – sowohl Käfer als auch Mücken und andere Insekten – hätten natürlich kein Problem mit den verschiedenen Jahreszeiten. Auch nicht mit den Wintern, ja nicht einmal, wenn es mal richtig kalt werde. "Sonst wären sie hier schon lange ausgestorben", sagt Nitsch.

Moderator im Wald 29 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Niederschlag ist wichtig

Trotzdem hat der diesjährige Winter mit dem vielen Schnee seine guten Seiten für den Wald, sagt Alexander Hentzschel vom Sachsenforst. Denn Schnee ist Niederschlag: "Niederschlag ist super für den Wald, zumal der Schnee hier im Wald natürlich in den Boden sickert und nicht abfließt und dem Boden wirklich zur Verfügung steht und was im Boden ist, nützt auch den Bäumen. Haben die Bäume wieder Wasser, können sie auch wieder widerstandsfähiger werden, sie können wieder Harz bilden und diese Niederschläge sind mehr als nötig. Schnee im Winter ist immer gut im Wald."

Niederschlag ist viel wichtiger als klirrender Frost. Sollte allerdings der kommende Sommer wieder trocken werden, wird das dem Wald schaden und für den Borkenkäfer ideale Lebensbedingungen schaffen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. Februar 2021 | 06:27 Uhr

7 Kommentare

ElBuffo vor 1 Wochen

So ist es. Mal abgesehen, dass es auch schon vor den Römern Natur gab und deren Auftauchen nicht den Beginn von Wachsen und Gedeihen auf diesem Planeten markiert.

H.E. vor 1 Wochen

@wer auch immer

Als Beispiel möchte ich hier den Schwarzwald bringen. Im Schwarzwald war immer und zwar schon unter den Römern, von denen er auch seinen Namen hat, die Tannen zu Hause. Als dann vor über einhundert Jahren die Holzwirtschaft/Holzindustrie so richtig aufblühte, wurden nicht mehr die Tannen gepflanzt, sondern die Fichten, weil diese aus kommerziellen Gründen viel besser den Waldbauern und auch dem Staat erschien. Nur hat man nicht dabei gedacht, daß wenn es mal nicht ausreichend regnet, daß die Fichten viel stärker darunter leiden und absterben, was bei der Tanne nicht der Fall ist. Die Tanne ist nämlich ein TIEFWURZLER und holt sich das benötigte Wasser aus tieferen Regionen im Untergrund und die Fichte ist ein FLACHWURZLER, die verdurstet eben und geht ein wenn es mal längere Zeit trocken ist.

wer auch immer vor 1 Wochen

Borkenkäfer hin oder her. Der Wald ist tot !
Die Fichten die man jetzt noch sieht, sind schon seit letzten Herbst braun.
Demzufolge werden dies auch in diesem Jahr fallen.
Wir im Ostharz könnten, wenn nicht noch die Berge da wären, zum Ruhrpott schauen.

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