Transparenz Wo kommen die Eier her?

Maren Beddies, Redakteurin und Autorin
Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

Immer mehr Verbraucher wollen wissen, wo ihr Frühstücksei herkommt. Wo wurde es gelegt, kontrolliert und gepackt? Oft sind die Kennzeichnungen für Käufer nicht einfach nachzuverfolgen. Und häufig hinterlassen die Nachforschungen Fragen – wie bei MDR-AKTUELL-Hörer Stefan Müller aus dem bayerischen Landkreis Schwandorf.

Eierlager - Frisch gelegte Eier stehen bereit zum Ausliefern.
Frisch gelegte Eier stehen in Steuden bereit zum Ausliefern Bildrechte: Maren Beddies

Stefan Müller hat sich an MDR AKTUELL gewandt und folgende Fragen gestellt: "Ich habe heute Eier bei einem großen Markendiscounter gekauft. Die Kennung auf der Packung sowie auf den Eiern war auf der Internetseite, auf der mit der Packung geworben wird, nicht sofort verfügbar. Meine Frage ist, warum wird damit geworben, die Herkunft herausfinden zu können, obwohl es dann nicht oder nur schwer möglich ist. Und warum können die Packungsnummern mit den Nummern auf den Eiern sich unterscheiden?"

Spurensuche auf dem Hühnerhof

MDR-AKTUELL-Reporterin Maren Beddies ist den Fragen nachgegangen und hat den Hühnerhof Steuden in der Nähe von Halle besucht. Hier leben 17.500 Legehennen, die bereits gegen 4 Uhr mit dem Legen begonnen haben. In den Räumen neben dem Stall werden die Eier kontrolliert und mit Lebensmittelfarbe nummeriert.

Geschäftsführer Heiko Bauermann erklärt, wie die Nummer zu lesen ist: "Auf dem Ei steht als erstes die Haltungsform – 2 für Bodenhaltung – DE für Deutschland – 15 für Sachsen-Anhalt. Jedes Bundesland hat eine eigene Kenn-Nummer. Und dann kommt die Erzeugernummer – 05407. Das sind Eier aus dem Stall in Wansleben."

Sortiert und verpackt nach Gewicht

Der Betrieb im vier Kilometer entfernten Wansleben gehört zum Hühnerhof Steuden. In beiden Orten hat das Unternehmen Bodenhaltungsställe mit Wintergarten als Auslauf für die Legehennen und einen Stall mit Freilandhaltung.

Eierkontrolle - Eier werden durchleuchtet.
Bei der Eierkontrolle werden die Eier durchleuchtet Bildrechte: Maren Beddies

Jeder Stall kann über eine eigene Nummer identifiziert werden. Zusammengestellt werden die Eier aber zentral in Steuden. Hier steht eine Sortiermaschine, wo die Eier nach Gewichtsklassen sortiert und verpackt werden.

Dabei ist es möglich und rechtlich erlaubt, dass Eier einer Packung aus verschiedenen Ställen kommen und deshalb auch verschiedene Ziffern haben. Bedingung ist nur: Jedes Ei muss von gleicher Qualität und Haltungsform sein.

Der Hühnerhof Steuden als regionaler Erzeuger sortiert und verpackt selbst. Viele Produzenten liefern jedoch an große Packstationen, die mitunter auch Eier aus dem Ausland annehmen.

Genaue Kennzeichnung ist Pflicht

Produktions- und Lieferketten kontrolliert in Sachsen-Anhalt das Landesverwaltungsamt über die Nummerncodes. Sprecherin Denise Vopel erklärt dazu, es gebe eine genaue Zertifizierung von Karton und Ei. Diese sei EU-weit gleich geregelt.

Der Stempel auf dem Ei erklärt, wo es gelegt wurde. Die Verpackung sagt aus, wo das Ei verpackt wurde. Es kann also sein, dass ein Ei, was in den Niederlanden gelegt wurde, in einer deutschen Verpackung zu finden ist.

Denise Vopel Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt
Palette mit Hühnereiern.
Eine Palette mit Hühnereiern Bildrechte: imago stock&people

Wer sicher Eier aus der Region kaufen wolle, müsse deshalb immer in die Schachtel schauen. Alle Angaben, bis zur Stalltür, könne der Kunde am Computer oder per App nachverfolgen. Allerdings müssten Bio- oder konventionelle Betrieb sich freiwillig registrieren lassen. Vopel zufolge machen dies aber die meisten.

Ein Beispiel sei die empfehlenswerte Website www.was-steht-auf-dem-ei.de. Hier könne man sich die App "Eiercode" herunterladen und die Herkunft des Eis schon im Laden herausfinden.

Herkunft per App zu sehen

Über diese Webseite des Vereins "Kontrollierte Alternative Tierhaltung" (KAT) hat auch Hörer Stefan Müller recherchiert. Dass seine ersten Überprüfungen nichts ergeben haben, sei wohl eher Zufall als die Regel, meint Christa Bergmann, Leiterin des Lebensmittelreferats bei der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt und ergänzt, ihr sei das bei KAT noch nicht passiert. Vielleicht hätten technische Störungen vorgelegen.

Eher störten sich Verbraucherschützer daran, dass auf der Verpackung die Angaben zum Produktionsstandort fehlen. Es gab Bergmann zufolge deswegen auch Beschwerden an die EU-Kommission. Diese habe geantwortet, dass im Rahmen der Verschlankung der Verwaltung so ein zusätzlicher Aufwand nicht angezeigt sei, zumal die Verbraucherinformation auf den Eiern stünden.

Übrigens muss selbst an Marktständen bei Eiern alles seine Nummer und Ordnung haben. Nur beim Haustür- und Hofverkauf brauchen Eier und Verpackung nicht nummeriert werden. Aber da kennt der Kunde Haltung und Hühner auch fast persönlich.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. Januar 2021 | 06:21 Uhr