Schwer verletztes Opfer Angriff auf Türsteher auf Mallorca: Waren es rassistische Motive?

Zwei Leipziger Hooligans haben einen aus dem Senegal stammenden Sicherheitsmann auf Mallorca schwer verletzt. Die Beiden betreiben Kampfsport, einer von ihnen im "Imperium Fight Team". Das steht schon länger im Rechtsextremismus-Verdacht.

Der Angriff war brutal und es ging alles sehr schnell. Doch mit den Folgen wird das Opfer lange zu kämpfen haben. Abdoulaye hat senegalesische Wurzeln und ist Türsteher im "Megapark" auf Mallorca. Als ein junger Deutscher auf die Bühne klettern wollte, hat er ihn heruntergeholt und schob ihn aus der beliebten Party-Disko. Dann - die folgenschwere Attacke.

Ein spanisches Polizeifahrzeug
Die Polizei auf Mallorca geht von einem rassistischen Hintergrund der Tat aus. Bildrechte: imago/localpic

Zwei Hooligans aus dem Raum Leipzig schlugen auf den dunkelhäutigen Sicherheitsmann ein, auch als er schon am Boden lag, bestätigt die mallorquinische Polizei. Die beiden 20 Jahre alten Männer trugen an jenem Abend des 6. Juni Mundschutz - so wie Kampfsportler im Ring. Dann eilten andere Mitarbeiter und Gäste des Lokals am Strand von Arenal dem Opfer zur Hilfe. Die beiden Angreifer wurden bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten. Der Türsteher kommt mit schwersten Verletzungen in ein Krankenhaus. Nach Angaben der Polizei wird ein "rassistischer Hintergrund" vermutet.

Beide Angreifer trainieren Kampfsport

Die beiden Angreifer waren mit einer Gruppe Hooligans von Lok Leipzig auf der Insel unterwegs. Beide sind im Umland von Leipzig aufgewachsen. Johannes H., der anfangs Fußball spielte und nun Kampfsport trainiert, ist gerade erst zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Der Grund: 2017 hatte er bei einem Dorffest einem afghanischen Jugendlichen die linke Augenhöhlenwand und die Nase gebrochen. Das damals 15-jährige Opfer hat bis heute Sehprobleme.

Die haben erst einmal mit ´Scheiß Ausländer´ und so angefangen.

Mustafa Opfer von Johannes H.

Nach einer verbalen Auseinandersetzung habe Johannes auf einmal zugeschlagen, berichtet Mustafa weiter über die Tat.

Der 20-jährige Johannes H. sei immer durch eine große Klappe und wenig Leistung aufgefallen, sagt eine Person, die beide Tatverdächtige schon länger kennt, aber anonym bleiben will. Politisch habe Johannes sich eher nicht geäußert. Anders bei Robert F., dem zweiten mutmaßlichen Schläger von Mallorca. Der habe sich offen gegen Ausländer positioniert: "Ich war sehr überrascht. Ich dachte, Robert hat ein bisschen mehr im Kopf. Da er ja aufs Gymnasium gegangen ist. Ist ja kein Dummer. Aber diese Aktion war dumm." Die Person stuft beide eher als Mitläufer ein, die grundsätzlich immer in der Gruppe unterwegs seien.

Polizei findet Fotos mit Hakenkreuzen auf den Handys

Robert trainiert seit einiger Zeit Kampfsport beim "Imperium Fight Team" in Leipzig – dessen Manager und Trainer Benjamin Brinsa kommentiert die Aktion seines Sportlers so: "Aktuell besteht die Unschuldsvermutung. Ich werde alles dafür tun, dass das aufgeklärt wird." Es sei für alle Beteiligten eine absolute Katastrophe – sowohl für den Verletzten, als auch für die zwei jungen Männer in Untersuchungshaft.

Obwohl Brinsa auf Mallorca nicht dabei war, hat der Kampfsportler Zweifel an der Alleinschuld der Beiden. Zeugen hätten ihm berichtet, der Türsteher habe zuerst zugeschlagen. Brinsas "Imperium Fight Team" wird allerdings schon länger mit Rechtsextremismus in Verbindung gebracht. Als vor dreieinhalb Jahren rund 250 Hooligans den linken Stadtteil Leipzig-Connewitz überfielen, sollen auch drei Leistungsträger des Teams dabei gewesen sein. Sie wurden inzwischen angeklagt. "Das sind laufende Verfahren. Dazu werde ich mich auch nicht äußern", erklärt Brinsa zu den Vorwürfen. "Und was Leute einzeln in ihrer Freizeit tun, hat mit dem Team nichts zu tun."

Hooligans Mallorca
Sänger Mickie Krause ist mit Türsteher Abdoulaye befreundet und er verurteilt diese Tat. Bildrechte: Mickie Krause/MDR

Die Polizei hat auf Mallorca Fotos von Hakenkreuzen und dem Ku-Klux-Clan auf einem Handy der Tatverdächtigen gefunden. Waren es also rassistische Motive, die zu dieser Attacke führten, die so brutal war, dass eine Querschnittslähmung nur durch eine Operation verhindert werden konnte? "Er ist auf alle Fälle auf dem Weg der Besserung. Es gibt aber Körperteile, die er nicht bewegen kann. Er spürt ein Kribbeln im Bein", erklärt der Entertainer Mickie Krause, der mit dem Türsteher durch seine Auftritte im Megapark befreundet ist. Der Sänger hat bei seinem Auftritt in der Disko nach dem Angriff für das Opfer gesungen und sagte davor: "In meinem Leben haben Gewalt und Fremdenfeindlichkeit einfach keinen Platz. Und deshalb gibt es heute einen Song, den ich meinem Kumpel Abu widme."

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 19. Juni 2019 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Juni 2019, 16:21 Uhr