Umwelt Illegaler Müll kostet Städte Hunderttausende Euro

Im Stadtbild beziehungsweise in Parks und Wäldern ist illegal abgeladener Müll immer wieder ein großes Ärgernis. Er schädigt die Natur und die Beseitigung kostet viel Geld. MDR AKTUELL hat bei einigen Städten nachgefragt, wie groß das Ausmaß des Problems ist.

Illegaler Müll
Allein im Kreis Leipzig flossen 2019 200.000 Euro in die Entsorgung von illegal abgeladenem Müll (Symbolbild). Bildrechte: dpa

Illegal abgeladener Müll, das sei im Landkreis Leipzig ein großes Problem, sagt Belinda Reg'n, Sprecherin des Landrates: "Allein im letzten Jahr 2019 wurden im Landkreis Leipzig 200.000 Euro für die Entsorgung ausgegeben." Das sei ein großer Posten, den die Verwaltung und somit auch der Bürger aufzuwenden habe.

Der größte Posten sei Sperrmüll, rund 500 Tonnen habe man im vergangenen Jahr eingesammelt, erklärt Reg'n. Dazu kämen gut 2.000 Altreifen, 70 Autobatterien und viele weitere Abfälle vom Grünschnitt bis zum Kühlschrank. "Es ist zu beobachten, dass von 2013 bis 2018 im Jahr 100 Tonnen an Sperrmüll dazugekommen sind." Dabei könne doch jeder seinen Müll kostenlos zum Wertstoffhof bringen.

Illegale Müllentsorgung in Corona-Zeit gestiegen

Auch für andere Orte und Kreise sei das illegale Abladen von Müll ein großes Problem, sagt der Geschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes Sachsen-Anhalt, Jürgen Leindecker: "Überraschenderweise ist es auch jetzt gerade in dieser Corona-Zeit mehr geworden."

Laut Leindecker würden das viele Städte melden. Man habe es auch mit Restmüll "in den Grünanlagen zu tun" und müsse erheblichen Aufwand betreiben, um die öffentlichen Flächen wieder in einen ordentlichen Zustand zu versetzen.

Mehrere mitteldeutsche Städte haben Probleme mit illegaler Müllentsorgung

MDR AKTUELL hat nachgefragt – in Erfurt, Weimar, Magdeburg, Halle, Halberstadt, Dresden und Leipzig. Sie alle sprechen von einem Problem auf gleichbleibend hohem beziehungsweise sogar leicht steigendem Niveau. Den stärksten Anstieg meldet Magdeburg, dort habe sich die Zahl der Fälle seit 2015 mehr als verdoppelt: 1.000 illegale Abfallablagerungen seien der Stadt letztes Jahr gemeldet worden, hieß es auf Nachfrage.

Die Städte und Kommunen kostet die Beseitigung eine Menge Geld: So entstanden in Halle letztes Jahr Kosten von 120.000 Euro, in Dresden sogar 200.000 Euro – Spitzenreiter ist Leipzig mit 286.000 Euro. Für ganz Sachsen verzeichnete das  Umweltministerium im Jahr 2018 Kosten von insgesamt 1,1 Millionen Euro für die Beseitigung von illegalem Müll.

Nur knapp jeder dritte Täter überführt

Die Suche nach den Verursachern gestalte sich indes sehr schwierig, sagt der Sachsen-Anhalter Gemeindevertreter Leindecker. Schließlich würden die wenigsten eine Visitenkarte auf ihrem Müll hinterlassen. Und oft fehle der Stadt das Personal für eigene Ermittlungen. Belinda Reg'n vom Landkreis Leipzig stimmt zu. Man sei auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen, jemanden der beispielsweise ein Kennzeichen gesehen habe. Mitarbeiterinnen aus dem Umweltamt würden auch den Müll nach Hinweisen auf die Verursacher durchsuchen.

Doch nur in etwa 30 Prozent der Fälle könne man die Täter ermitteln, sagt Reg'n: "Das ist eine Ordnungswidrigkeit, die wird dann dem Ordnungsamt weitergegeben. Es wird dem Verursacher auch eingeräumt, zunächst den Schaden, den er angerichtet hat, selbst zu bereinigen. Wenn das nicht passiert, wird dann das Bußgeldverfahren eingeleitet."

In Sachsen kann ein illegal abgeladener Kühlschrank den Übeltäter bis zu 300 Euro kosten – und das auch nur, wenn er ihn sofort beseitigt. Entsteht durch den Abfall eine Gefahr für Mensch, Tier oder Umwelt, dann kann es sich auch um eine Straftat handeln. Laut der sächsischen Polizei gab es im letzten Jahr 81 solcher Fälle. Gut die Hälfte davon konnte aufgeklärt werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. August 2020 | 13:08 Uhr

8 Kommentare

Norbert 56 NRW vor 23 Wochen

Eben das frage ich mich auch, das meiste kann einfach abgegeben werden. Es sollte generell als Straftat geahndet werden, und dann das doppelte von der eigentlichen Entsorgung kosten. Das Thema ist leider steinalt, aber das sind und waren für mich schon immer echte Umweltsäue.

MDR-Team vor 23 Wochen

Hallo, wir wollen an dieser Stelle darauf hinweisen, dass das Messie-Syndrom oftmals Ausdruck einer psychischen Krankheit ist.
Liebe Grüße aus der MDR.de-Redaktion

Maria A. vor 23 Wochen

Das ist ja mal eine Schlussfolgerung - alle Achtung! So kann man sogar der Faulheit und Liederlichkeit noch was Gutes abgewinnen. Scheinbar gehört diese Akzeptanz sogar zum Lebensgefühl heutiger Generationen. Denn wie äußerte sich jetzt erst in der Freien Presse eine mit Reinungs- und Aufräumtätigkeiten gewerblich tätige Mitbürgerin? "Messies sind auch tolle Menschen."