Bunkertourismus Zehn Tipps für Bunker-Interessierte

Für die einen sind Bunker Zeugen vergangener Zeiten. Andere sind fasziniert von ihren technischen und baulichen Finessen. Wir haben den Bunkerexperten Martin Kaule gefragt, was er Neulingen besonders empfehlen würde.

Außenansicht des U-Boot-Bunkers Valentin in Bremen-Farge
Blick auf den U-Boot-Bunker Valentin in Bremen-Farge. Bildrechte: Klaus Mebus/Orte der Geschichte e. V.

Sie sind dickwandig, oft voller technischer und baulicher Besonderheiten, nicht selten unter der Erde und in ganz Deutschland verteilt: Bunker. Einige dieser gepanzerten Bauwerke stammen noch aus der Kaiserzeit, andere wurden im Dritten Reich oder in der Zeit des Kalten Krieges bis hinein in die 1980er-Jahre gebaut. Manchmal wechselten mit dem Wechsel der Zeiten auch die Nutzer dieser Schutzbauten, die vor allem im Kriegsfall einen ausgewählten Personenkreis am Leben halten, die Kommunikation absichern und Reserven bewahren sollten. Heute sind die Bunker meist selbst Geschichte und erinnern an vergangene Zeiten.

Interessante Bunker in Deutschland

der Bunkerexperte Martin Kaule
Bunkerexperte Martin Kaule Bildrechte: Klaus Mebus/Orte der Geschichte e. V.

Der Historiker Martin Kaule entdeckte früh seine Leidenschaft für diese faszinierenden Orte der Zeitgeschichte. Heute bietet er Bunkertouren im In- und Ausland an und hat 2018 zusammen mit seinem Verein "Orte der Geschichte" selbst einen unterirdischen Telekommunikationsbunker übernommen. Ab Herbst 2019 soll der "Kulturbunker Strausberg" nun Stück für Stück für Besucher zugänglich gemacht werden, als Galerie und Denkmal.

Wir haben Martin Kaule gefragt, welche Bunker er für Einsteiger besonders empfehlen würde und er hat uns diese persönliche Liste mit zehn Zielen in ganz Deutschland zusammengestellt:

Ahrweiler, Regierungsbunker

Außenansicht des Regierungsbunkers Ahrweiler
Regierungsbunker Ahrweiler Bildrechte: Klaus Mebus/Orte der Geschichte e. V.

Im Kalten Krieg sollten im sogenannten Regierungsbunker im Verteidigungsfall Bundespräsident, Bundeskanzler, ein Notparlament aus Bundestags- und Bundesratsmitgliedern, der Bundesverfassungsgerichtspräsident, verschiedene Minister und ziviles und militärisches Personal unterkommen.

Schaltpult im Regierungsbunker Ahrweiler
Schaltpult im Regierungsbunker Ahrweiler Bildrechte: Klaus Mebus/Orte der Geschichte e. V.

Gebaut wurde die Anlage von 1962 bis 1971, ab Ende 1997 aufgegeben. Von einstmals mehr als 17 Kilometern Bunker sind heute nur noch knapp 200 Meter erhalten. 2008 wurde öffentlich, dass schon 1962 klar war, dass die Anlage einer größeren Atombombe nicht standhalten würde. 

Berlin, Flakturm Humboldthain

Bildmontage: Zwei Ansichten des Flaktürme in Berlin, Humboldthain
Flaktürme in Berlin und Humboldthain Bildrechte: Klaus Mebus/Orte der Geschichte e. V.

Der Flakturm Humboldthain in Berlin ist ein Hochbunker aus dem Zweiten Weltkrieg. Diese Türme wurden für Flugabwehrkanonen (Flak) und deren Leitanlagen errichtet, gleichzeitig aber auch als Schutzräume für tausende Zivilisten genutzt. Vom Humboldthain-Flakturm blieb nur die Nordseite als Ruine erhalten. Ein Teil wurde vom Verein Berliner Unterwelten e.V. wieder begehbar gemacht und ist im Rahmen von Führungen zugänglich.

Bremen-Farge, U-Boot-Bunker Valentin

Außenansicht des U-Boot-Bunkers Valentin in Bremen-Farge
Außenansicht des U-Boot-Bunkers Valentin in Bremen-Farge Bildrechte: Klaus Mebus/Orte der Geschichte e. V.

An der Weser gelegen sollten im nationalsozialistischen Deutschland hier die seinerzeit modernsten U-Boote gebaut werden. Dazu kam es aber nie. Der Bunker konnte vor Kriegsende nicht mehr fertiggestellt werden. Tausende von Zwangsarbeitern starben bis 1945 beim Bau aufgrund der schlechten Arbeitsbedingungen. Ab 1960 wurde er noch 50 Jahre lang von der Bundeswehr genutzt. Danach baute man die Anlage in eine Gedenkstätte mit Besucherzentrum um.

Cochem, Bundesbank Bunker

Geldsack im Bundesbank-Bunker in Cochem
Geldsack im Bundesbank-Bunker in Cochem Bildrechte: Klaus Mebus/Orte der Geschichte e. V.

Streng geheim! Etwa 30 Meter unter der Erde baute die Deutsche Bundesbank hier Anfang der 1960er-Jahre eine 1500 Quadratmeter große Bunker- und Tresoranlage, um 15 Milliarden D-Mark einer Notstandswährung einzulagern. Als oberirdische Tarnung dienten zwei Wohnhäuser, in denen ein Schulungs- und ein Erholungsheim untergebracht war. Heute ist die unterirdische Anlage ein Museum und die ehemaligen Tarn-Wohnhäuser sind ein Hotel.

Kap Arkona, Führungsbunker Volksmarine

Eingänge in den Führungsbunker der Volksmarine am Kap Arkona
ührungsbunker der Volksmarine am Kap Arkona Bildrechte: Klaus Mebus/Orte der Geschichte e. V.

Auf dem von 1979 bis 1986 gebauten Bunker war ein Gefechtsstand der Volksmarine der DDR eingerichtet. Er besteht wiederum aus mehreren kleineren Bunkern, die aus Fertigbetonteilen hergestellt wurden. Bei einem Bombenangriff hätten die Bunker allerdings keinen Schutz geboten. Heute kann man hier eine Ausstellung mit ehemaligen Einrichtungsgegenständen besichtigen.

Machern, MfS Ausweichsitz

Bildmontage: der Ausweichsitz des MfS in Machern bei Leipzig
Ausweichsitz des MfS in Machern bei Leipzig Bildrechte: Klaus Mebus/Orte der Geschichte e. V.

Dieser Bunker sollte im Krisenfall den Chef der Leipziger Bezirksverwaltung der Staatssicherheit und dessen hauptamtliche Mitarbeiter aufnehmen. Von hier aus hätte man in einer Krisensituation versucht, den SED-Machtapparat aufrechtzuerhalten. Der Bunker ist der letzte von ehemals 15 Stasi-Bunkern in der DDR, der heute noch im Originalzustand besichtigt werden kann.

Obersalzberg, Bunker NS-Führerhauptquartier

im Bunker des NS Führerhauptquartiers am Obersalzberg
Bunker des NS Führerhauptquartiers am Obersalzberg Bildrechte: Klaus Mebus/Orte der Geschichte e. V.

Nah an Hitlers Berghof entstand zwischen 1943 und 1945 ein weitverzweigter unterirdischer und von der Außenwelt völlig unabhängiger Komplex. Dieses Führerhauptquartier war um ein Vielfaches größer als der Berliner Führerbunker. Ein Teil der Anlage ist im Rahmen der Dauerausstellung der Dokumentation Obersalzberg zu besichtigen.

Pirmasens, Westwallbunker

der Eingang des Westwallbunkers in Pirmasens
Westwallbunker in Pirmasens Bildrechte: Klaus Mebus/Orte der Geschichte e. V.

Dieses Festungswerk war Teil des sogenannten Westwalls, einem militärischen Verteidigungssystem zur Zeit des Nationalsozialismus an der westlichen Grenze des Deutschen Reiches. Die Anlage bei Pirmasens, die nie den Endausbau erreichte, wurde von 1939 bis 1945 genutzt und präsentiert sich heute in einem teilweise guten Zustand.

Schweinfurt, Bunkermuseum

das Deutsche Bunkermuseum in Schweinfurt von außen
Deutsches Bunkermuseum in Schweinfurt Bildrechte: Klaus Mebus/Orte der Geschichte e. V.

Der als schönstes Bunkergebäude Deutschlands bezeichnete Hochbunker hat einer Mauerdicke von 3 Metern. 1983 wurde der Bunker wieder betriebsfähig gemacht und gegen atomare, biologische und chemische Angriffe gerüstet. Heute beherbergt er das Deutsche Bunkermuseum.

Wünsdorf, Nachrichtenbunker Zeppelin und Bunker Maybach I

Treppe im einem der Wünsdorfer Bunker
Bildrechte: Klaus Mebus/Orte der Geschichte e. V.

Der Nachrichtenbunker Zeppelin erstreckte sich über mehrere Etagen und war der wichtigste Nachrichtenknoten in Nazideutschland. Nach Ende des Krieges riegelte die Sowjetarmee Wünsdorf ab und unterhielt hier in der sogenannten "Verbotenen Stadt" das Truppenhauptquartier mit weiteren unterirdischen Bunkeranlagen. Maybach I war eine als Wohnsiedlung getarnte Bunkeranlage. Nach der Nutzung durch das Oberkommando des Deutschen Heeres wurde der Komplex von der Roten Armee gesprengt.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Umschau | 10. September 2019 | 20:15 Uhr