Ein Mann sitzt an der Bar.
Alkohol bleibt die Nummer eins bei Suchtmitteln in Deutschland. Bildrechte: dpa

Jahresbericht Sucht Deutsche trinken jährlich eine Badewanne voll alkoholischer Getränke

Die Deutschen trinken weniger Alkohol und rauchen weniger Zigaretten. Suchtexperten sehen darin aber keinen Grund zur Entwarnung. Zudem kritisieren sie ein hohes Sucht-Potenzial durch Online-Casinos.

Ein Mann sitzt an der Bar.
Alkohol bleibt die Nummer eins bei Suchtmitteln in Deutschland. Bildrechte: dpa

Der Alkoholkonsum in Deutschland ist leicht gesunken, alkoholische Getränke bleibben aber die Nummer eins bei den Suchtmitteln. Das geht aus dem "Jahrbuch Sucht" hervor, das die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen vorgestellt hat.

Danach gab es im Jahr 2017 einen Pro-Kopf-Verbrauch von rund 131 Litern Alkoholika. Das sind knapp drei Liter weniger gewesen als 2016. Nach Angaben der Hauptstelle für Suchtfragen kann aber keine Entwarnung gegeben werden. Die stellvertretende Geschäftsführerin Christina Rummel sagte, 131 Liter entsprächen einer ganzen Badewanne voller alkoholischer Getränke.

Rummel betonte, die Gesellschaft sei sehr alkoholaffin. Zu trinken sei der Normalfall, alkoholische Getränke seien überall präsent. Dabei schadeten schon geringe Mengen.

Die Suchtexperten fordern deshalb, Werbung für Alkohol einzuschränken und die Preise anzuheben, um den Konsum einzudämmen. Für junge Menschen unter 18 Jahren sollte Alkohol verboten werden. Dem Sucht-Bericht zufolge sterben rund 74.000 Menschen jährlich an den Folgen ihres Alkoholkonsums oder dem kombinierten Konsum von Alkohol und Tabak.

Raucher steigen um

Ein großes Problem sieht die Hauptstelle für Suchtfragen auch beim Tabak. Ihrem Bericht zufolge ist zwar der Konsum von Zigaretten im Jahr 2018 im Vergleich zum Vorjahr um knapp zwei Prozent gesunken. Dafür griffen aber mehr Raucher als früher zu Zigarren, Zigarillos und Pfeife.

Viele Deutsche medikamentensüchtig

Verschiedene Pillen und Tabletten liegen auf einem Teller.
Schätzungen zufolge sind mehr als eine Million Menschen in Deutschland tablettensüchtig. Bildrechte: dpa

Der Bericht der Suchtexperten geht auch auf die Abhängigkeit von Arzneimitteln ein. Danach sind Schätzungen zufolge nach wie vor 1,2 bis 1,5 Millionen Menschen abhängig von Schlafmitteln und beruhigenden Medikamenten etwa bei Angstzuständen und Depressionen.

Hohes Suchtrisiko durch Online-Casinos

Ein besonders hohes Suchtrisiko besteht den Experten zufolge beim Glücksspiel in Online-Casinos. Sie seien rund um die Uhr verfügbar, unauffällig erreichbar und böten unkomplizierte Methoden, um Geld einzuzahlen.

Die Experten kritisieren in diesem Zusammenhang, dass bereits existierende Werbeeinschränkungen von den Glücksspielanbietern und von großen Teilen der Medien ignoriert würden. Die Hauptstelle für Suchtfragen fordert ein Verbot der Werbung und eine strengere Regulierung des Marktes. Zudem müsse die Glücksspielaufsicht personell und technisch verstärkt werden. Sie sei der Aufgabe derzeit nicht gewachsen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. April 2019 | 13:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. April 2019, 13:51 Uhr

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11 Kommentare

18.04.2019 13:34 Ureinwohner 11

Hauptstelle für Suchtfragen präziser: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. .Ständig erklären uns eingetragene Vereine was wir tun und lassen sollten.Noch Beispiele gefällig ? Deutsche Umwelthilfe e.V.,Foodwatch e. V., Germanwatch e.V. alle leben überwiegend von Steuergeldern . Haben wir dafür nicht eigentlich Fachministerien ? Was machen die?

17.04.2019 20:35 Dh 10

@normalo ihr Kommentar scheint auch davon zu zeugen. Mit welchem Recht diffamieren Sie bestimmte Teile der Bevölkerung? Vielleicht sollten Sie auch mal über einen anderen Username nachdenken. Normal scheint mir das nicht sein. Wenn ich was verachte, ist das eine selbstgefällige, ignorante Aroganz. Es soll übrigens auch helfen, wen man selbst die Dosis etwas reduziert

17.04.2019 19:31 na so was 9

Da kann man denen gratulieren, die in weiser Voraussicht in ihrem Badezimmer eine Wanne und eine Dusche haben einbauen lassen. Erst trinken sie den Alkohol aus der Wanne und dann duschen sie solange, bis sie wieder nüchtern sind. Wer hat bei wem so eine Umfrage gestartet ? Und wieviel von den Befragten konnten genau sagen, wieviel sie getrunken haben. Wird jetzt nicht mehr in Gläsern, Flaschen gezählt, sondern nach Badewannenfüllungen ? Man lernt nie aus, immer kommt wieder was neues dazu ! Prost Gemeinde !

17.04.2019 19:18 REXt 8

War das nicht zum Ende der DDR genau so? Scheinbar können manchen die BRD nur noch im Suff ertragen!

17.04.2019 16:49 Normalo 7

Nun wundern uns die Pegisten, Bernd-Anhänger und Reichsbürger nicht mehr :)

17.04.2019 16:39 Fragender Rentner 6

Na mei, denkt doch mal daran, wielviel Steuern der Staat so bekommt. :-)

17.04.2019 15:44 Erik 5

Ich hatte mich vertippt, entschuldigen Sie bitte. 134l/Jahr sind jeden Tag ein halber Liter 40%er Schnaps bzw. über sieben Bier täglich.

Das klingt ja noch plausibel!

17.04.2019 15:40 Erik 4

Die 131 Liter sollten dringend geändert werden. Daß hieße, daß der Durchschnittsdeutsche inkl. Babys und alkoholabstinenten Neubürgern mehr als eine Flasche Schnaps am Tag trinkt. Oder etwa 18 Flaschen Bier täglich.

17.04.2019 15:17 Dh 3

Viele Menschen können halt ihr Leben nur noch im Suff oder unter Drogen ertragen. Wen stört es? Ich denke,dass jeder selbst wissen muss, ob und warum er zu Flasche greift. Die Menschen haben schon immer getrunken und werden das auch künftig. Trotz doofer Studien und klugscheissender Experten. Also verderbt den Menschen nicht eins der wenigen Vergnügen. Das Rauchen wurde uns ja schon so ziemlich vermiest.

17.04.2019 14:53 Barthel Wenzel 2

Der deutsche Durchschnittsbürger trinkt vielleicht 100 l Bier pro Kopf und Jahr, niemals aber 131 l Alkohol.