Corona-Krise Kinder- und Jugendarbeit drohen massive Kürzungen

Lydia Jakobi, Autorin und Reporterin
Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

Die Corona-Krise belastet die öffentlichen Kassen. Bund, Land und Kommunen brechen Steuereinnahmen in Rekordhöhe weg, gleichzeitig steigen die Ausgaben für Hilfspakete und Sozialleistungen. Nun wird sichtbar, wer zu den ersten Leidtragenden gehören könnte: die Kinder- und Jugendarbeit, die ohnehin seit Langem unterfinanziert ist. Die Träger befürchten eine massive Kürzungswelle – erste Anzeichen dafür gibt es bereits.

Am Ufer der Mulde, hinter den Backsteinmauern der alten Grimmaer Spitzenfabrik, befindet sich seit 2013 das Dorf der Jugend. Ein Projekt mit bundesweiter Strahlkraft. Das Gelände wird von den Jugendlichen selbst gestaltet. Sie können hier skaten, Konzerte organisieren oder im Container-Café helfen. Sozialarbeiterin Carolyn Reg'n steht ihnen zur Seite.

Doch wegen der Corona-Krise kippelt ihre Stelle: "Ich betrachte die Stelle der sozialen Arbeit im Projekt als gefährdet aufgrund der Info, dass die Haushaltslage ziemlich knapp ist. Und gefährdet bedeutet, dass ab 01.01.2021 diese Stelle auf wackligen Beinen stehen wird. Also es ist unklar, ob es finanziert wird."

Kein Einzelfall

Auch in Dresden drohen der Jugendarbeit massive Einschnitte. Für den kommenden Doppelhaushalt sind Kürzungen von mehr als fünf Millionen Euro im Gespräch. Der Linken-Politiker Tilo Kießling ist Mitglied im Jugendhilfeausschuss und erklärt, was das bedeuten würde: "Wenn das eintrifft, wären über 40 Stellen in der Kinder- und Jugendhilfe gefährdet. Wir müssten also 20 Jugendhäuser schließen. Bei uns ist eine Einrichtung mit zwei Stellen besetzt und das wäre ein erheblicher Einschnitt, der kaum zu verkraften ist."

Dagegen macht die Initiative "Jugendarbeit sichern" mobil – zuletzt etwa mit einer Kundgebung in Dresden. Ob die Kürzungen tatsächlich kommen, wird sich aber erst in den nächsten Wochen bei den Haushaltsverhandlungen entscheiden.

Kürzungen befürchtet

Das gilt für viele Projekte der Jugendarbeit, erklärt Mandy Wiesner, Geschäftskoordinatorin beim Verein Sächsische Landjugend. "Jugendarbeit steht natürlich nicht an erster Stelle. Hinzu kommt einfach, dass die jedes Jahr ihre Anträge neu stellen müssen und meistens auch erst im laufenden Jahr die Bewilligung oder Absage bekommen. Und es gab ja schon öfter mal wie 2010 die Situation, dass bei der Jugendarbeit zuerst gekürzt wird."

Damals lag es an den Auswirkungen der Finanzkrise. Dabei ist die Jugendarbeit in Sachsen ohnehin unterfinanziert. Gab es 2002 noch mehr als 2.100 Mitarbeiter in Jugendhäusern und mobilen Angeboten, waren es 2016 nur noch knapp 1.200.

Georg Grohmann, Bildungsreferent beim Landesarbeitskreis Mobile Jugendarbeit, befürchtet nun ähnliche Einschnitte wie zuletzt vor zehn Jahren: "Ich könnte mir vorstellen, dass die finanziellen Folgen tatsächlich gravierender sind als 2008, 2009, 2010. Auch dazu gehört, dass die Situation in den einzelnen Kommunen natürlich auch nicht zum Besten gestellt ist, was die Finanzen angeht. Ich würde dort auch ungern immer den Buhmann hinschieben, weil das Geld natürlich auch irgendwie vorhanden sein muss."

Folgen für die Jugendarbeit 

Trotzdem: Die Folgen einer neuen Kürzungswelle wären fatal. "Das lässt sich ja tatsächlich belegen, wenn Einsparungen bei der Jugendarbeit stattfinden, wenn Projekte nicht mehr vorgehalten werden, dass dann die Ausgaben für Hilfen zur Erziehung steigen. Das ist ja etwas, womit die Landkreise regelmäßig zu kämpfen haben, dass da die Kosten explodieren."

Sachsens Sozialministerin Petra Köpping will Projekte der Jugendarbeit deshalb künftig für mindestens fünf statt wie bisher häufig nur für ein Jahr verbindlich fördern.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. September 2020 | 08:05 Uhr

4 Kommentare

Lisa vor 7 Tagen

Das ist ja nicht zu fassen was sich die SPD hier wieder leistet.
Herr Scholz (SPD) will hunderte Milliarden an die EU überweisen und in Deutschland wird das Geld gekürzt für die Kinder und Jugend Arbeit?
🤮😳😬

Maria A. vor 6 Tagen

Habe eben geschmunzelt. Ja, das tut auch mal gut bei den miesen Nachrichten, die seit Monaten tagtäglich auf uns "nieder prasseln"... MfG

winfried vor 6 Tagen

>>Kinder- und Jugendarbeit drohen massive Kürzungen<< ...
... da sollen es wenigstens die 100 - 150 Moria-Kinder besser bekommen.