Kind stirbt in Brunnenschacht Kein Prozess: Einigung im Fall Julen

Es war eine Rettungsaktion, die die Welt in Atem hielt. Dennoch konnte ein kleiner Junge, der vor einem Jahr im spanischen Totalán in einen illegalen Brunnenschacht gefallen war, nur tot geborgen werden. Jetzt sollte der Prozess gegen den für das Bohrloch Verantwortlichen eröffnet werden - und wurde in letzter Minute abgesagt. Die Eltern und der Besitzer des Grundstücks konnten sich außergerichtlich einigen.

Im Fall des in einem Brunnenschacht verstorbenen Kleinkindes Julen wird der Prozess in Spanien in letzter Minute abgesagt. Einen Tag vor dem geplanten Prozessbeginn gegen den Finca-Besitzer, auf dessen Grundstück in Andalusien das Unglück vor einem Jahr passiert war, haben sich Anklage und Verteidigung offenbar außergerichtlich geeinigt.

Beschuldigter akzeptiert Strafen

Der beschuldigte Finca-Besitzer habe sich bereiterklärt, den Vorwurf der fahrlässigen Tötung wegen schwerer Nachlässigkeit sowie eine Haftstrafe von einem Jahr zu akzeptieren. Das meldet die Nachrichtenagentur Europa Press unter Berufung auf Justizquellen. Außerdem werde der Mann den Eltern eine Entschädigung zahlen.

Ins Gefängnis muss der Beschuldigte voraussichtlich nicht: In Spanien werden Haftstrafen von bis zu zwei Jahren bei nicht vorbestraften Angeklagten so gut wie immer zur Bewährung ausgesetzt. Zeitungen sprechen von einer "unerwarteten Wende im Fall Julen". Die Einigung muss noch seitens des Gerichts abgesegnet werden.

Staatsanwaltschaft forderte drei Jahre Haft

Eigentlich sollte das Verfahren am 21. Januar 2020 in Málaga starten. Etwa 50 Zeugen sollten in dem Fall befragt werden. Die Staatsanwaltschaft hatte geplant, drei Jahre Haft zu fordern. Der Finca-Besitzer hatte das Loch auf der Suche nach Wasser illegal ausgehoben, was in Spanien keine Seltenheit ist. Laut Anklage soll er der einzige gewesen sein, der von der Existenz des Brunnens wusste. Dennoch habe er es versäumt, das Loch abzudecken oder zu sichern.

Dramatische Rettungsversuche

Der zweijährige Junge war im Januar 2019 in der Nähe von Málaga in ein tiefes und extrem enges Bohrloch gestürzt. Die Rettungsversuche hatten fast zwei Wochen lang für internationale Schlagzeilen gesorgt. Mittels eines eigens gebohrten Parallelschachtes hatten sich die Rettungsteams schließlich am 26. Januar mühsam zu dem in 70 Meter Tiefe feststeckenden Kind vorgekämpft. Die Autopsie ergab, dass Julen schon kurz nach dem Sturz an seinen schweren Kopfverletzungen gestorben war.

Beisetzung des verunglückten Julen in Totalan
Am 27. Januar 2019 wird der kleine Julen beigesetzt. Bildrechte: imago/ZUMA Press

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 20. Januar 2020 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Januar 2020, 17:58 Uhr

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