Wetterveränderungen Überleben für Jungbäume wird immer schwieriger

Unser Hörer Hubert Jänsch wohnt in Jessen, im äußersten Osten von Sachsen-Anhalt. Ihm machen die jungen Bäume Sorgen, die im letzten Jahr an den Straßen hinüber nach Wittenberg bzw. Annaburg angepflanzt worden sind. Er möchte wissen, warum die erst im letzten Jahr gepflanzten Bäume schon wieder sehr trocken sind oder Laub verlieren.

von Frank Ludwig, MDR AKTUELL

Jungbäume an der Straße von Jessen nach Wittenberg und Annaburg
Diese Bäume wurden erst im vergangenen Jahr an einer Straße von Jessen nach Wittenberg und Annaburg gepflanzt, sind aber schon wieder sehr trocken. Bildrechte: Hubert Jänsch

Insgesamt 50 junge Bäume hatte die zuständige Straßenmeisterei Jessen im vergangenen Jahr längs der beiden Straßen nach Wittenberg und Annburg gepflanzt – mit einer Robinien-Art, die nicht nur als wärmeverträglich gilt, sondern auch mit wenig Wasser zurechtkommen soll.

Die meisten der Bäumchen haben inzwischen nicht einfach nur braunes oder gar kein Laub - sie sind abgestorben. Zu wenig gegossen wurde allerdings nicht. Der Schaden sei schon entstanden, noch ehe die kleinen Robinien überhaupt gepflanzt wurden, sagt Esther Urmersbach, Fachbereichsleiterin Landschaftspflege der Landesstraßenbaubehörde von Sachsen-Anhalt.

Wenn Bäume in einer Baumschule für eine Pflanzung vorbereitet werden, würden sie meist in einem Kühlhaus zwischengelagert und dann ausgeliefert, erklärt Urmersbach. Die Baumschule sei zu dem Schluss gekommen, dass die Bäume zu lange im Kühlhaus gelegen haben und im Kühlhaus erfroren sind.

Gießen, gießen, gießen

Die Baumschule wird deshalb auf eigene Kosten im Herbst die toten Bäume entfernen und neue anpflanzen. Ob die dann freilich Wurzeln schlagen werden, steht auf einem anderen Blatt. Denn Hitze und Trockenheit machen vor allem jungen Bäumen schwer zu schaffen. Neuanpflanzungen werden immer komplizierter und teurer.

Und deshalb kümmern sich Straßenmeistereien wie die von Jessen zunehmend mehr auch um ihren alten Baumbestand. Auch beim Gießen, sagt der Baumwart der Straßenmeisterei, Sebastian Reinhardt.

Wir müssen jetzt extrem viel gießen, fangen schon im März an und gießen bis in den Oktober, um den Jungbäumen den Anwuchs zu gewährleisten.

Sebstian Reinhardt, Baumwart der Straßenmeisterei Jessen

Gleichzeitig müsse man sich aber auch um die älteren Bäume kümmern, um Trockenschäden oder das Entstehen von Totholz zu vermeiden, sagt Reinhardt. Denn so könnten Bäume zum Risiko für die Verkehrssicherheit werden - weil Äste abbrechen und auf die Fahrbahn fallen könnten. Bäume, die dann entfernt werden müssten. Auch nach neuen Baumarten sehe man sich um, Exoten, die vielleicht besser Wärme und Trockenheit standhielten.

Nicht so einfach, neue Arten anzupflanzen

Im Botanischen Garten der Universität Halle/Wittenberg gibt es eine große Auswahl solch fremdländischer Gehölze. Der Geobotaniker Professor Helge Bruehlheide, Herr über dieses Gartenparadies, dämpft allerdings die Euphorie.

Gesellschaftlich gebe es die Annahme, dass sich die Klimazonen "einfach verschieben" und "wir die Palmen, Steineichen und Ölbäume aus dem Mittelmeerraum bekommen", sagt Bruehlheide. Das sei aber mitnichten so einfach. Denn all diese Bäume seien nicht frost-resistent. So lange es also in Deutschland noch richtig kalte Winter gebe, könne man diese Bäume gar nicht anpflanzen, erklärt Bruehlheide.

Alte Bäume pflegen

Außerdem stehe es trotz der Wetterkapriolen nicht so schlecht um unsere Alleen, auch weil die Straßenbäume, anders als die Bäume im Wald, ausgesprochen pflegeleicht seien, wie der Geobotaniker erklärt.

Man kommt an die Bäume dran, kann sie mit Wasser versorgen, Totholz rausschneiden, und den Bäumen damit tatsächlich helfen und sie gesund halten.

Professor Helge Bruehlheide, Geobotaniker an der Universität Halle/Wittenberg

Und das sollte unbedingt getan werden. Denn je schwieriger es wegen des Wetters werden wird, junge Bäume anzupflanzen, umso wichtiger wird es, die alten Bäume zu pflegen. In der Straßenmeisterei von Jessen ist diese Botschaft schon angekommen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 04. September 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. September 2019, 05:00 Uhr

2 Kommentare

Critica vor 24 Wochen

Das ist nicht nur in Sachsen-Anhalt oder Sachsen so, sondern auch in anderen Bundesländern. An sich wäre Hilfe hier sehr einfach: Gießen!!
Wenn Bäume nur angepflanzt, aber nicht weiter gepflegt werden, wird hier die Arbeit der Baumschullehrer :) sprichwörtlich mit Füßen getreten. Eigentum verpflichter!

Wir sind Steimle. vor 24 Wochen

Hätte man die alten Bäume nicht abgeholzt, dann könnten die Jungbäume jetzt nicht eingehen.

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