Missbrauchsvorwurf Kardinal Pell von Vorwürfen freigesprochen

In Australien ist der frühere Vatikan-Finanzchef Pell von den Vorwürfen des Kindesmissbrauchs freigesprochen worden. In einem Berufungsprozess hob das Oberste Gericht Australiens die Verurteilung des 78-Jährigen in allen Punkten auf. Die Richter gelangten zu dem Schluss, dass es keine hinreichenden Belege für die Anschuldigungen gegen Pell gibt. Der australische Kardinal war zu einer Haftstrafe von sechs Jahren verurteilt worden.

Kardinal George Pell
Kardinal George Pell ist von den Missbrauchsvorwürfen freigesprochen worden. Bildrechte: dpa

Australiens oberstes Gericht hat die Haftstrafe des früheren vatikanischen Wirtschaftsministers George Pell wegen sexuellen Missbrauchs in allen fünf Fällen aufgehoben. In der auf Twitter veröffentlichten Entscheidung heißt es, die Jury hätte aufgrund der Beweislage Zweifel an der Schuld des Angeklagten haben müssen. Die Beweislage sei zu dürftig gewesen. Die sieben Richter hatten die Entscheidung einstimmig beschlossen.

Pell sieht sich als Opfer

Der 78-jährige Pell erfuhr im Gefängnis von der Entscheidung des Gerichts. Schriftlich teilte er mit: "Ich habe stets meine Unschuld beteuert, während ich großes Unrecht erlitt." In der Vergangenheit hatte sich Pell als Opfer gesehen, das für den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche herhalten müsse.

Seine Verurteilung im Jahr 2018 für den sexuellen Missbrauch an zwei Chorknaben basierte auf der Aussage eines der mutmaßlichen Opfer. Die Tat soll sich in den 1990er-Jahren zugetragen haben. Die beiden Jungen waren damals zwölf und 13 Jahre alt. Pell bekleidete zu dieser Zeit das Amt des Erzbischofs von Melbourne.

Reaktionen zwischen Erleichterung und Schock

In den sozialen Medien sorgte der Freispruch für Empörung. Opfer hätten nun noch weniger Mut, ihre Stimme zu erheben. In manchen Kommentaren heißt es, das Konzept des begründeten Zweifels sei der beste Freund des Straftäters.

Die Australische Bischofskonferenz teilte mit, diejenigen, die während des gesamten Prozesses an die Unschuld des Kardinals geglaubt hätten, würden den Freispruch begrüßen, für andere wiederum sei die Entscheidung "verheerend".

2.500 Anschuldigungen des sexuellen Missbrauchs

Pell hatte schon vor den Anschuldigungen für Irritationen gesorgt. Als er vor der Royal Comission zu einem anderen Missbrauchsfall in der katholischen Kirche aussagen sollte, sagte er: "Eine traurige Geschichte, die mich nicht sehr interessierte."

Seit 2013 bemüht sich Australien, jahrzehntelange Missbrauchsskandale aufzudecken. Es gab mehr als 2.500 Anschuldigungen, 60.000 Überlebende können Anspruch auf Entschädigung erheben.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. April 2020 | 04:00 Uhr

1 Kommentar

Leachim-21 vor 6 Wochen

nach meiner Meinung nach wird dieses Urteil nur eins bei sehr vielen Menschen bestätigen, die Großen lässt man laufen und der kleine wird gehängt. dieses urteil wird somit alle Vorurteile gegen die Politik , der Justiz und der Kirche sowie den oberen 10.000 nur bestätigen. wer jetzt noch daran glaubt das die Justiz wirklich recht spricht wird eines besseren belehrt durch solche Urteile. sehr schade kann man da nur sagen . jedoch bei uns ist es ja genau so