"Zahnreport" Karies bei Kindern weit verbreitet

Jeder dritte Zwölfjährige hatte schon Karies und damit deutlich mehr als bislang angenommen. Betroffen sind vor allem Kinder aus einkommensschwachen Familien. Experten mahnen mehr Prävention an.

Ein Zahnarzt beseitigt Karies bei einem Jungen.
Unangenehm, aber gerade für Kinder sehr wichtig: der Zahnarztbesuch. Bildrechte: imago/Jochen Tack

Kinder in Deutschland haben offenbar häufiger Karies an ihren bleibenden Zähnen als bisher angenommen. Das geht aus einer Studie der Barmer Krankenkasse hervor. Dem "Zahnreport" zufolge wurde bereits ein Drittel der Zwölfjährigen wegen Karies behandelt. Das seien rund 240.000 Kinder. Bislang wurde davon ausgegangen, dass Karies etwa jeden Fünften betrifft - und damit 100.000 Kinder weniger.

Barmer-Chef Christoph Straub mahnte bei der Vorstellung der Zahlen: "Tatsächlich dürfte es um die Zahngesundheit noch schlechter bestellt sein, weil die Daten keine Kinder mit unbehandelter Karies erfassen."

Viele Kinder haben laut des Reports bereits an den Milchzähnen Karies. Mehr als die Hälfte der Zehnjährigen – rund 400.000 Kinder in Deutschland – hatten demnach bereits eine entsprechende Zahnbehandlung. Kassenchef Straub nannte diese Zahlen "alarmierend". Wer schon im Milchgebiss Karies habe, werde sie häufig auch im bleibenden Gebiss haben. Lediglich 38 Prozent der Zehnjährigen machten demnach bislang noch keine Erfahrung mit Bohrer oder Zange.

Ausbleibende Zahnarztbesuche

Eine Hauptursachen der schlechten Zahngesundheit sind offenbar ausbleibende Zahnarztbesuche. Der Anteil der Kinder, die über einen Zeitraum von sechs Jahren überhaupt keinen Kontakt zu einem Zahnarzt hatten, ist dem Report zufolge erstaunlich hoch. Von den 4,6 Millionen Kindern unter sechs Jahren seien 720.000 nie beim Zahnarzt gewesen. Das entspricht einem Anteil von 15 Prozent.

Einer früheren Studie der Bundeszahnärztekammer zufolge geht der Kariesbefall bei Kindern in Deutschland insgesamt zurück. Es sei allerdings eine Polarisierung in der Gesellschaft festzustellen, erklärte Barmer-Chef Straub: "Wenige Kinder und Jugendliche haben besonders viel Karies." Bei den Jugendlichen und Kindern unter 18 Jahren haben demnach zehn Prozent einen Anteil von 70 bis 90 Prozent an den Gesamtleistungen.

Zusammenhang mit Familieneinkommen

Die Daten weisen auf einen mutmaßlichen Zusammenhang zwischen dem Therapiebedarf der Heranwachsenden und dem Einkommen von Vater oder Mutter hin. Je geringer deren Einkommen sei, desto häufiger seien auch die Therapieleistungen bei Kindern und Jugendlichen. An dieser Stelle brauche es laut Barmer mehr Prävention.

Studienautor Michael Walter von der Technischen Universität Dresden verwies außerdem auf regionale Unterschiede. Die Zwölfjährigen im Saarland hätten beispielsweise am wenigsten Karies an den bleibenden Zähnen. Rund 69 Prozent von ihnen benötigten noch keine Behandlung. Schlusslicht sei dagegen Hamburg mit 60,9 Prozent. Sachsen (65,1), Sachsen-Anhalt und Thüringen (jeweils 63,1) bewegen sich den Daten zufolge im Mittelfeld. Die Ursachen dieser regionalen Unterschiede seien medizinisch noch unklar.

Die Datenbasis für den "Zahnreport" bilden Informationen zur vertragszahnärztlichen Versorgung von über neun Millionen Versicherten der Barmer.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. Mai 2020 | 11:30 Uhr

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