Corona-Kompass #99 Virologe Kekulé hält Corona-Zweitinfektion für gute Nachricht

Forscher der Universität Hongkong haben erstmals eine Wiederinfektion mit dem Coronavirus nachgewiesen. Nach Ansicht des Hallenser Virologen Kekulé ist das alles andere als eine Hiobsbotschaft, sondern im Gegenteil eine gute Nachricht.

Eine wissenschaftliche Mitarbeiterin hält Coronavirus-Testproben im Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) in der Hand.
Forscher der Uni Hongkong haben bei einem 33-Jährigen eine Wiederinfektion mit dem Coronavirus nachgewiesen (Symbolbild). Bildrechte: dpa

Der Virologe Alexander Kekulé hält es für eine gute Nachricht, dass eine Zweitinfektion mit dem Coronavirus möglich ist. Kekule sagte in seinem Podcast bei MDR AKTUELL, das Virus verhalte sich so wie erwartet. Am Anfang machten solche neuen Viren schwerere Erkrankungen: "Wenn sie eine Weile zirkulieren, dann müssen sie sich nach und nach dem Menschen und seinem Immunsystem anpassen."

Und dann passiert nach den Worten von Kekulé Folgendes: Es komme zu Viren, die ansteckender seien. Parallel dazu werde aber die Wirkung abgeschwächt. "Dieser Prozess geht wesentlich schneller als vermutet, und das ist eigentlich ein gutes Zeichen", sagte der Hallenser Virologe.

In die Zukunft blickend bedeute das: Das Virus werde nicht verschwinden. Es werde in verschiedenen Varianten weiter existieren. Der Mensch werde aber mehr und mehr immun dagegen, auch wenn es keine messbaren Antikörper gebe.

"Virus unter erheblichem Selektionsdruck"

Kekulé nannte eine in seinen Augen zweite gute Nachricht: "Dass sich das Virus so schnell verändert, bedeutet, dass es unter einem erheblichen Selektionsdruck steht." Dieser entstehe durch Personen, die bereits immun seien. Allerdings schränkte er ein, bisher wisse man noch nicht, was diese Erkenntnis für Risikogruppen bedeute. Aber mit Blick auf die Gesamtbevölkerung habe er die Hoffnung, dass das Virus schneller an Gefährlichkeit abnehme als bisher erwartet worden sei.

Das könnte der Anfang vom Ende dieser Pandemie sein.

Virologe Alexander Kekulé Podcast MDR AKTUELL

Das sei zwar Spekulation, aber "ein Virologe darf ja auch mal ein Bauchgefühl äußern".

Forscher in Hongkong weisen Wiederinfektion nach

Forscher der Universität Hongkong hatten am Montag mitgeteilt, dass sie weltweit erstmals eine Zweitinfektion mit einem Coronavirus nachgewiesen hätten. Ein 33-jähriger Mann hatte sich zunächst infiziert und war mit leichten Symptomen im Krankenhaus in Hongkong behandelt worden. Nach zwei negativen Tests wurde er als geheilt entlassen. Etwa drei Monate nach seiner Infektion reiste er nach Spanien und wurde nach seiner Rückreise erneut positiv getestet. Dabei zeigte er keinerlei Symptome einer Infektion.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. August 2020 | 18:00 Uhr