Entscheidung Knorr benennt "Zigeunersauce" um

Zum Grillen im Sommer gehört sie für viele Menschen dazu: die "Zigeunersauce". Der Hersteller Knorr reagiert jetzt auf die seit Wochen anhaltende Rassismusdebatte und gibt der Sauce einen neuen Namen. Der Zentralrat der Deutschen Sinti und Roma reagiert positiv, weist aber zugleich auf ein größeres Rassismusproblem hin.

Ein Mann hält eine Flasche «Zigeunersauce» des Herrstellers Knorr in der Hand.
Von Knorr wird es künftig keine Zigeunersauce mehr geben. Bildrechte: dpa

Der Lebensmittelhersteller Knorr benennt seien "Zigeunersauce" um und reagiert damit auf die aktuelle Rassismusdebatte. Der Mutterkonzern Unilever teilte auf Anfrage der "Bild am Sonntag" mit, der Begriff "Zigeunersauce" könne negativ interpretiert werden. Deshalb habe man sich entschieden, der Sauce einen anderen Namen zu geben. In absehbarer Zeit finde man das Produkt als "Paprikasauce Ungarische Art" in den Regalen der Lebensmittelhändler.

Den Begriff "Zigeunersauce" im Bereich der Küche gibt es seit mehr als 100 Jahren. Im Nachschlagewerk für die klassische Küche von Escoffier ist er schon 1903 zu finden. "Zigeunersauce" bezeichnet eine würzige, scharfe Sauce mit stückigen Einlagen. Die Sauce wird heute in der Regel aus Tomaten hergestellt, häufig mit Paprika, Zwiebeln, Essig und Gewürzen. Die Diskussion über den Produktnamen "Zigeunersauce" wird schon seit Jahren geführt. 2013 hatte Knorr eine Umbenennung noch abgelehnt.

Zentralrat spricht von guter Entscheidung

Der Zentralrat der Deutschen Sinti und Roma begrüßte die Entscheidung. Der Vorsitzende Romani Rose sagte, es sei gut, dass Knorr auf die Beschwerden vieler Menschen reagiere. Für den Zentralrat hätten aber eine Umbenennung von "Zigeunerschnitzel" oder "Zigeunersauce" nicht die oberste Dringlichkeit. Es sei viel wichtiger dagegen vorzugehen, wenn etwa in Fußballstadien die Begriffe Zigeuner oder Jude mit offen beleidigender Absicht skandiert würden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. August 2020 | 11:15 Uhr