Angriff auf Zufallsopfer "Er schlug wahllos auf mich ein"

In Magdeburg ist eine junge Frau morgens von einem Unbekannten beleidigt, angegriffen und verletzt worden. Ein couragierter Helfer verhinderte Schlimmeres. Nun fahndet die Polizei mit einem Phantombild nach dem Täter. "Kripo live" hat das Geschehen rekonstruiert und mit der angegriffenen Frau gesprochen.

Geballte Fäuste
Die Polizei steht vor der schwierigen Aufgabe, einen Angreifer zu ermitteln, der offenbar wahhlos auf ein ihm unbekanntes Opfer eingeprügelt hat. Bildrechte: imago images / vmd-images

Das Opfer berichtet über die Tat

9. Oktober, 8.00 Uhr in Magdeburg. Für einen Zahnarztbesuch ist eine Frau auf dem Weg zur Straßenbahn-Haltestelle, als sie von hinten ein ihr unbekannter Mann beschimpft: "Ihr Scheiß Frauen, ihr müsst alle weg!" Bereits das sorgt bei der Fußgängerin für Angst. Doch dabei bleibt es nicht: Der Mann reißt sie zu Boden und schlägt auf sie ein. In diesem Moment weiß die 33-Jährige nicht, ob sie sich beim Fallen mit den Händen vor dem Aufprall auf den Beton schützen soll oder ob sie die Hände zum Schutz ihres Kopfes vor den Schlägen des Mannes einsetzen soll. "Er schlug wahllos auf mich ein", erzählt die Frau im "Kripo live"-Interview.

Wartehäuschen der Straßenbahnhaltestelle "Zollhaus" in Magdeburg
Der Tatort: die Straßenbahnhaltestelle "Zollhaus" in Magdeburg. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Helfer zieht Angreifer weg

Da der Täter noch nicht gefasst ist, möchte die Angegriffene nicht, dass ihr Name genannt wird. Sie habe gehofft, dass es so schnell wie möglich aufhört, erzählt sie. Zu ihrem Glück griff ein junger Mann in die Situation ein, der an der Haltestelle auf die Straßenbahn wartete. Ihn hatte die Frau zuvor an der Schulter angetippt, um ihn auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Doch durch seine Kopfhörer bemerkte er den taktilen Hilferuf offenbar zunächst nicht.

Dem Helfer gelingt es, den Angreifer von der Frau wegzuzerren. "Als ich keine Schläge mehr gespürt habe, stand ich sehr unter Schock", berichtet die 33-Jährige. Dennoch konnte sie sich in Sicherheit bringen. Der Helfer sorgte dafür, dass der Täter von der Frau abließ, dazu drängte er ihn in die zwischenzeitlich eingetroffene Straßenbahn.

Fahndung mit Personenbeschreibung

Ereignet hatte sich der Angriff in Magdeburg-Werder an der Haltestelle "Zollhaus" am 9. Oktober 2020 gegen 8 Uhr am Morgen. Nun sucht die Polizei den noch unbekannten Täter wegen vorsätzlicher Körperverletzung. Dazu haben die Beamten diese Personenbeschreibung veröffentlicht:

  • 30 bis 40 Jahre
  • ca. 1,80 m groß
  • schlanke Statur
  • mitteleuropäischer Phänotyp
  • dunkle wellige Haare
  • Oberlippenbart
  • dunkelblaue Jacke
  • dunkelblaue Hose
  • ungepflegtes Erscheinungsbild

Die Ermittler seien verschiedenen Ansätzen nachgegangen, erklärt Heidi von Hoff von der Polizeiinspektion Magdeburg. "Unter anderem wurde versucht, das Überwachungsvideo aus der Straßenbahn auszuwerten, was leider keinen Erfolg hatte", so die Polizeikommissarin. Umso wichtiger sei es, dass sich Zeugen meldeten, die vielleicht in der Straßenbahn saßen und auf den gesuchten Mann aufmerksam geworden sind.

Zeugenaufruf Die Polizei bittet Zeugen der Tat, insbesondere den Helfer, sich unter der Telefonnummer 0391 / 546 3295 zu melden.

Rat für Betroffene: auf sich aufmerksam machen

Die 33-Jährige hat bei dem Angriff mehrere Verletzungen erlitten: Prellungen an Schulter und Hüfte, einen verrenkten Fuß sowie einen verstauchten Finger. Die Situation sei für die Frau gefährlich gewesen, sagt Kommissarin von Hoff. "Nur durch Einschreiten des couragierten Zeugen hat der Täter von ihr abgelassen. Man weiß nicht, was noch passiert wäre." In solchen Fällen sei es immer wichtig, auf sich aufmerksam zu machen, beispielsweise durch Hilferufe oder jemanden direkt anzusprechen und zu bitten, die Polizei zu rufen, rät von Hoff.

Polizeikommissarin Heidi von Hoff im Interview
Polizeikommissarin Heidi von Hoff Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Für die Angegriffene ist es ein großes Anliegen, dass der Täter ermittelt wird. Gleichzeitig weiß sie es zu schätzen, dass ihr Helfer Mut bewies: "Ich bin auf jeden Fall sehr dankbar, dass mir geholfen worden ist, denn sonst hätte der Mann wie im Wahn weiter auf mich eingeschlagen." Dann, so die Frau, wäre sicherlich noch Schlimmeres passiert.

Hier befindet sich der Tatort in Magdeburg

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Kripo Live | 17. Januar 2021 | 19:50 Uhr