Studie Krankenhausessen so schlecht wie sein Ruf

Krankenhäuser geben immer weniger für die Verpflegung ihrer Patienten aus. Die Folgen sind Jahrzehnte alte Küchen und Gerichte, denen es an Vitaminen und Nährstoffen mangelt und die zu viel Salz enthalten.

An einem Fließband füllen die Mitarbeiter einer Krankenhaus-Küche das Essen für die Patienten auf.
Nur noch 65 Prozent der Krankenhäuser betreiben eine eigene Küche – und die sind häufig sehr alt. Bildrechte: dpa

Krankenhausessen hat in Deutschland nicht zu Unrecht einen schlechten Ruf. Das geht aus einer Untersuchung des Deutschen Krankenhaus-Instituts hervor. Vorstand Karl Blum sagte der ARD, das liege unter anderem daran, dass an dem Essen besonders gespart werde.

Krankenhausküchen im Durchschnitt 29 Jahre alt

So hätten Krankenhäuser 2018 im Schnitt 3,84 Euro pro Tag und Patient ausgegeben. 2005 seien es noch knapp 4,50 Euro gewesen. Damit sanken die Ausgaben um gut 9 Prozent – während die Kosten für Lebensmittel und Personal aber stiegen.

Die schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen der Krankenhäuser treffen die Küchen besonders hart.

Karl Blum, Vorstand Deutsches Krankenhaus-Institut

Zudem seien viele Krankenhausküchen veraltet. Im Durchschnitt sind die Küchen in Kliniken 29 Jahre alt. Dennoch plant lediglich ein Drittel der Kliniken, in den kommenden Jahren zu investieren. Die Küchen stünden nicht an erster Stelle der Prioritäten, erläutert Blum.

Zu wenig Nährstoffe, zu viel Salz

Es gebe, so das Ergebnis der Untersuchung, keine einheitlichen Standards für Krankenhaus-Essen, Qualitätsprüfungen fänden nur selten statt. Zudem gehe der Trend hin zu Großküchen, die mehrere Kliniken beliefern würden. Häufig handelt es sich um Tiefkühlkost. Der Trend zur Großküche habe sich zwar nicht so stark fortgesetzt wie erwartet, dennoch würden nur noch 65 Prozent der Krankenhäuser würden eigene Küchen betreiben. 2005 waren es noch 80 Prozent.

Die Folgen sind für die Patienten nicht nur im Geschmack zu bemerken. Stichproben des ARD-Mittagsmagazins in einem Berliner Krankenhaus wurden im Labor untersucht. Dabei kam heraus, dass Patienten nicht das Essen bekommen, was ihr Körper bräuchte. Vitamine und andere Nährstoffe waren nicht ausreichend vorhanden, der Salzgehalt viel zu hoch.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. Januar 2020 | 10:30 Uhr