Ein Monitor zeigt die Mammographie einer Patientin, die im Hintergrund zu sehen ist.
Brustkrebs könnte auf Grundlage von Biomarkern zukünftig wesentlich besser erkannt werden. Ein erstes Biomarker-Verfahren soll jetzt zur Kassenleistung werden. Bildrechte: IMAGO

Gesetzliche Krankenkassen Biomarker-Test soll Behandlung bei Brustkrebs verbessern

Tausende Frauen mit Brustkrebs im Frühstadium sollen künftig mithilfe eines Biomarker-Tests besser behandelt werden. Der Gemeinsame Bundesausschuss von Kassenärzten und gesetzlichen Krankenkassen beschloss am Donnerstag, die Tests zur Kassenleistung zu machen. Das Gesundheitsministerium muss den Beschluss nun prüfen.

Ein Monitor zeigt die Mammographie einer Patientin, die im Hintergrund zu sehen ist.
Brustkrebs könnte auf Grundlage von Biomarkern zukünftig wesentlich besser erkannt werden. Ein erstes Biomarker-Verfahren soll jetzt zur Kassenleistung werden. Bildrechte: IMAGO

Patientinnen mit Brustkrebs im Frühstadium sollen künftig einen Biomarker-Test als Leistung der gesetzlichen Krankenkassen in Anspruch nehmen können. Einen entsprechenden Beschluss fasste am Donnerstag der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), in dem Kassenärzte und gesetzliche Krankenkassen Empfehlungen erarbeiten. Der Test könne bei der Entscheidung helfen, ob eine Chemotherapie nach einer Operation sinnvoll ist. Die Entscheidung könnte in Deutschland schätzungsweise 20.000 Frauen pro Jahr betreffen.

Der Beschluss muss nun vom Bundesministerium für Gesundheit geprüft werden und tritt erst in Kraft, wenn er nicht beanstandet wurde und im Bundesanzeiger erschienen ist. Der Einsatz wird aber erst dann eine vertragsärztliche Leistung, wenn der Bewertungsausschuss über die Höhe der ärztlichen Vergütung entschieden hat. Diese Prozesse dürften voraussichtlich einige Monate in Anspruch nehmen.

Hilfe für 20.000 Frauen

Jährlich erkranken in Deutschland etwa 70.000 Frauen neu an Brustkrebs. Bei Patientinnen mit frühem Brustkrebs kann der Tumor oft durch eine Operation vollständig entfernt werden. Häufig folgt zusätzlich eine Strahlentherapie. Um eine Rückkehr der Erkrankung zu verhindern, ist anschließend mitunter eine Chemotherapie notwendig.

Bei schätzungsweise 20.000 Frauen jährlich können Ärzte aufgrund der klinisch-pathologischen Kriterien jedoch keine klare Empfehlung für oder gegen eine Chemotherapie geben. In diesen Fällen könnte der Biomarker-Test zum Einsatz kommen.

Weitere Biomarker-Tests werden geprüft

Der G-BA-Beschluss betrifft den Biomarker-Test Oncotype DX Breast Recurrence Score der Firma Genomic Health, der die Aktivität verschiedener Gene in Krebszellen untersucht und daraus das Risiko für eine Rückkehr des Tumors ableitet. Zusätzlich müssen Patientinnen verpflichtend Informationen erhalten, die etwa von der G-BA-Website heruntergeladen werden können. Der Brustkrebstest wird mit Gewebe durchgeführt, das bereits während einer Biopsie oder einer Brustkrebsoperation entnommen wurde.

Eine Sprecherin von Genomic Health erklärte MDR AKTUELL auf Anfrage, der Test koste aktuell 3.296 Euro. Nach der Entscheidung, ob der Test übernommen wird, werde dann aber neu über den Preis verhandelt. Dann dürfte der Preis wegen der höheren Produktionsmengen sinken.

G-BA will weitere Testverfahren bewerten

"Der nun getroffene Beschluss umfasst den Einsatz eines Biomarker-Tests bei Patientinnen mit einem Tumor, der bestimmte Eigenschaften, nämlich Empfindlichkeit für Hormone wie Östrogen und Progesteron und keinen nachgewiesenen Wachstumsrezeptor, aufweist", heißt es in einer Mitteilung des G-BA. Ausreichende Erkenntnisse zur Aussagesicherheit des Tests bestünden aufgrund der Studienlage bisher für Patientinnen ohne Befall der Lymphknoten.

Der G-BA kündigte an, weitere Testverfahren zu bewerten und gegebenenfalls auch für andere Gruppen von Patientinnen zu empfehlen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. Juni 2019 | 14:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Juni 2019, 05:02 Uhr