Jubiläum 30 Jahre "Kripo live" - Fernsehfahndung zu 8.000 ungelösten Kriminalfällen

Seit 1990 wird in "Kripo live" von der Polizei öffentlich nach Verbrechern gefahndet - und das mit Erfolg. Redaktionsleiter Achim Schöbel schätzt, dass dadurch pro Monat ein bis zwei Fälle aufgekärt werden konnten. In einer 90-minütigen Sondersendung am 4. Juni sind noch einmal die spektakulärsten Kriminalfälle aus den letzten 30 Jahren zu sehen.

Derschau wird Ehren-Kriminalhauptkommissarin der Sächsischen Polizei
Birgit von Derschau wurde 2011 ernannt zur Ehren-Kriminalhauptkommissarin der Sächsischen Polizei. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Rund eine Million Zuschauer schalten derzeit Woche für Woche in Mitteldeutschland sonntags um 19:50 Uhr "Kripo live" ein. Die Geburtsstunde des Dauerbrenners war am 19. Mai 1990. Da lief das Format zum ersten Mal beim Deutschen Fernsehfunk (DFF) über den Äther.

1992 übernahm der neu gegründete MDR das Format, dessen Idee und Konzept von der Journalistin Birgit von Derschau und dem Regisseur Guntram Groß stammten. Seither ist die Sendung eine der meistgesehenen im MDR und kann auf bisher 1.474 Ausgaben mit insgesamt rund 36.500 Sendeminuten zurückblicken.

Nachgestellte Szenen an Originalschauplätzen

Rund 8.000 ungelöste Fälle konnten so in den letzten 30 Jahren über die öffentliche Fernsehfahndung einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden.

Birgit von Derschau und Axel Bulthaupt
Birgit von Derschau moderierte "Kripo Live" bis 2013, danach übernahm Axel Bulthaupt. Bildrechte: MDR/Hagen Wolf

Um das Geschehen möglichst detailgetreu darzustellen, wird dafür auch an Originalschauplätzen mit Statisten die Szenerie nachgestellt. "Das machen wir, damit sich Zeugen erinnern können. Diesen Aha-Effekt durch die authentische Darstellungen gibt es", erklärt der Leiter der MDR-Redaktion Wirtschaft und Ratgeber, Achim Schöbel. Grob geschätzt konnten durch die TV-Fahndung ein bis zwei Fälle pro Monat aufgeklärt werden.

Öffentlichkeitsfahndung erst nach richterlichem Beschluss möglich

Dass die Öffentlichkeitsfahndung hilft, Verbrechern auf die Spur zu kommen, weiß Olaf Hoppe zu schätzen. Der Sprecher der Polizeidirektion Leipzig betont aber, dass sie nur eingesetzt werden kann, wenn alle anderen Ermittlungsmöglichkeiten erfolglos geblieben seien. Dazu muss dann auch ein richterlicher Beschluss vorliegen.

Unter den bisher 8.000 vorgestellten ungelösten Kriminalfällen waren auch "heimtückische Morde, Entführungen, Verbrechensserien und Brandstiftungen", erklärt MDR-Programmdirektor Wolf-Dieter Jacobi.

Wolf-Dieter Jacobi, Programmdirektor Leipzig
MDR-Programmdirektor Wolf-Dieter Jacobi Bildrechte: MDR/Marco Prosch

"'Kripo live‘ ist eine andauernde Erfolgsgeschichte, die dank der vertrauensvollen Zusammenarbeit des 'Kripo live‘-Teams mit der Polizei und dank unserer aufmerksamen Zuschauerinnen und Zuschauer über die vielen Jahre sehr gut funktioniert, so dass die polizeilichen Ermittlungen maßgeblich unterstützt werden können", so der MDR-Programmdirektor.

30 Jahre Unterstützung der Polizeiarbeit

"Die Fahndungserfolge und Fälle, die durch die Sendung zum Aufklärungserfolg beigetragen haben, sind natürlich die größte Bestätigung für unser Team", sagt Redaktionsleiter Achim Schöbel.

Das erste Logo von Kripo Live.
So sah das 1. Logo von "Kripo Live" aus. Bildrechte: DRA

"Erst jüngst hatten Mitarbeiter einer JVA auf einem Fahndungsfoto einen ehemaligen Insassen wiedererkannt", weiß der MDR-Redaktionsleiter zu berichten. Auch habe "Kripo live" kürzlich zur Vernetzung mehrerer Dienststellen geführt, die jeweils nach einem Handy-Dieb gefahndet hätten. "Durch 'Kripo live' stellte sich heraus, dass es sich höchstwahrscheinlich um eine deutschlandweit agierende Bande handelt", erinnert sich Achim Schöbel.  

Fahndungserfolge und Fälle, die durch die Sendung zum Aufklärungserfolg beigetragen haben, sind natürlich die größte Bestätigung für unser Team.

Achim Schöbel, Leiter der MDR-Redaktion Wirtschaft und Ratgeber

"Kripo live" im Fernsehen - ein Erfolgsmodell auch für die Zukunft

Im Zeitalter der Digitalisierung geht auch die Polizei neue Wege und richtet sich unter anderem über soziale Kanäle an die Bevölkerung. "Wir haben reichweitenstarke Social-Media-Kanäle und eigene Internetseiten, die wir nutzen", so Polizeisprecher Hoppe. Eine Gefahr für "Kripo live" sieht er darin nicht. "Fernsehfahndung hat immer eine hohe Wichtigkeit. Und die Polizei wird kein Fernsehen machen", betont der Sprecher der Polizeidirektion Leipzig.

Fernsehfahndung hat immer eine hohe Wichtigkeit. Und die Polizei wird kein Fernsehen machen.

Olaf Hoppe, Sprecher der Polizeidirektion Leipzig

"Ich glaube, das Format wird ewig laufen", ist sich auch Redaktionsleiter Achim Schöbel sicher. "Twitter und Facebook sind für die Polizei gute Kanäle, um Gefahrenmeldungen abzusetzen, wie etwa beim Terroranschlag von Halle. Aber es sind eben nicht alle bei Twitter und Facebook. Ich sehe keinen Trend, dass die Polizei nicht mehr zu uns käme", blickt er entspannt in die Fernsehzukunft von "Kripo Live".

Und wer es (mal) nicht schafft, sonntags 19:50 Uhr einzuschalten, kann die Sendung sieben Tage lang in der Mediathek sehen - wann immer er will.

Ich sehe keinen Trend, dass die Polizei nicht mehr zu uns käme.

Achim Schöbel, Leiter der MDR-Redaktion Wirtschaft und Ratgeber

Sondersendung zum 30-jährigen Jubiläum

In der 90-minütigen Sondersendung zum Jubiläum "30 Jahre Kripo live" sind am 4. Juni um 20:15 Uhr im MDR Fernsehen noch einmal die spektakulärsten Kriminalfälle aus den letzten 30 Jahren zu sehen, die die Menschen in Mitteldeutschland bewegt haben.

Ein altes Logo von Kripo Live, in den Farben rot und blau.
Dieses Logo stand bis 2013 für "Kripo Live"-Beiträge. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

So wird es um den Mordfall der 20-jährigen Anja Blum in Rietzel (Sachsen-Anhalt) gehen. In der Nacht zum 11. Juni 2005 wurde sie auf dem Nachhauseweg überfallen und ermordet. Mit Hilfe einer DNA-Analyse wurde der Nachbar als Täter überführt. Die Eltern haben in ihrem Wohnort eine Gedenkstätte für ihre Tochter errichtet. In der Sendung reden sie mit Moderator Gerald Meyer darüber, wie die Tat ihr Leben verändert hat.  

Das Logo von Kripo Live
Das aktuelle Logo der Sendung. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In den 90 Minuten wird u. a. auch an Sachsens erste Kindesentführung erinnert. Der neunjährige Falko Jähnert kam 1998 von einem Besuch der Stadtbibliothek Leipzig nicht nach Hause. Drei Tage später ging ein Erpresserbrief mit einer Lösegeldforderung bei der Polizei ein.

Polizeipsychologen, Verhandlungsexperten und Ermittler der Leipziger Polizei arbeiteten rund um die Uhr daran, eine Spur zu Falko zu finden. Nach zehn Tagen befreite ihn das SEK Sachsen. Falko Jähnert selbst erzählt, wie er die Situation erlebt hat und man sieht die Bilder von seinem Besuch bei Birgit von Derschau im "Kripo live"-Studio nach seiner Befreiung.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Kripo live extra | 04. Juni 2020 | 20:15 Uhr