Coronavirus So managen die Gesundheitsämter die Krise

Anfang März beklagten die Gesundheitsämter im Zuge der Corona-Krise noch Personalnot. Dabei ging es um zu wenige Amtsärzte und zu viele Überstunden. Nun wurden die Teams aufgestockt. Wie hat sich die Lage in Mitteldeutschland verändert?

Wegweiser Gesundheitsamt
Nachdem die Gesundheitsämter über Personalnot geklagt haben, hat man in Mitteldeutschland vor einigen Wochen begonnen, mehr Personal einzustellen. Bildrechte: imago images / Waldmüller

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat vergangene Woche davon gesprochen, dass es wichtig sei, Gesundheitsämter personell so aufzustellen, dass eine gute Rückverfolgung von Covid-19-Infizierten möglich ist. In diesem Zusammenhang hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder  in dieser Woche die Software "BaySim" (Bayerisches System für Infektionsmanagement) vorgestellt.

Über 400 zusätzliche Behördenmitarbeiter sollen zudem  in dem von Corona stark betroffenen Bundesland die Gesundheitsämter unterstützen. Auch in Mitteldeutschland hat man bereits vor einigen Wochen begonnen, die Gesundheitsämter personell breiter aufzustellen. Wie haben sich die Maßnahmen ausgewirkt? 

Sachsen

Auf Nachfrage des MDR-Magazins "Hauptsache Gesund" heißt es vom Sächsischen Gesundheitsministerium, dass die Ämter durch Neueinstellung, Umverteilung der Mitarbeiter innerhalb der Stadtverwaltung bzw. des Landkreises, durch Unterstützung von Studenten und Personal des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen zum momentanen Zeitpunkt gut verstärkt worden seien.  

Außerdem unterstütze "durch den Bund rekrutiertes Personal". Demnach könnten die Ämter "sowohl ihre derzeitigen Aufgaben als auch die steigenden Anforderungen beim Anstieg der Fallzahl meistern. Eine zusätzliche Aufstockung durch Personal des Freistaates ist nicht erforderlich", heißt es vom Ministerium.

Ähnliche Meldungen kommen von den einzelnen Gesundheitsämtern. So heißt es beispielsweise vom Landkreis Görlitz, dass 46 Mitarbeiter aus anderen Fachämtern für die Mehrbelastung zur Verfügung stehen würden. Man gehe aber davon aus, dass es sich um keine dauerhafte Aufgabe handele. Insofern bestehe nicht der Bedarf, neues Personal einzustellen. Die "Aborderung" erfolge demnach aus anderen Fachämtern.

Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge wolle man sich flexibel an die Entwicklung der Lage anpassen. "Gegenwärtig und bisher ist dies ohne externe Einstellungen möglich gewesen. Auch perspektivisch planen wir dies weiterhin auf diesem Wege zu bewerkstelligen, sodass es vorerst nicht zu externen Ausschreibungen einer bestimmten Anzahl von Stellen mit einem konkreten Anforderungsprofil kommen wird", heißt es.

Auch in Leipzig, im Vogtlandkreis, in Bautzen, im Erzgebirgskreis oder  in Chemnitz sind die Teams nach dem vom Ministerium beschriebenen Prinzip aufgestockt worden und sollen entsprechend der epidemiologischen Lage eingesetzt werden.

Aus Dresden heißt es, dass es dennoch schwierig sei "in ad-hoc Situationen" den Personalbedarf zu bemessen. "Stellenausschreibungen und -aufwüchse werden nach der Corona-Krise diskutiert werden müssen", so das Dresdner Gesundheitsamt.

Aktuell fehle selbst für diese Personalbedarfsplanung die Zeit. "Gebraucht werden jedoch Fachkräfte für Hygieneüberwachung, Hygieneingenieure, Gesundheits- und Krankenpfleger/-innen mit hygienischen Zusatzqualifikationen sowie ärztliches Personal", so die Bilanz aus Dresden. Von all diesen Berufsbildern gebe es zu wenig Qualifizierte im öffentlichen Dienst. Die Erfolgschancen, etwaige Stellen zu besetzen, seien demnach "extrem gering".

Sachsen-Anhalt

"In Sachsen-Anhalt hat eine personelle Aufstockung der Gesundheitsämter bereits stattgefunden - sowohl durch Personal aus der Verwaltung als auch durch Ärzt*innen, Pflegekräfte und weiteres Assistenzpersonal des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung", heißt es vom Gesundheitsministerium Sachsen-Anhalt.

Auch von der Bundesknappschaft hätten die Gesundheitsämter das Angebot erhalten, personelle Unterstützung bereitzustellen. Zudem gebe es sogenannte Containment-Scouts, d.h. Teams zur Kontaktpersonennachverfolgung in den Gesundheitsämtern. "Sie wurden vom Bundesverwaltungsamt angestellt, erhalten eine spezielle Schulung und werden zur Unterstützung der Gesundheitsämter in die Landkreise und kreisfreien Städte gesendet", so das Ministerium auf Nachfrage von "Hauptsache Gesund".

Eine Abfrage zum Personalbestand im öffentlichen Gesundheitsdienst zwischen dem 01. März 2020 und dem 09. April 2020 habe ergeben, dass in Sachsen-Anhalt nun 103 Personen mehr für die Gesundheitsämter arbeiten.

So wurden beispielsweise im Burgenlandkreis seit Beginn der Corona-Krise fünf Personen aus anderen Bereichen des Landratsamtes hinzugezogen. Weitere vier Stellen wurden ausgeschrieben und neu besetzt. Dabei handele es sich um eine befristete Anstellung von Medizinstudenten und einer Krankenschwester.

In Halle sei es aktuell nicht erforderlich, das Personal in den Gesundheitsämtern aufzustocken, heißt es von der Stadt. Das Gesundheitsamt des Landkreises Harz habe in den vergangenen Wochen bereits Unterstützung durch Mitarbeiter aus der Kreisverwaltung erhalten, z.B. am Bürgertelefon und für allgemeine Verwaltungstätigkeiten. Weitere Schritte zur Personalaufstockung sollen nun besprochen werden.

In Magdeburg etwa erfolge eine lückenlose Nachverfolgung der Kontaktpersonen. Begründet sei dies durch eine niedrige Neuinfektionsrate in der Stadt. Sollten die Zahlen kurzfristig ansteigen, würden Mitarbeiter aus anderen Ämtern der Stadtverwaltung aushelfen.

Thüringen

Auf Nachfrage des MDR-Magazins "Hauptsache Gesund" gab es bislang keine Antwort vom thüringischen Gesundheitsministerium. Die Antworten der einzelnen Gesundheitsämter verweisen jedoch auf eine ähnliche Lage wie in Sachsen-Anhalt und Sachsen.

In Erfurt bestehe demnach noch kein Bedarf, das Personal durch Externe aufzustocken. Auf Grund der derzeitigen  Lage können die zu bewältigenden Aufgaben noch mit verwaltungsinternem Personal erledigt werden. Dies könne sich jedoch kurzfristig auch ändern. "Möglicherweise wird auch Gebrauch davon gemacht, sogenannte Containment-Scouts einzusetzen, die durch das Landesverwaltungsamt den Gesundheitsämtern zugewiesen werden", heißt es aus Erfurt.

Im Landratsamt Gotha wurde das Personal im Gesundheitsamt um sieben Mitarbeiter im Rahmen der Corona-Krise aus der eigenen Kernverwaltung aufgestockt. Zusätzlich habe die Einstellung eines Werkstudenten stattgefunden. "Eine dauerhafte personelle Aufstockung ist perspektivisch geplant. Derzeit wird eine mögliche Einstellung zweier Fachkräfte für Hygiene für das 2. Halbjahr 2020 geprüft und vorbereitet", so die Antwort aus Gotha.

Auch in Nordhausen, dem Saale-Holzland-Kreis, dem Saale-Orla-Kreis, in Sömmerda oder Sonneberg habe bislang eine Aufstockung aus anderen Fachbereichen der Verwaltung ausgereicht. Ob noch weitere Stellen ausgeschrieben werden oder zusätzliches Fachpersonal notwendig wird, hänge von der Infektionsrate ab.

In Weimar habe die personelle Aufstockung bereits vor einigen Wochen umfangreich stattgefunden. Demnach sind dort keine weiteren Stellenausschreibungen geplant.

Mehr Anreize für neue Amtsärzte gefordert

Akut konnte die Lage der Gesundheitsämter in Mitteldeutschland also stabilisiert werden. Gleichwohl  bleibt aber  der  Mangel von Amtsärzten ein Problem, sollten nicht auch für die Zeit nach der Krise mehr Anreize für Stellen geschaffen werden. 

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. April 2020 | 05:00 Uhr