MDR-Magazin "Umschau" Kunstraub Gotha: Hat sich die Erbengemeinschaft strafbar gemacht?

Nach vierzig Jahren sind sie mutmaßlich wieder aufgetaucht: fünf Gemälde aus dem 16. und 17. Jahrhundert, die 1979 aus dem Schlossmuseum Gotha entwendet wurden. Derzeit werden sie auf ihre Echtheit überprüft. Doch nun steht die Erbengemeinschaft, die für die Herausgabe der Bilder Geld verlangt hat, im Fokus der Ermittlungen.

von Raja Kraus und Thomas Falkner

Das Gemälde "Selbstbildnis mit Sonne" von Anthonis van Dyck
Bildrechte: MDR/Stiftung Schloss Friedenstein

Die Staatsanwaltschaft Berlin hat die Ermittlungen wegen versuchter Erpressung und Hehlerei aufgenommen. "Aufgrund dieses Verdachts haben wir Durchsuchungsbeschlüsse erwirkt, um Beweismittel zu gewinnen", sagte Staatsanwalt Martin Steltner dem MDR-Magazin "Umschau". Durchsuchungen fanden demnach nicht nur in Baden-Württemberg und Thüringen, woher die beschuldigten Erben stammen, statt, sondern etwa auch in Sachsen. Die gesicherten Beweismittel werden derzeit ausgewertet.

Erben wussten von problematischer Herkunft der Bilder

Der Diebstahl der Gemälde ist zwar verjährt, doch die Tatsache, dass die Erbengemeinschaft Geld für die Bilder forderte, wirft Fragen auf. Auch, weil die beiden beschuldigten Männer offenbar um die Herkunft der Gemälde wussten: "Diejenigen, bei denen sich die Bilder in der Zwischenzeit befunden haben, haben eingeräumt, von der problematischen Herkunft gewusst zu haben", erklärte Friederike von Brühl, Rechtsanwältin der Stiftung Schloss Friedenstein in Gotha. Juristisch bedeute dies auch, dass die Erben nicht Eigentümer der Werke geworden sein können. "Weder im Rahmen eines sogenannten gutgläubigen Erwerbs, noch im Rahmen einer Ersitzung. Das heißt: Eigentümerin dieser Werke muss bis heute die Stiftung Schloss Friedenstein sein", sagte von Brühl.

Erbfall spült Gemälde wieder an die Oberfläche

Die beiden Männer aus Baden-Württemberg und Thüringen haben die Werke offenbar 2018 von ihrem Vater übernommen, als dieser verstarb. Der Anwalt der Erben habe der Schlossstiftung die Herausgabe der Gemälde für einen "völlig überzogenen Geldbetrag" angeboten, so die Rechtsanwältin der Stiftung, Friederike von Brühl."Bisher wissen wir nicht, wie die Familie in den Besitz dieser Bilder gekommen ist. Wir hoffen, dass sich das bald aufklären lässt", sagte sie der "Umschau" weiter. Die Gemälde werden derzeit auf ihre Echtheit, ihren Zustand und ihre Zuschreibung geprüft.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Umschau | 10. Dezember 2019 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Dezember 2019, 14:20 Uhr