Die Parthe in Leipzig-Gohlis
Die Parthe in Leipzig-Gohlis. Bildrechte: MDR/Jens Falkowski

Wasserverschmutzung Warum ist der Leipziger Fluss Parthe nach Starkregen verdreckt?

An vielen Gewässern finden sich die Überreste von Partys oder Grillabenden im Grünen. Doch ist ein heftiges Gewitter durchgezogen, ist auch der Fluss selbst oft verdreckt. Vor der Haustür von Timo Geßner aus Leipzig liegt die Parthe. Darin sieht er nach jedem starken Regen eine Menge Damenbinden schwimmen. Er fragt sich, warum nach Regenschauern – trotz Kläranlagen – so viel Dreck in die Parthe gelangt.

von Jens Falkowski, MDR AKTUELL

Die Parthe in Leipzig-Gohlis
Die Parthe in Leipzig-Gohlis. Bildrechte: MDR/Jens Falkowski

Eigentlich ist die Parthe im Norden von Leipzig ein relativ sauberer Fluss. Bei normalem Wetter ist kaum etwas zu sehen – nur vereinzelt Müll – und es riecht ein wenig unangenehm. Nur wenn es stark geregnet hat, ändert sich das Bild. Was dann im Fluss schwimmt, landet meist vor den Füßen der Angler.

Bei starkem Regen zu wenig Platz in den Klärwerken

Friedrich Richter, Geschäftsführer vom Leipziger Anglerverband, kennt die Gewässer auch überschwemmt von Fäkalien und Unrat, Kot und den ganzen organischen Stoffen. Der Fluss habe aber genügend Selbstreinigungskraft, erklärt Richter. Wenn genügend Sauerstoff vorhanden sei, reinige sich der Fluss und alles werde wieder abgebaut.

Friedrich Richter vom Leipziger Anglerverband steht an der Mündung der Parthe in die Weiße Elster.
Friedrich Richter vom Leipziger Anglerverband an der Mündung der Parthe in die Weiße Elster. Bildrechte: Jens Falkowski

Das Problem sind die Hygieneartikel. Die hängen dann am Ufer und die nimmt auch keiner weg.

Friedrich Richter, Anglerverband Leipzig

Oft sind es die Angler selbst, die dann ihre Gewässer säubern. Im Kanalsystem fließen Abwässer und Regenwasser zusammen, das sogenannte Mischwasser entsteht. Das fließt normalerweise zur Kläranlage.

Regne es allerdings zu stark, werde im Notfall das Mischwasser aus dem Kanalnetz direkt in die Flüsse geleitet, erklärt Ulrich Meyer von den Leipziger Wasserwerken. Bei Trockenwetter fließen 4.000 Kubikmeter pro Stunde ins Klärwerk, bei Regenwetter 13.000 Kubikmeter.

"Wenn es mehr regnet und diese Menge überschritten wird, dann speichern wir das Regenwasser zunächst im Kanal, da haben wir Stauraum geschaffen, wo wir das zurückhalten können", erklärt Meyer. "Und wenn die Menge dann zu groß ist, wird dann an verschiedenen Stellen im Netz in die Gewässer abgeschlagen." So soll auch im Notfall möglichst viel Wasser im Kanalsystem gespeichert werden.

Leipziger Wasserwerke wollen Klärwerk ausbauen

Damit zukünftig noch weniger Abwasser in die Flüsse gelangt, will Ulrich Meyer auch weiterhin viel Geld in den Netzausbau stecken. Dabei wurde schon viel erreicht: "Wir haben in den vergangenen Jahren sehr viel in unser Kanalnetz investiert. Haben extrem viel Stauraum geschaffen, wo wir im Regenwetterfall Wassermengen oder Regenmengen zurückhalten können."

Nun soll auch das Klärwerk ausgebaut werden, sodass man mehr Abwasser durchschicken könne, sagt Meyer. Ebenso werde man sicherlich im Netz an der ein oder anderen Stelle investieren. Komplett auf die Einleitung zu verzichten sei aber unrealistisch, teilen die Wasserwerke mit.

Ökolöwe fordert mehr Maßnahmen für saubere Flüsse

Friederike Lägel vom Umweltbund Ökolöwe findet die Pläne nicht ausreichend. Nach ihrer Ansicht soll ein Großteil des Regens erst gar nicht in den Kanälen landen. "Es muss vielmehr darüber nachgedacht werden, Niederschlagswasser zurückzuhalten. Vor allem im Stadtgebiet ist es wichtig jetzt dafür zu sorgen, dass die Massen an Regenwasser erst gar nicht in die Kanalisation gelangen", meint Lägel.

Dass heiße, man brauche viel mehr Regenrückhaltung, begrünte Maßnahmen, Dachbegrünung und entsiegelte Freiflächen. Man müsse verbleibende Freiflächen besser schützen und brauche mehr begrünte Hinterhöfe.

Für mehr Sauberkeit in den Flüssen wird also bereits in das Abwassernetz investiert. Auch das Stadtgrün kann einiges aufhalten. Am meisten helfen würde jedoch, wenn alle ihre Hygieneartikel in den Müll werfen würden und nicht in die Toilette.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. Oktober 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2019, 05:00 Uhr

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