Cytotek Umstrittene Geburtspille auch in Mitteldeutschland eingesetzt

Schadet das Medikament Cytotec Gebärenden und ihren Kindern, sind sogar Babys gestorben? Das ist zurzeit eine Frage, die nach einem Bericht des ARD-Magazins "Report München" heftig diskutiert wird. Denn obwohl das Mittel dafür nicht zugelassen ist, ist der Einsatz in Geburtskliniken an der Tagesordnung, auch in Mitteldeutschland. Ärzte warnen vor einer Panikmache. Doch wird das Medikament immer richtig eingesetzt?

von André Seifert, MDR AKTUELL

Ultraschallbild auf einem Tablet
Auch in mitteldeutschen Kliniken wird das Medikament Cytotek eingesetzt. Bildrechte: imago/Westend61

Erst vor wenigen Wochen hat Lisa A., eine Hörerin von MDR AKTUELL, einen Sohn zur Welt gebracht. In einem Krankenhaus in einer größeren mitteldeutschen Stadt. Wir haben den Namen der Hörerin geändert, weil sie anonym bleiben will. Wegen eines Blasensprungs entschied die Klinik, die Geburt einzuleiten. Um die Wehen anzuregen, bekam Lisa A. Cytotec.

Sie sagt: "Ursprünglich sollte ich fünf Tabletten nehmen, ich habe es bis zur dritten geschafft. Und nach der ersten Tablette habe ich schon heftige Wehen bekommen. Und die Wehen waren so stark, dass ich innerhalb von fünf Stunden mein Kind bekommen hab. Und das Schlimme für mich war, dass es beatmet werden musste. Es ist weggetragen worden. Und erst, nach Aussagen meines Mannes, nach einer Viertelstunde habe ich ihn dann bekommen."

Viele offene Fragen

Ihrem Sohn ist zum Glück nichts passiert. Dennoch quälen Lisa A. nun Fragen: War die Dosis zu hoch? Und vor allem: Warum wurde sie nicht vor derartig großen Nebenwirkungen gewarnt? "Bis Vorgestern war mir nicht bewusst, dass Cytotec, also die Medikation, schuld sein kann, dass der Verlauf der Geburt so war, wie sie war."

Auch andere Frauen hatten in den vergangenen Tagen derartige Erlebnisse in den Medien geschildert. Doch was ihnen und unserer Hörerin Lisa A. passiert ist, seien absolute Ausnahmen, erklären Mediziner fast einstimmig. So wie Prof. Dr. Holger Stepan, der Leiter der Geburtsmedizin an der Uniklinik Leipzig. Misoprostol, so heißt der Wirkstoff in Cytotec, habe sich in jahrzehntelangem Einsatz bewährt.

Stepan sagt: "Das Medikament ist seit Langem und auch in vielen Ländern im Routineeinsatz. Die Erfahrungen sind gut. Und es gibt kein Medikament bei der Geburtseinleitung, was so gut wissenschaftlich untersucht wurde, wie dieses Misoprostol."

Komplikationen durch Cytotec

Trotzdem: In seltenen Fällen kann es zu Komplikationen kommen. Zum Beispiel, wenn die Gebärmutter der Frau früher schon mal operiert wurde. Dann kann Cytotec Risse herbeiführen, teilte die Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe MDR AKTUELL mit. Alle Risiken seien aber bekannt und in einem normalen Krankenhaus jederzeit kontrollierbar.

Zwar gebe es auch andere Mittel für die Geburtseinleitung, doch die hätten nicht weniger Risiken. Unsere Hörerin Lisa A. hatte so heftige Wehen, dass die Sauerstoffversorgung ihres Sohnes beeinträchtigt wurde. Hat ihr Krankenhaus Fehler gemacht? Lisa A. sagt, sie sei nach der Einnahme der Tabletten kaum überwacht worden.

Viele Kliniken schweigen zum Thema

Dabei empfehlen Experten wie Holger Stepan genau das dringend: "Weil das so ist, soll eben diese Geburtseinleitung durch diese Tabletten auch nicht zu Hause passieren, sondern in der Klinik, wo das Kind überwacht ist, sodass man, wenn es zu einer Überstimulation der Gebärmutter kommt, entsprechend reagieren kann."

MDR AKTUELL hat bei zehn mitteldeutschen Kliniken nachgefragt, ob und wie sie Cytotec einsetzen. Und wenn ja, ob es dabei schon mal Komplikationen gab. Die Antworten waren nicht sonderlich ergiebig: Nur drei machten überhaupt Angaben. Sowohl im Uniklinikum Leipzig als auch im Klinikum Chemnitz wird Cytotec demnach verwendet, Komplikationen habe es aber nie gegeben.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. Februar 2020 | 06:12 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Februar 2020, 05:00 Uhr

1 Kommentar

Laura2020 vor 7 Wochen

Mir wurde auch Cytotec zur Geburt in der Uni Leipzig verabreicht. Die Aufklärung lautete so: "Das sind Magentabletten, die zwar nicht dafür zugelassen sind, aber als Nebeneffekt auch Wehen einleiten." Nach der 3. Tablette bekam ich heftige Wehenstürme, die Herztöne meine Kindes sind abgefallen und nach 4 Stunden kam er blau und bewusstlos zur Welt. Auf meine Nachfrage meinten die Ärzte nur, dass es für ihn sehr stressig gewesen sei und er erstmal ankommen muss.
Nach Jahren habe ich mir immer noch den Kopf zerbrochen, was da los war. Aber jetzt endlich hab ich eine Antwort!