Gewalt gegen Frauen Mehr Frauenschutzhäuser für Sachsen

Sachsens Sozialministerin Petra Köpping will das Netz der Frauenschutzhäuser im ländlichen Raum ausbauen. In den dortigen Schutzhäusern werden immer wieder Frauen abgewiesen, weil es einfach nicht genügend Plätze gibt, oder - wie im Erzgebirgskreis - nicht einmal ein Frauenhaus. Die Bundesregierung hat den Ländern 120 Millionen Euro zugesagt, um das zu ändern. Wie viel von dem Geld nach Sachsen geht, ist noch unklar.

Neun Frauen und ihre Kinder finden im Frauenschutzhaus in Bautzen Platz. Aktuell betreut Leiterin Katharina Wehner-Kreuze sieben Klientinnen. Deutschlandweit gibt es sehr unterschiedliche Konzepte für die Schutzhäuser. In Bautzen leben die Frauen wie in einer WG. Durchschnittlich bleiben sie für drei Monate. Abweisen musste Katharina Wehner-Kreuze bisher selten eine Frau, bei ihr gibt es genug Platz für den örtlichen Bedarf. Von ihren Kollegen aus den Stadtgebieten hört sie Anderes.

Zu wenig Platz in Sachsen

61 Frauen mussten 2018 in die umliegenden Bundesländer verteilt werden, weil in Sachsen keine Unterbringung möglich war. Tendenz steigend. Das heiße nicht unbedingt, dass die Familien auf dem Land friedlicher sind, vielmehr seien die Hürden, Hilfe in Anspruch zu nehmen, deutlich höher als in der Stadt, sagt Wehner-Kreuze.

"Im ländlichen Raum ist das dann schon viel schwieriger, weil da die Wege einfach weiter sind, da muss man mitunter dann bis zu 30 Kilometer fahren, bis man die Beratungsstelle hat, die man braucht und dann auch erst mal aufmerksam wird auf das Angebot für gewaltbetroffene Frauen."

Größeres Tabuthema auf dem Land

Generell werde das Thema "Gewalt gegen Frauen" in den ländlichen Regionen noch eher tabuisiert, als in den Städten, sagt Wehner-Kreuze, die auch Sprecherin der Sächsischen Frauenschutzhäuser ist. Hier will die neue Sozialministerin Petra Köpping einhaken. Die SPD-Politikerin möchte das Netz der Schutzhäuser vor allem auf dem Land ausbauen.

Petra Köpping MdL SPD, Sächsische Staatsministerin für Gleichstellung und Integration
Sozialministerin Petra Köpping. Bildrechte: Kerstin Pötzsch

"Da ist es einfach so, dass wir nach wie vor Kapazitäten offen haben, zum Beispiel hat der Erzgebirgskreis noch kein Frauenschutzhaus und unser Ziel war es immer, das wir flächendeckend in allen Landkreisen und kreisfreien Städten Frauenschutzhäuser anbieten können. Und insofern würden wir die Lücke mit dem Geld, was wir aus Berlin erwarten, welches ja für Investitionen, aber eben auch für die personelle Ausstattung möglich ist, gerne nutzen."

Unterstützung vom Familienministerium

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey hatte den Ländern vor einigen Wochen 120 Millionen Euro zugesagt, mit denen der Ausbau der Schutzhäuser, Interventions- und Präventionsangebote unterstützt werden sollen.

Wie viel von dem Geld in Sachsen landen wird, kann Petra Köpping allerdings noch nicht sagen. Bisher ist die Finanzierung der Einrichtungen oft schwierig.

Wie sich Frauenhäuser finanzieren

Der eingetragene Verein, der in Bautzen das Frauenschutzhaus betreibt, finanziert sich aus Spendengeldern und Zuschüssen vom Land. Hinzu kommen noch kommunale Gelder durch die Stadt und den Landkreis, welche immer eine Freiwilligenleistung darstellen. In Sachsen entscheidet jede Kommune selbstständig, ob Sie Gelder für den Gewaltschutz zur Verfügung stellt. Eine unsichere finanzielle Lage für die Frauenschutzhäuser in Sachsen.

Auch das Tagesgeld von sieben Euro, die jede Person für eine Übernachtung im Frauenschutzhaus zahlen muss, sieht Wehner-Kreuze kritisch. Das empfinde man als unfair, "denn wir denken, dass jede betroffene Frau, jedes Kind kostenlos unsere Hilfe in Anspruch nehmen dürfen müsste".

Lediglich wer Geld vom Jobcenter bekommt, ist von diesen Kosten befreit. Grundsätzlich ist es für alle von Gewalt betroffenen Frauen, Kinder und natürlich auch Männer möglich, sich rund um die Uhr in einer Notsituation über das kostenfreie Hilfetelefon des Familienministeriums beraten zu lassen, unter der kostenfreien Nummer: 08000 - 116 016.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. Januar 2020 | 05:00 Uhr

5 Kommentare

Petra Stein vor 37 Wochen

@Torssten K. Sie schreiben: "Wo im Übrigen komme ich als Mann im Konfliktfall unter?"

In Thüringen gab es mal eine Männerschutzwohnung, aber die wurde kaum belegt und dann wieder aufgegeben. In Sachsen finde ich direkt zwei im Internet (Dresden und Plauen).

Zu Ihrer persönlichen Erfahrung: Die "nörgelnde" Frau ist die Kehrseite des unempathischen Mannes, dem diese im Grunde herzlich egal ist. Denken Sie mal drüber nach. Arbeiten Sie dann vielleicht mal an Ihrer Empathiefähigkeit und Ihrer Kommunikation, anstatt sich als armes Opfer zu sehen. Dann verstehen Sie vielleicht im Nachhinein das Leid Ihrer Ex-Frau und Sie werden in der Zukunft doch noch ein brauchbarer Partner. Welche Frau möchte schon einen solchen Mann haben, der ihre Wünsche und Kritik als "Nörgelei" auffasst?

ElBuffo vor 37 Wochen

Genau. Vor 30 Jahren konnte man (und Frau) sich einfach so über Nacht auf dem vollkommen freien Markt eine eigene Wohnung besorgen und gut war. Ich kenne da irgendwie eine andere Realität. Eine Realität, in der selbst Ehepaare einige Probleme hatten eine Wohnung zu bekommen. Und da rede ich noch nicht mal von diversen Standards, die auch schon der einfache DDR-Bürger, ans Wohnen gestellt hatte. Das hat durchaus gedauert und war häufig gerade kurzfristig nur über Vitamin B möglich. Alleinstehende waren da keineswegs bevorzugt.
Davon abgesehen sind Frauenschutzhäuser wohl kaum vorrangig für die Lösung eines Wohnungsproblems gedacht.

Torssten K. vor 37 Wochen

Gewalt in der Partnerschaft ist aus meiner Sicht und Erfahrung nicht geschlechterspezifisch. Die Lösung wären nicht noch mehr Frauenhäuser, sondern funktionierende gesellschaftliche Strukturen. Auch auf dem Land. Ich schildere mal meine Erfahrung. Frau sucht sich einen Mann, um Ihn nach kurzer Kennenlernphase zu erziehen und an ihm rumzunörgeln. Während der "Mann" irgendwann gewalttätig wird, oder ihm das von "der Frau" nur unterstellt wird, verfügen "die Frau" über viel subtilere Möglichkeiten den Mann fertig zu machen und ihre Ziele durchzusetzen. Unterstützung findet "Sie" in Jugendämtern und Gerichten, bei weiteren "Frauen" mit klarem Feindbild oder mangelndem Systemverständnis. Der Mann wird ausgegrenzt sowie finanziell in die Ecke getrieben. Die Lösung wären wie schon oben geschrieben funktionierende gesellschaftliche Strukturen und ein möglichst frühzeitiges deeskalierendes Eingreifen von außen. Wo im übrigen komme ich als Mann im Konfliktfall unter?