Raucherpausen Mehr Urlaub für Nichtraucher – gerecht oder diskriminierend?

Sollten Nichtraucher einen Urlaubs-Bonus von ihrem Arbeitsgeber bekommen? Immerhin geht eine ganze Menge Zeit drauf, wenn Raucher während der Arbeit immer mal verschwinden: drei, vier, fünfmal am Tag für jeweils fünf Minuten. Aufs Jahr gerechnet kommt da schon was zusammen. Ein Wirt aus der Pfalz gibt seinen nichtrauchenden Mitarbeitern deswegen fünf Tage mehr Urlaub. Ist das rechtens?

Zwei Hände die eine Zigarette zerknickt.
Stattraucherpausen fünf Tage mehr Urlaub – ist das gerecht? Bildrechte: IMAGO

Sollten Nicht-Raucher mit Zusatzurlaub belohnt werden? Auf der Straße in Leipzig sind die Leute da geteilter Meinung:       

  • Ich finde das gerechtfertigt. Ich bin Nichtraucher und ich finde, dass eine Raucherpause über einen längeren Zeitraum sicherlich eine Menge Zeit einnimmt. Und ein Ausgleich sollte da stattfinden.
  • Wir gehen ja nur in der Pause rauchen, also wenn alle Pause machen.
  • Manche gehen zehn Mal am Tag zum Kaffeeautomaten. Andere halten sich lange in der Toilette auf, um ein bisschen Zeit zu schinden. Ich denke, das ist ein bisschen unfair.
  • Das ist der falsche Ansatz. Wenn jemand raucht und geht dann während der Arbeitszeit raus, dann soll man die Zeit erfassen, aber dass man das jetzt über Urlaub regelt, das ist nicht praktikabel.

Das sieht auch Michael Schmidt, Präsident des Hotel- und Gaststättenverbands Sachsen-Anhalt so. Statt Zusatzurlaub geht er in seinem eigenen Gastronomiebetrieben einen anderen Weg. Nämlich, dass man auch den nichtrauchenden Mitarbeitenden dieselben Pausenzeiten zwischen den Hauptpausen einräume, wie der Raucher das auch mal schnell mache, sodass da im Prinzip der Ausgleich da sei, erklärt Schmidt. Zudem sei fraglich, ob das Modell "Mehr Urlaub für Nichtraucher" überhaupt rechtens sei.

Weniger Urlaub für Raucher: Keine Diskriminierung

Martin Volkmann, Fachanwalt für Arbeitsrecht aus Riesa, sagt dazu auf Anfrage von MDR AKTUELL: "Es kommt darauf an." Das Risiko, dass der Arbeitgeber – in diesem Beispielsfall der Wirt – habe, wäre tatsächlich einzig und allein, dass ein rauchender Arbeitnehmer vor dem Arbeitsgericht den gleichen Urlaubsanspruch vom Arbeitgeber begehre, den auch ein nichtrauchender Arbeitnehmer erhalte.

Ein Fall von Diskriminierung liege hier jedenfalls nicht vor: "Da geht es um die Rasse, die ethnische Herkunft, das Geschlecht, das Alter, die Behinderung. Sprich: Raucher und Nichtraucher finden sich dort nicht wieder, sodass von einer Diskriminierung nicht ausgegangen werden kann", erklärt Volkmann.

Persönlichkeitsrecht maßgeblich

So sieht es auch Silvio Lindemann aus Dresden, ebenfalls Fachanwalt für Arbeitsrecht: Der Wirt greife hier aber in das Persönlichkeitsrecht der Mitarbeiter ein.

Er darf keinen gesünderen Lebensstil vorschreiben oder anordnen oder einen schlechteren Lebensstil sanktionieren. Er kann zum Beispiel auch nicht sagen, alle fleischessenden Mitarbeiter bekommen weniger Urlaub und alle Veganer bekommen mehr.

Silvio Lindemann, Fachanwalt für Arbeitsrecht

An sich gehe es dem Wirt aber ja gar nicht ums Rauchen, sondern um die zusätzlichen Pausen. Dann müsse man auch dort ansetzen, sagt der Jurist. Er habe ja ganz andere Möglichkeiten. Auch das sei entschieden. Exzessive oder ungenehmigte Raucherpausen könnten sogar eine Kündigung rechtfertigen. Er müsse die Arbeitszeit während der Raucherpausen auch nicht bezahlen.

Wie so oft gelte am Ende aber auch hier der Grundsatz: Wo kein Kläger, da kein Richter. Dann laufe das durch, alle seien zufrieden.

So ist es nun offenbar auch in der Pfälzer Gaststätte: Die Nichtraucher freuen sich über mehr Urlaub, die Raucher müssen sich nicht mehr für jede Zigarette zwischendurch rechtfertigen. Das zumindest sagte Wirt Helmut Glas in einem Zeitungsinterview. 

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. September 2020 | 05:25 Uhr

9 Kommentare

ElBuffo vor 3 Wochen

Na bei der Konstellation ergibt sich das Problem gar nicht erst prima Geschichte und wahrscheinlich auch die einzig rechtssichere Variante in diesem Land.

Pumukl vor 3 Wochen

In unserem Betrieb rauchen zum Glück alle. Da erübrigt sich diese Fragestellung. Nichtraucher werden vorab schon als Querulanten vor der Einstellung ausgesiebt. So hat man Ruhe im Laden!

alter Ossi vor 3 Wochen

Ich als Nichtraucher sehe mich gegenüber den Rauchern auch benachteiligt. Auf Arbeit ist es bei uns zwar verboten, zwischen den Pausen zu rauchen. Dennoch machen sie es, heimlich. In der Nachtschicht sind die Bosse weg. Ich arbeite also weiter, während der Raucher mal für mindestens 5 Minuten verschwindet.

Ich empfinde die als ungerecht. Aber meine Kollegen werde ich mit Sicherheit auch nicht verpfeifen.