Waffengesetz Mehr als 15 Millionen Schreckschusspistolen deutschlandweit

Sie sehen aus wie richtige Waffen und sollen mit einem lauten Knall Angreifer in die Flucht schlagen: Schreckschusswaffen. Zum Jahreswechsel wurden allein in Berlin 125 Vorfälle mit Schreckschusswaffen gemeldet, so wurde damit nicht nur in die Luft gefeuert, sondern auch auf Polizisten. Die Politik fordert daher nun schärfere Bestimmungen für den Verkauf solcher Waffen.

Schreckschusspistole mit Platzpatronen.
Optisch sind Schreckschusspistolen nicht von echten Waffen zu unterscheiden. Kaufen darf sie jeder Erwachsene. Bildrechte: imago/Ralph Lueger

Etwa 15 Millionen Schreckschusswaffen sind in Deutschland im Umlauf. Und sie sind in Waffenläden nach wie vor gefragt, weiß Jens Arnold. Der Großhändler aus Frohburg vertreibt Jagd- und Sportwaffen an Einzelhändler in ganz Deutschland. Aus seinen Büchern geht hervor:  2015 und 2016 gab es bei den Schreckschusswaffen das stärkste Verkaufsjahr – ein Plus von 60 Prozent zum Jahr 2014. Überwiegend Männer würden die Schreckschusswaffen kaufen, meint Arnold. Und zwar über alle Altersstufen hinweg.

Motive für einen Kauf seien das Sammeln von Waffen, sich selbst zu schützen oder auf dem eigenen Grundstück ein Feuerwerk zu veranstalten. Über 18-Jährige können eine Schreckschusspistole frei erwerben und sie auf eigenem Grund und Boden nutzen.

Kleiner Waffenschein für Führen in der Öffentlichkeit

Möchte man die Waffe auch in der Öffentlichkeit bei sich führen, braucht man einen kleinen Waffenschein. Den kann man bei der zuständigen Behörde beantragen, in Leipzig zum Beispiel beim Ordnungsamt.

Sie prüft die Zuverlässigkeit des Antragstellers, etwa durch ein polizeiliches Führungszeugnis. Der kleine Waffenschein ist aber kein „Freifahrts“-Schein, mahnt Torsten Seiffert, Rechtsanwalt für Waffenrecht in Leipzig:

"Wenn man ihn hat, berechtigt dieser kleine Waffenschein die Schusswaffen auch außerhalb des befriedeten Privateigentums bei sich zu tragen, berechtigt aber nicht, Schüsse abzugeben."

Bis zu drei Jahre Haft bei illegaler Nutzung

Das Abfeuern eines Schreckschusses ist nur in einer Notwehrsituation gerechtfertigt. Außerdem in wenigen Ausnahmefällen wie zum Beispiel als Start-Zeichen bei Sportveranstaltungen.

Viele Nutzer würden sich nicht daran halten, weiß Seiffert. Genauso wenig wie daran, dass Schreckschusspistolen auch bei Konzerten oder Fußballspielen verboten seien, so der Rechtsanwalt weiter:

Die Schreckschusspistolen sind Schusswaffen nach dem Waffengesetz.

Torsten Seiffert Rechtsanwalt

Wer eine Schusswaffe bei öffentlichen Veranstaltungen benutze, begehe daher einfach eine Straftat und müsse mit bis zu drei Jahren Haft rechnen, erklärt Seiffert.

Nicht von echter Waffe unterscheidbar

Zumal Schreckschusswaffen auch gefährlich seien, sagt Jörg Radek, Vize-Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei.

Durch sie könnten Verbrennungen entstehen. Außerdem würden sie den Anschein einer echten Waffe erwecken: "Ein Polizist, der zu einem Ereignis gerufen wird und auf eine längere Distanz sieht, dass jemand mit so einer Waffe hantiert, wird den Unterschied nicht erkennen können. Und er wird so reagieren, als wenn es eine echte Waffe ist, also: man bringt sich dann selbst in Gefahr."

Polizeigewerkschaft fordert kleinen Waffenschein

Deshalb wünscht sich die GdP, dass man beim Erwerb einer solchen Waffe grundsätzlich den kleinen Waffenschein vorlegen muss. Waffenrechtsexperte Seiffert sieht dagegen einen Lehrgang über den Umgang mit einer Schreckschusswaffe als gutes Gegenmittel.

Jens Arnold, der mit Waffen handelt, sieht dafür keinen Bedarf. Die Waffengesetze seien ausreichend, außerdem werde jeder Käufer ausgiebig über den Umgang mit einer Schreckschusswaffe belehrt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. Januar 2020 | 20:14 Uhr