Erneuter Missbrauchsfall Elf Festnahmen nach schwerem Kindesmissbrauch in Münster

In einem neuen bundesweiten Missbrauchsfall hat die Polizei elf Tatverdächtige festgenommen. Nach Angaben der Ermittler, wurde gegen sieben Beschuldigte Untersuchungshaft angeordnet. Opfer sind drei minderjährige Kinder.

Bei den Ermittlungen nach schwerem sexuellem Missbrauch von Kindern steht ein Polizeibeamter vor der Gartenlaube, wo der vermutliche Haupttäter Teile seiner Server-Anlage unterbrachte.
Die Polizei in Nordrhein-Westfalen ermittelt erneut in einem großen Fall sexuellen Missbrauchs von Kindern. Bildrechte: dpa

Nach Ermittlungen der Polizei Münster wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern sind elf Tatverdächtige festgenommen worden. Polizeipräsident Rainer Furth sagte am Samstag in Münster, gegen sechs Männer und eine Frau seien Haftbefehle erlassen worden.

Hauptbeschuldigter sei ein 27-jähriger IT-Techniker aus Münster. Außerdem handele es sich um dessen Mutter sowie um Männer aus Staufenberg, Hannover, Schorfheide, Kassel und Köln.

Die Polizei Münster hat drei Kinder als Opfer identifiziert. Sie seien fünf, zehn und zwölf Jahre alt, hieß es.

"Unmengen" an Kinderpornografie

Ermittlungsleiter Joachim Poll erklärte auf einer Pressekonferenz am Samstag, dass beim Hauptverdächtigen bei Durchsuchungen im Mai 2019 "hochprofessionell" verschlüsselte Daten gefunden wurden. IT-Experten der Polizei hätten die Daten schließlich entschlüsseln können und dabei "Unmengen" an kinderpornografischem Material gefunden. Daraufhin seien sofort Fahndungsmaßnahmen eingeleitet worden.

Das Material habe den schweren sexuellen Missbrauch des fünf- und des zehnjährigen Jungen durch vier Männer gezeigt. Insgesamt liege das Speichervolumen der sichergestellten Daten nach ersten Erkenntnissen bei mehr als 500 Terrabyte.

Kinder in Obhut

Die Kinder werden nach Angaben der Ermittler nun rechtsmedizinisch untersucht. "Einen körperlichen Schaden, soweit man das überhaupt irgendwo sagen kann, konnten wir bisher nicht festestellen", erklärte Joachim Poll. Es gebe Hinweise, dass die Kinder während der Tat betäubt gewesen seien.

Alle drei Kinder seien inzwischen in der Obhut der zuständigen Jugendämter und würden betreut.

Familie von Opfer dem Jugendamt bekannt

Das Jugendamt der Stadt Münster hatte bereits Kontakt zur Familie eines der Missbrauchsopfer. Die Stadt teilte mit, dass die Familie den Behörden aus den Jahren 2015 bis 2016 bekannt sei. Damals sei der soziale Kindsvater wegen des Besitzes und des Vertriebs pornografischer Daten aufgefallen. 2015 habe das Familiengericht keinen Anlass gesehen, das Kind aus der elterlichen Verantwortung zu nehmen.

Lügde und kein Ende

Nordrhein-Westfalen war seit Anfang 2019 wegen mehrerer Fälle von schwerem sexuellem Missbrauch von Kindern immer wieder in den Schlagzeilen. Auf einem Campingplatz in Lügde im Kreis Lippe hatten mehrere Männer über Jahre hinweg Kinder hundertfach schwer sexuell missbraucht.

Ermittlungen zu einem bundesweiten Kinderpornografie-Tauschring hatten im Oktober 2019 in Bergisch Gladbach bei Köln begonnen und erstrecken sich mittlerweile auf sämtliche Bundesländer.

Auch in Mitteldeutschland gibt es zahlreiche Fälle und Verfahren, beispielsweise im Kreis Schmalkalden-Meiningen, Dresden, Erfurt oder Bad Gottleuba.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 06. Juni 2020 | 13:30 Uhr