"Sondeln" Hobby Schatzsuche: von eifrigen Archäologen und kleinen Schätzen

Die 250 Kilogramm schwere Bombe bei Leipzig: Sie ist nicht von Bauarbeitern oder Archäologen gefunden worden, sondern von Schatzsuchern. Sogenannten Sondengängern, die mit einem Metalldetektor bewaffnet nach Schätzen im Boden suchen.

von Niklas Ottersbach, MDR AKTUELL

Mann sucht einen Strand mit einem Metalldetektor ab.
Auch die Fliegerbombe in Schkeuditz bei Leipzig wurde mit einem Metalldetektor aufgespührt. Bildrechte: Colourbox.de

Die modernen Schatzsucher sind nicht nur auf dem Kartoffelacker zu finden. Sie präsentieren sich auch im Internet. Und da werden dann mannigfaltige Schätze aus dem Boden präsentiert: Von der Gasmaske über eine Reichsmark bis zur Gewandnadel aus der Bronzezeit.

Ganz so glamourös sehe die Realität allerdings nicht aus, sagt Gerhard Aichholzer. Der österreichische Pensionär geht seit fünf Jahren auf Schatzsuche. Oder wie er sagt: "Sondeln". Meistens sei die Ausbeute mager:

Also ich würde sagen 90 Prozent oder 95 Prozent ist Schrott.

Gerhard Aichholzer Schatzsucher

Mit Glück finde man mal eine Silbermünze, so Aichholzer weiter. Er zieht pro Woche zwei- bis dreimal los – zusammen mit seinem 1.500 Euro teuren Metalldetektor und einer Gruppe Gleichgesinnter, aber nicht mehr als drei oder vier Personen.

Teures Hobby mit strengen Auflagen

Wer so etwas macht, der müsse Zeit und Geld für die Ausrüstung mitbringen, erklärt Aichholzer. Er und seine Mitstreiter hätten "höher gestellte" Berufe, sie seien etwa "Bürokaufmänner". "Und wir haben sogar einen dabei, der ist Chef einer Autobahnpolizei", freut sich Aichholzer. Den habe er "eingeschult". Und: "Bei unserer Gruppe, da haben wir sogar Frauen dabei", rundet Aichholzer das Bild ab. "Die machen das natürlich auch."

Anders als in Österreich gelten in Deutschland allerdings deutlich strengere Vorschriften für Sondengänger. Wer in Sachsen auf Schatzsuche gehen will, muss sich beim Landesamt für Archäologie eine Genehmigung holen. Und die gibt's erst nach einer kurzen Schulung.

Sachsen: Funde gehören Freistaat

Der Freistaat sei da recht rigide, sagt Christoph Heiermann vom Landesamt für Archäologie in Sachsen: "Man ist dort sehr schnell im Bereich einer Straftat, wenn man zum Beispiel ein archäologisches Denkmal zerstört oder Funde mit sich nimmt." Dahin ziele auch die intensive Schulung.

Knapp 200 zertifizierte Schatzsucher gibt es laut dem Landesamt für Archäologie. Alles, was im Boden steckt, gehöre im Prinzip dem Freistaat. Deswegen müssen die sächsischen Schatzsucher ihre Funde auch bei ihm abgeben, sagt Christoph Heiermann: "Dieses ganze System läuft natürlich auf einem Prinzip des Vertrauens. Ohne das geht es nicht." Nicht jeder möchte aber zurückgeben. Oder sich gar erst eine Genehmigung holen.

Rechtsstreitigkeiten und schwarze Schafe

Axel Thiel von Kracht hat deshalb vor fünf Jahren einen Verband gegründet: die Deutsche Sondengänger Union. Für seine 500 Mitglieder gibt er Tipps bei Rechtsstreitigkeiten. Axel Thiel von Kracht nennt das Einfordern der Archäologen Enteignung und fordert stattdessen Finderlohn:

Das machen sie aber nicht, sie wollen den Leuten ihre Funde beschlagnahmen für lau. Dazu hat aber der Gesetzgeber gesagt, dann müssen es aber Funde von besonderer wissenschaftlicher Bedeutung sein. Und das wirklich vor einem Gericht zu beweisen, das kriegen die Archäologen nicht hin.

Axel Thiel von Kracht Gründer Deutsche Sondengänger Union

Andererseits gebe es auch unter den Sondengängern ein paar schwarze Schafe, weiß von Kracht. In Sachsen-Anhalt hat ein 37-Jähriger im letzten Jahr Tassen aus der Bronzezeit gefunden. Anschließend wollte er sie im Internet verkaufen und steht nun vor Gericht.

Hätte er die Tassen in Bayern gefunden, wäre das wohl glimpflicher für ihn abgelaufen. Denn dort gilt anders als in den meisten Bundesländern: Die eine Hälfte des Schatzes gehört dem Entdecker, die andere Hälfte steht dem Grundstückseigentümer zu.

Osteuropa

Grafik Schatzsucher 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. Dezember 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Dezember 2019, 07:35 Uhr

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