Biker-Szene Tausende Motorradfahrer protestieren bundesweit gegen Fahrverbote

Tausende Motorradfahrer haben am Samstag bundesweit gegen mögliche Fahrverbote an Sonn- und Feiertagen demonstriert. Allein in Dresden trafen sich rund 5.000 Biker. Vielerorts kamen deutlich mehr Menschen als erwartet.

Viele Motorräder stehen in der Dresdner Innenstadt.
Protest der Motorradfahrer in der Dresdner Innenstadt. Bildrechte: Xcitepress

In mehreren deutschen Städten haben am Samstag Tausende Motorradfahrer demonstriert. Der Protest richtete sich gegen mögliche Fahrverbote an Sonn- und Feiertagen sowie weitere gesetzliche Vorgaben zum Lärmschutz, die der Bundesrat im Mai vorgeschlagen hat.

Eine der größten Demonstrationen gab es in Dresden. Statt der erwarteten 1.000 Teilnehmer, versammelten sich dort nach Angaben der Polizei rund 5.000 Motorradfans. Der Theaterplatz und weitere Parkplätze seien voll besetzt gewesen, sagte der Sprecher der Organisatoren, Ex-FDP-Landeschef Holger Zastrow.

Ich gehe fest davon aus, dass der Protest ankommt. Wer das nicht ernst nimmt, hat den Schuss nicht gehört.

Holger Zastrow Organisator der Motorraddemo in Dresden

Die Teilnehmer seien den Kennzeichen zufolge aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie Brandenburg und Berlin angereist, sagte Zastrow.

Weitere große Demonstrationen gab es in Stuttgart, Friedrichshafen am Bodensee, Wiesbaden und Schwerin. Allein in Stuttgart sprach die Polizei am frühen Nachmittag von bis zu 8.000 Teilnehmern. Dort kam es zu erheblichen Verkehrsbehinderungen. In München, wo die Behörden den Protest untersagt hatten, waren nach Polizeiangaben etwa 6.000 Motorradfahrer auf dem Mittleren Ring unterwegs.

Motorradfahrer nehmen an einer Motorrad-Demo gegen Fahrverbote an Wochenenden und Feiertagen teil.
In München drehten tausende Motorradfahrer trotz Verbots ihre Runden. Bildrechte: dpa

Begrenzung auf Lautstärke eines Rasenmähers

Hintergrund der Proteste ist ein langer Streit über Motorradlärm. Die Bundesländer setzen sich dafür ein, dass die Fahrzeuge weniger Lärm verursachen. So sollen die zulässigen Geräusch-Emissionen auf einen Wert begrenzt werden, der in etwa der Lautstärke eines vorbeifahrenden Lkw oder eines Rasenmähers entspricht. Der Bundesrat will zudem beschränkte Motorrad-Fahrverbote an Sonn- und Feiertagen ermöglichen.

Motorradfahrer: Massiver Eingriff in Freiheitsrechte

Der Dresdner Demo-Organisator Zastrow bezeichnete die Pläne als einen massiven Eingriff in die Freiheitsrechte. Ein Hobby dürfe nicht so stark beschnitten werden. Zastrow befürchtet einen "Flickenteppich im Land", wenn Kommunen über Sonntagsfahrverbote für Motorradfahrer entscheiden dürfen. Zastrow fordert statt Verboten einen Dialog.

Verbände von Fahrern und Herstellern kritisierten die angedachten Fahrverbote ebenfalls. Aus ihrer Sicht sind die Vorschläge "wirklichkeitsfremd" und "populistisch".

Scheuer unterstützt Motorradfahrer

Die Bundesregierung ist momentan am Zug, über die Vorschläge der Bundesländer zu entscheiden. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CDU) bekräftigte am Samstag, dass er Verschärfungen und Verbote für Motorradfahrer ablehnt. "Wir haben ausreichende, geltende Regeln", sagte Scheuer. "Die Biker zeigen bei den Protesten ihre Haltung gegen Verschärfungen und Verbote. Das ist auch meine Haltung. Ich werde die Beschlüsse des Bundesrates, also der Bundesländer, nicht umsetzen."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 04. Juli 2020 | 05:23 Uhr

133 Kommentare

CrizzleMyNizzle vor 4 Wochen

"Oder rosarot, wie es gerade beliebt..."
ne, aber mal nen bissl realistischer würde Ihnen Norbert gut tun.

"Blockwart, Hausvertrauensmann, IM, Denunziantentum feiern fröhliche Wiederauferstehung."
Ist das perfekte Beispiel von "Welt schlecht reden"

CrizzleMyNizzle vor 4 Wochen

"nach meiner Meinung nach könnte man hier auch sagen Rassismus pur bzw."
Die Motorradfahrer sind Rassisten? Hmm ja die Lärmbelastung ist schon gravierend aber so schlimm nun auch nicht...

:p

Tourer61 vor 4 Wochen

Das grundlegende Problem wie in vielen anderen Bereichen spiegelt sich darin dass manche nicht erkennen (Gründe:Naivität?, Egoismus? Narzismus? Blindheit?), dass die eigene Freiheit "Mit lautem Motorrad fahren und Krach machen" dort aufhört wo die Freiheit von Anderen anfängt "Ohne Gehörschutz spazieren gehen, wandern, radfahren etc...". Das Recht auf Individualität heißt nicht andere mit Lärm terrorisieren zu dürfen. Wenn das wie bisher weiterhin nur bei Apellen an die Krachmacher bleibt und sich eben nix tut ist das jetzige Dilemma mit Streckensperrungen genau die Folge. Im meiner Region im Schwarzwald kämpfen die hiesigen Bürgermeister und Gemeinden schon seit Jahren gegen den Lärmterror an den leidgeplagten Anliegern und Gästen. Sie haben sich mit ihren Petitionen zusammengeschlossen und das auch schon lange angekündigt - die Welt wird eben immer enger !
<<<<< Laut ist out !!! >>>>>> ich sage dies schon lange als Motorradfahrer