Abfall in der Corona-Krise Entsorger: Bei Quarantäne auf Mülltrennung verzichten

Das neue Coronavirus kann sich bekanntlich lange auf Gegenständen halten. Aus diesem Grund sind die kommunalen Müllentsorger alarmiert: Sie bitten daher Menschen in Quarantäne, auf Mülltrennung zu verzichten.

Bioabfall-, Papiertonne und Gelbe Tonne
Ob Papier oder Plastik, um die Infektionsgefahr zu verringern sind Haushalte in Corona-Quarantäne dazu aufgerufen alles im Restmüll zu entsorgen. Bildrechte: imago/mm images/bildagentur-n

Joghurtbecher? In den Restmüll. Zahnpastatuben? Restmüll. Pizzakartons, altes Brot, leere Shampoo-Flaschen? Wer unter Corona-Verdacht steht, soll alles in den Restmüll werfen, darum bitten derzeit die kommunalen Entsorgungsunternehmen. Auch die Stadtreinigung Leipzig hat einen entsprechenden Hinweis etwas versteckt auf ihrer Webseite stehen, erklärt Sprecherin Susanne Zohl.

Zohl sagt, private Haushalte, die mit dem Coronavirus infiziert seien, sollten eine verschließbare reißfeste Tüte nehmen und darin Papier, Pappe, Plastik und den normalen Restabfall zusammen entsorgen. Die Tüte solle dann in den Restmüll geworfen werden. Susanne Zohl erklärt: "Das ist einfach zum Schutz für die anderen Nutzer, die die gleiche Restmülltonne benutzen, und auch um unsere Müllwerker nicht zu gefährden."

Schutz vor Infektionen

Vier Minimülltonnen stehen im Freien
Mit Corona infizierte Haushalte sollen ihren Müll doppelt eintüten und dann im Restmüll entsorgen. Bildrechte: MDR/Bernd-Volker Brahms

Hausmeister, Nachbarn, Abfallentsorger, sie alle sollen so vor einer möglichen Ansteckung mit dem neuen Coronavirus geschützt werden, darauf weist auch Patrick Hasenkamp vom Verband kommunaler Unternehmen hin. Er geht sogar noch etwas weiter: Müll aus Corona-Haushalten sollte am besten doppelt verpackt werden. Damit folgen die Kommunen einer Empfehlung des Bundesumweltministeriums.

Betroffen sind in Deutschland derzeit rund 720.000 Menschen, die von Gesundheitsämtern in Quarantäne geschickt wurden, weil sie sich infiziert haben oder weil sie unter Infektionsverdacht stehen. Sie alle sind nun also aufgefordert, auf Mülltrennung zu verzichten und alles in die graue Tonne zu werfen. Deren Inhalt landet meist in Müllverbrennungsanlagen. Doch nicht immer. Die Leipziger Stadtreinigung zum Beispiel bringt den Restmüll in sogenannte mechanisch-biologische Abfallanlagen, so Susanne Zohl.

Sie sagt: "Bei uns wird nichts verbrannt, sondern es kommt in diese mechanisch biologische Anlage." Dort werde der Abfall noch mal sortiert, Kunststoffe und Bioabfall würden rausgezogen. Das funktioniere nicht händisch, sondern über Maschinen mit Gebläse, Magneten und dergleichen. Die verwertbaren Stoffe würden rausgezogen und nur der Rest, der nicht verwertbar sei, werde auf der Deponie abgelagert.

Ob der Verzicht auf die Mülltrennung bei Corona-Infizierten wirklich notwendig ist, das ist bislang noch offen. Denn wissenschaftlich nachgewiesen ist nur, dass das Virus lange auf Oberflächen überleben kann. Strittig ist aber, ob sich Menschen so auch anstecken. Für sogenannte Schmierinfektionen gibt es bislang kaum Belege, teilte das Bundesinstitut für Risikobewertung mit. Gänzlich auszuschließen sei das aber nicht.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. November 2020 | 06:02 Uhr

16 Kommentare

adler123 vor 1 Wochen

Meine Mülltonne hat einen Chip, der registriert beim Entsorger meine Entleerungen die ich bezahlen muß. Ich werde mich hüten, wegen nichts, diese vollzumüllen.

heribert54 vor 1 Wochen

Und dann kommt wieder das große Gejammer der Müllentsorger, daß diese überlastet sind. Kann aber auch sein, die Müllverbrennungsanlagen sind zur Zeit nicht ausgelastet. Laßt bitte solche Berichte über Müllentsorgung bei Corona, wer sich schützen will, trägt bei der Befüllung der Tonne Handschuhe.

Querdenker vor 1 Wochen

Zitat: „Für sogenannte Schmierinfektionen gibt es bislang kaum Belege, teilte das Bundesinstitut für Risikobewertung mit.“

Die wissen doch auch oft nicht genau, wo und wie sich die Leute anstecken.

Durchschnittsbürger im Alltag: Beim Verlassen des Hauses die Türklinke angefasst, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit, mit dem Aufzug gefahren, in der Kantine Mittag gegessen, nach der Arbeit noch schnell den Einkaufswagen durch den Supermarkt geschoben und zwischendurch sich mit so einigen Menschen unterhalten.

Es wird eher mit Wahrscheinlichkeiten gearbeitet.

Die Schmierinfektion spielt wahrscheinlich die geringste Rolle, weil sie sich aber auch relativ gut vermeiden lässt. Eine Verharmlosung dieser Art der Ansteckung wäre nicht hilfreich.

Die Rahmenbedingungen für das Coronavirus haben sich jetzt im Herbst deutlich verbessert auch für Schmierinfektion. Das Virus kann ggf. tagelang auf Oberflächen überleben.

siehe „dw Studie: Coronavirus länger überlebensfähig“