MDR-Magazin "Umschau" Mutmaßliche Betrüger nach MDR-Berichten angeklagt

Rolf H. bezeichnete sich selbst als "Marktführer Europas beim Führerscheintourismus". Jetzt müssen er und seine Frau sich vor dem Landgericht Detmold wegen Betrugs und Steuerhinterziehung verantworten. Auslöser waren mehrere MDR-Berichte.

von Henry Rieck und Andreas Wolter

Der "Führerscheinkönig" Rolf H. vor dem Landgericht Detmold.
Rolf H. muss sich jetzt vor dem Landgericht Detmold verantworten. Bildrechte: dpa

Nach der Berichterstattung der MDR-Wirtschaftsredaktion steht ein mutmaßliches Betrügerpaar nun vor Gericht. Das berichtet das MDR-Magazin "Umschau" in seiner aktuellen Ausgabe. Im Strafverfahren gegen Rolf H. und seine Ehefrau geht es um Betrug und Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit Vermittlertätigkeiten für EU-Führerscheine. Der Schaden soll 1,8 Millionen Euro betragen. Wolfram Wormuth, Richter am Landgericht Detmold, sagte: "Den Ursprung des Verfahrens bildet ein Filmbeitrag des MDR."

Geschäfte mit tschechischen Führerscheinen

tschechischer Führerschein
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Der Mitteldeutsche Rundfunk hatte zwischen 2013 und 2015 in mehreren Beiträgen der Magazine "Umschau" (MDR) und "Plusminus" (Das Erste) über die Geschäfte von Rolf H. berichtet. Der selbsternannte "Marktführer Europas beim Führerscheintourismus" hatte Verkehrssündern aus Deutschland versprochen, für 2.650 Euro einen tschechischen Führerschein zu erwerben, der in der EU gültig ist. Außerdem hatte er angeboten, über England die Wiedererteilung eines Führerscheins zu vermitteln. Um in Deutschland keine Steuern zahlen zu müssen, will sich Rolf H. nach eigenen Aussagen tschechische Betriebs- und Wohnsitze verschafft haben. Vor-Ort-Recherchen der MDR-Wirtschaftsredaktion hatten aufgedeckt, dass es sich dabei mindestens in einem Fall nur um eine Briefkastenadresse gehandelt hat. Zudem hatte sich der Angeklagte im TV-Beitrag darüber geäußert, dass er mit seinem Geschäft einen Umsatz von mehreren Millionen Euro macht. Das veranlasste die deutschen Behörden, gegen Rolf H. zu ermitteln. Im Januar 2019 erfolgte die Anklage vor dem Landgericht Detmold. Die Hauptverhandlung hat am 4. Dezember begonnen. Angesetzt sind 40 Verhandlungstage.

Landgericht Detmold Az.: 23 Js 1207/15 und 26 KLs 11/18

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 10. Dezember 2019 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Dezember 2019, 13:28 Uhr